JUNGLINSTER
DANIEL OLY

Die Zukunft der (Solar-)Energie in der Expertenrunde

Wie kann die „Energiezukunft Lëtzebuerg“ aussehen? Darüber sprachen am gestrigen Freitag im Rahmen der dritten „Solar Convention“ in Junglinster Experten der Stromversorgungsbranche und Vertreter der Gemeinden aus dem Großherzogtum. Dabei wurde auch die neue Energieplattform vorgestellt sowie darüber gesprochen, wie das selbst gesteckte Ziel - ambitiöse 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2050 - umgesetzt werden kann und was Gemeinden dabei beitragen können.

Das war denn auch die zentrale Aussage des Energieministers Claude Turmes, der gestern die Tagung eröffnete. „Es ist sehr gut, dass wir heute so zahlreich erschienen sind“, meinte er. „Wir brauchen Sie und ihr Know-How, aber auch Ihren Einsatz“, erklärte Turmes an die Gemeinden gerichtet. Denn es gehe nur gemeinsam, um die hohen Ziele bei der Energieumstellung zu verwirklichen. „Der Klimaschutz lässt sich nicht mehr aufschieben“, betonte er. „Wir müssen so schnell - die Betonung liegt auf ,schnell‘ wie möglich raus aus allen fossilen und atomaren Energiequellen.“

Energieeffizienz und Netz ausbauen

Gerade beim Thema der Photovoltaik könnten Gemeinden hier einen wichtigen Beitrag leisten, um der Zielsetzung der Regierung und dem gesamten Land einen neuen Schwung zu verleihen. „Wir wollen zu den Vorzeigeregierungen in Europa gehören“, erklärte Turmes. Das bedeute einen Rückgang von 50 Prozent bei den CO²-Ausstößen bis 2030; „ansonsten bekommen wir das bei unserem europaweit größten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum nicht in den Griff.“

Derzeit liegt die Nennleistung der Solarenergie im Großherzogtum bei knapp acht bis zwölf Megawatt, das soll sich um den Faktor zehn verbessern. „Wir peilen 80 bis 100 Megwatt an“, betont er. Ein Schritt hierfür sei im verstärkten Einsatz von Photovoltaikanlagen auf den Dächern zu finden, auch auf öffentlichen Gebäuden und Hallen. „Zu diesem Zweck soll ein Solarkadaster entstehen, um die verfügbaren Flächen so schnell wie möglich zu erschließen“, versprach er. So soll das Ziel bis 2022 schon erreichbar sein. Eine weitere mögliche Maßnahme: Kooperationen (wie die mit baltischen Staaten) zum Energietransfer. „Aber warum nicht geographisch näher, zum Beispiel mit Offshore-Windanlagen in Belgien oder den Niederlanden.“

„Es herrscht ganz klar Aufbruchstimmung“, fasste Tom Eischen, Regierungskommissar der Energiedirektion, zusammen. Mit Recht. Luxemburg sei derzeit auf der Spur, seine 2008 gesetzten Ziele für 2020 zu erreichen. Jetzt plane man konkret für die kommenden elf Jahre. Das Ziel bis 2030: „Ein Anstieg der Effizienz auf bis zu 44 Prozent und ein Anteil an erneuerbaren Energien von bis zu 25 Prozent.“ Besonders viel Potenzial sieht die Branche und die Politik hierbei in der Photovoltaik: „Derzeit leisten wir circa 473 Gigawattstunden an erneuerbarer Energie, davon entfallen 100 auf Solarenergie.“ Der Regierungsplan sieht derzeit einen Anstieg auf über 2.200 Gigawattstunden mit nachhaltiger Energie vor, 1.100 davon sollen auf Solarenergie entfallen. Der offizielle Plan, wie es weiter gehen soll, soll bis Ende Dezember stehen, erklärte Eischen. Dafür brauche es Projekte innovativer Stromanbietern, wie Photovoltaikfassaden, und moderne Konzepte wie eine engere Kooperation zwischen Gemeinden. Eingeladen hatte der seit 20 Jahren in Luxemburg agierende Photovoltaikanbieter „Electro-Center“.