ANNETTE DUSCHINGER

Noch so eine Baustelle, die die CSV nach jahrzehntelangem Ausruhen auf Lorbeeren hinterlassen hat: Waren das noch Zeiten, als die Arbeitslosenquote in Luxemburg bei knapp zwei Prozent lag - faktisch Vollbeschäftigung. Das war in den 1980er und 90er Jahren, da hieß der Arbeitsminister noch Jean-Claude Juncker (1984 bis 1999). Eine Quote von knapp sechs Prozent hinterließ dann François Biltgen im Jahr 2009 seinem sozialistischen Nachfolger, Nicolas Schmit - mitsamt einer schwerfälligen, arbeitsmarktfernen Verwaltung, die gelinde gesagt nicht den besten Ruf genoss. Man verwaltete dort die Arbeitslosigkeit eher, als dass man sich die Mühe machte, Arbeitssuchende personalisiert zu fördern und fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Oder den Betrieben nur die Kandidaten zum Vorstellungsgespräch zu schicken, die auch das entsprechende Profil haben.

Das Ausmaß der Vernachlässigung klang am Montag an, als die ADEM ihren Jahresbericht 2014 vorlegte. „Wir nähern uns dem 21. Jahrhundert“, brachte es nicht ohne Selbstironie der für die technischen Neuerungen zuständige, beigeordnete Direktor Ian Tewes auf den Punkt. Doch was für Computersoftware gilt, trifft im noch höheren Maß auf die Interaktion zu, die die Direktion unter Isabelle Schlesser intern und extern mit Mitarbeitern und Partnern aufbaute. Das wohl größte Verdienst der dynamischen und pragmatischen Direktorin, die erst 2013 die Adem-Spitze übernahm, 2014 schon von der Gemeinschaft der für Personalressourcen Verantwortlichen als „bester öffentlicher Partner“ für Effizienz, Modernität und Reaktionsfähigkeit ausgezeichnet wurde, ist, dass sie es verstand, in kürzester Zeit das in die ADEM verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen und eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern aufzubauen. Im Gegensatz zu ihrem politischen Chef, Arbeitsminister Nicolas Schmit hat sie auch keinerlei Berührungsaversionen mit dem Privatsektor. Im Gegenteil: Sie stellte Leute als Vermittler ein, die aus dem Privatsektor kommen und damit die Bedürfnisse der Betriebe kennen und richtet ihre Dienstleistung daran aus. So simpel kann es sein: „Wir bereiten vor, aber es sind die Betriebe, die entscheiden, wen sie einstellen - einen Arbeitslosen oder Neuen“, stellte sie am Montag nüchtern fest. Während für Nicolas Schmit nur steril „der Arbeitsmarkt“ existiert, hat sie durchaus verstanden, dass der Arbeitsmarkt auch Gesichter, Namen und Ansprüche hat - die der Arbeitgeber.

Sicher, Minister Schmit lässt ihr freie Hand und nimmt auch wortlos die freiwillige Verpflichtung des Patronats zur Kenntnis, in den nächsten drei Jahren 5.000 Arbeitslosen eine Chance auf Beschäftigung zu geben. Aber im Gegenzug drückte er nun den Betrieben ein Gewerkschafts-überfreundliches Mitbestimmungsrecht auf, das sich gewaschen hat und die Betriebe nicht unerheblich finanziell belasten wird. Er kommentiert auch gerne die Vorstöße von Patronatsseite für eine Flexibilisierung der Wochen-Arbeitszeiten mit den Worten: „Déi sollen sech elo mol ginn.“ Gut, dass manche Leute ¨nicht Äpfel mit Birnen aufwiegen.