LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Umwelt- und Innenausschuss stellten Fragen zur Wasserqualität nach den Unfällen 2019

Das Land wurde im letzten Jahr mehrfach von Unglücksfällen getroffen, die zumindest eine zeitweise massive Wasserverschmutzung nach sich gezogen haben. Zur heftigsten Verschmutzung kam es durch eine Fehlfunktion in der hauptstädtischen Kläranlage in Beggen. Aufgrund eines falsch angesteuerten Überlaufventils flossen dort über 22 Stunden nur grob gesäuberte Abwässer in die Alzette - tausende Fische starben an Sauerstoffmangel. Zu einem ähnlichen, aber weniger dramatischen Zwischenfall durch menschliches Versagen kam es beim Bau eines Regenrückhaltebeckens in Bettemburg, betroffen war ebenfalls die Alzette. Auf der anderen Seite kam es bei Großbränden, zunächst durch einen Brand bei „Kronospan“ zu einer Belastung der Korn, und später durch einen Brand im Industriegebiet Echternach zu einer Belastung der Sauer.

Die ersten drei der genannten Fälle waren für die CSV, speziell die Abgeordneten Martine Hansen und Marco Schank, Anlass in einer Sitzung des Umwelt- und Innenausschusses der Abgeordnetenkammer nach der ökologischen Bilanz der Zwischenfälle, einer Wiederherstellung der Lebensräume und Schutzmaßnahmen für die Zukunft zu fragen.

Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) und Innenministerin Taina Bofferding (LSAP) standen, unterstützt von der Führung des Wasserwirtschaftsamtes und des Großherzoglichen Rettungskorps CGDIS, den Abgeordneten Rede und Antwort. Bereits im Oktober hatte der liberale Abgeordnete Gusty Graas eine Aktualitätsstunde im Parlament veranlasst.

Keine einfache Antwort möglich

Laut Umweltministerin Dieschbourg ist es nicht einfach, eine Antwort auf die Fragen nach dem aktuellen Befund der Gewässer zu geben, da der Zustand der luxemburgischen Oberflächengewässer nahezu überall als „nicht gut“ eingestuft werden muss. Nur zwei Prozent der hiesigen offenen Gewässer sind nach EU-Normen als gut einzustufen, trotz zahlreicher Maßnahmen, die bereits ergriffen wurden. Die von den Unglücksfällen direkt betroffenen Wasserläufe seien dabei sich zu erholen, nur vereinzelte Giftspuren seien noch nachzuweisen. Eine umfassende Bilanz könne man erst im Laufe des Jahres 2020 ziehen. In der Ausschusssitzung gingen die Verantwortlichen des Wasserwirtschaftsamtes zunächst auf die Verschmutzung der Korn ein. Das eingespülte Löschwasser aus dem holzverarbeitenden Betrieb konnte die Korn aufgrund ihres sehr niedrigen Wasserstandes nicht schnell genug abführen. Der Mangel an Sauerstoff, die Zufuhr von Ammoniak und organischen Kohlestoffen zerstörten das Ökosystem. Nach einsetzendem Regen habe sich die chemische Qualität des Bachwassers wieder schnell erholt.

In Beggen und Bettemburg hat es sich nicht, wie bei der Korn, um eine eigentliche Vergiftung gehandelt, die schiere Menge an ungeklärtem Abwasser hat den Sauerstoff vernichtet und damit lebende Organismen getötet - auf dem betroffenen Flussabschnitt die ganze Fischpopulation. Die Wiederansiedlung von Fischen sei jetzt die größte Herausforderung, trotz der aktuell niedrigen Wasserbelastung.

Was tun mit dem Löschwasser?

Die Fragen an das Großherzogliche Rettungskorps befassten sich mit dem Thema Löschwasser, beziehungsweise dessen Folgen. Die Leitung des CGDIS sicherte zu, in Zukunft eine Spezialeinheit dafür einzusetzen, bei Großbränden das gebrauchte und damit belastete Löschwasser aufzufangen oder ungefährlich abzuleiten.

Die Abgeordneten verlangten nach einer Bestandaufnahme aller Rückhaltebecken, auch in den Industriegebieten, was effektiv bedeutet, alle Becken einer Untersuchung zu unterziehen. Außerdem müssten die strafrechtlichen Folgen einer Verschmutzung durch Industrieunternehmen geprüft werden, auch wenn sie die Verschmutzung nicht in einem akzeptablen Zeitpunkt bekannt machten.

Im Winter kann man nichts sagen

Auf Nachfrage des „Journal“ bei einem Umweltverband zur Wasserqualität, hieß es, dass eine erste Neubesiedlung der betroffenen Flussabschnitte zu beobachten sei, aber man zu dieser Jahreszeit, auf Grund der hohen Niederschlagsmengen, sowieso keine zuverlässigen Werte für die generelle Wasserqualität von Bächen und Seen ermitteln können. Dies sei nur bei konstanten Wasserständen möglich. Wer bei der Nachfrage nach Wasserqualität und Gewässerzustand auf das Geoportal des Katasteramtes zugreifen will, findet dort zwar detaillierte Angaben - leider aber mit dem Stand 2015.