In den letzten Jahrzehnten wurden immer wieder mal Fußballspieler mit jahrelangen Sperren, mit Geldstrafen und sogar Gefängnis belegt, weil sie sich gegen einige tausend Dollar, DM oder Euro dazu hatten hinreißen lassen, ungebührlichen Einfluss auf den Ausgang eines Spieles zu nehmen. Die Leute, die über derartige Unsportlichkeiten zu befinden hatten, in aller Regel gesetzte Herren im schönen Anzug, mit ernstem Gesicht und würdevollem Blick, waren Mitglieder von nationalen oder Vertreter von internationalen Verbänden, die stets von einer vorrangigen Sorge um die Sauberhaltung des sportlichen Geschehens beseelt schienen.
Mittlerweile wurde immer deutlicher erkennbar, dass es mit dem betont zur Schau gestellten moralischen Sendungsbewusstsein nicht immer so weit her war, wie das von der breiten Öffentlichkeit geglaubt werden sollte. Schlimmer noch: Die Bestechlichkeit wuchert offenbar gerade dort am heftigsten, wo man die Quelle der absoluten Integrität normalerweise vermuten müsste. Die in den letzten Tagen ins Visier internationaler Ermittler geratene Fifa ist dabei beileibe kein Einzelfall.
Allerdings ist der Weltfußballverband, neben dem IOC, wohl die bei weitem größte, umsatzstärkste und letztendlich auch einflussreichste Sportvereinigung, der aus eben diesen Tatsachen heraus auch eine besondere Verantwortung zufällt. Diese Verantwortung besteht vor allem gegenüber jenen Verbänden, die in der Dritten Welt oft den einzigen Hoffnungsanker für Millionen Jugendlicher darstellen, die mangels anderer Möglichkeiten im Fußballsport die einzige Leiter zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg erkennen.
Diese an sich noble und ehrenwerte Umverteilungsfunktion wurde allem Anschein nach aber nicht immer richtig verstanden. Ge- und benutzt wurde vielmehr die Bereitschaft von Abgesandten aus bitterarmen Staaten und Verbänden, gegen großzügige persönliche Zuwendungen jene Entscheidungen der Verbandsspitzen mit zu tragen, die ansonsten wohl nie zustande gekommen wären. Das erfüllt den Tatbestand der Bestechung und Bestechlichkeit genau so wie den der Unterschlagung, die allesamt als strafwürdig gelten. Nur für die Verfolgungsbehörden ist es nicht immer einfach, gegen eine internationale Vereinigung mit den Maßstäben nationaler Gesetze vorgehen zu können.
Wenn jetzt Joseph Blatter, der aus seiner taktisch gut vorbereiteten Wiederwahl eine Bestätigung seines bisherigen Kurses ableiten will, persönlich im Fokus steht, so muss doch gesagt werden, dass es weniger das „System Blatter“ war als vielmehr das „System Fifa“, das zu den offensichtlichen Auswüchsen geführt hat. Fifa- und andere Mandate haben weniger mit Honorigkeit als vielmehr mit handfesten finanziellen Interessen zu tun. Alles Geld, was auf diesem Weg abhanden kommt, fehlt im Endeffekt dort, wo es wirklich nötig gebraucht würde. Da wäscht dann auch automatisch eine Hand die andere.
Dauerhafte Abhilfe schaffen kann hier nur gnadenlose Offenlegung. Fällig wäre eine vollständige Ausmistung dieses Augias-Stalls.


