BETTEMBURG
LIZ MIKOS

Die Teilnehmer des Literaturwettbewerbs „Prix Laurence“ zeigen sich immer kritischer

Am 25. und 26. April findet der Literaturwettbewerb „Prix Laurence“ bereits zum sechsten Mal statt: Ein Erfolg, mit dem selbst die Organisatoren zu Beginn nicht gerechnet hätten. Bei der ersten Auflage wussten sie nämlich noch nicht, was sie genau erwarten wird, mit mehr als 20 Autoren hätten sie jedenfalls nicht gerechnet, aber schon vor fünf Jahren kamen insgesamt um die 90 Werke rein. „Das hat uns schon gleich am Anfang gezeigt, wie wertvoll dieser Wettbewerb ist und wie wichtig es ist, diese jungen Talente zu fördern“, verrät Patrick Hurt, der in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Bettemburg verantwortlich für die Programmkoordinierung des „LiteraTour“-Festivals ist. Die Jugendlichen wurden stets tatkräftig mit Praktika und Workshops unterstützt, später kam sogar die Anthologie hinzu, in der die Texte der Laureaten schön präsentiert gedruckt werden, ein Höhepunkt, der auch beim diesjährigen Wettbewerb nicht fehlen darf. „Diese Anthologie ist für sie, wie eine Demo-CD für junge Musiker. Es ist eine Art Visitenkarte für die Autoren“, so Hurt. Aber auch nach dem „Prix Laurence“ sollen die Gewinner noch weiterhin begleitet werden und eine Plattform geboten bekommen. Doch zunächst geht es noch darum, die zahlreichen Texte, die noch bis zum 16. März eingesendet werden können, zu lesen. Beim „Prix Laurence“ soll den Jungautoren und ihren Werken eine Plattform geboten werden, damit sie Erfahrung sammeln und ihre Kunst mit ihren Mitmenschen teilen können. „Sie sollen keine Angst haben ihr Können zu zeigen, das ist zu diesem Zeitpunkt die Hauptbotschaft, mit der wir uns an sie richten“, ermutigt der Veranstalter die jungen Talente. Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt, von zwölf bis 17 Jahre und von 18 bis 26 Jahre. Doch wie verläuft dieser literarische Wettbewerb?

Den ersten Schritt wagen

Alle Texte, die online gesetzt werden, müssen einmal überlesen werden, um sicherzustellen, dass keine feindlichen oder rechtsradikalen Texte darunter sind, die vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Danach sind die Werke in der Regel schon ein bis zwei Tage nach dem Einsenden auf der Internetseite verfügbar. Mittlerweile haben sich schon rund 20 Leute beworben, das werden aber gegen Ende hin immer deutlich mehr. Normalerweise sind es um 150 Texte, wovon einige auch vom selben Autor stammen können. „Es gibt Leute, die schicken vier oder fünf etwas kürzere Texte rein, was aber überhaupt nicht schlimm ist. Wir schauen uns nur die Texte an, nicht den Autor.“ Zurzeit kommen die Bewerbungen allerdings noch sehr unbeständig rein. Die meisten erreichen die Organisatoren dann erst kurz vor der Deadline. „Die Hälfte oder ein Drittel kommt meist erst in den letzten vier Tagen, oder eine Minute vor Mitternacht“, verrät Hurt weiter. Gründe dafür können sein, dass die Teilnehmer erst unter Druck richtig aktiv werden, aber auch, dass sie sich erst noch als Autor bei Familie und Freunden outen müssen, wie der Organisator mitfühlend erklärt. Bei einigen sei es tatsächlich so, dass sie sich bewerben möchten, aber erst einmal in ihrem Umfeld von ihrer schriftstellerischen Tätigkeit erzählen müssen, bevor ihr Werk für alle online verfügbar ist und sie zum Gesprächsthema werden. Diesen Schritt zu wagen sei für so manchen Jungautor eine richtige Überwindung, könne aber auch zu einer weiteren Motivation werden.

Wer von der Jury ausgewählt wurde, muss sich auch noch einmal live beweisen. Sie müssen sich vorstellen und ihr Werk erstmalig vor Publikum präsentieren, erst danach wird entschieden, wer welchen Platz belegt. Zu sehen, wie selbstbewusst und mit welcher Stärke so mancher seinen Text schon vortragen kann, sei ein sehr besonderer Moment, erzählt der Veranstalter.

Kritisch und vielfältig

Ein Leitthema gibt es auch in diesem Jahr nicht, um die Jugendlichen nicht thematisch einzuengen. „Sie können über alles Mögliche schreiben und auch die Form oder das Genre ist ihnen frei überlassen. Wir bekommen Rap- und Songtexte, Poesie und manchmal sogar schon Auszüge aus Büchern“, erzählt Patrick Hurt. Bei den Sprachen haben die jungen Talente ebenfalls freie Wahl, so lange die Jury sie versteht. Hier kommen Luxemburgisch, Französisch, Deutsch und Englisch in Frage. Wobei Englisch als Schreibsprache immer beliebter werde. „Vor allem sind die Texte, die hochgeladen werden, auch klar durchdacht und sorgfältig überarbeitet. ‚Dabei sein ist alles‘ ist bei den Teilnehmern auf jeden Fall nicht das Motto, was gut zu beobachten ist. Es zeigt wie ambitioniert diese jungen Menschen sind und räumt mit dem Klischee der faulen Jugend von heute auf“, freut sich Patrick Hurt über den Ehrgeiz der jungen Schriftsteller. In den Texten stecke viel Herzblut, das merke man auch immer wieder an den Themen, die behandelt werden. Komödien gehören zu den Ausnahmen und stechen durch ihre Rarität besonders heraus, wenn es dann ein solcher Text auf die Webseite der Literaturveranstaltung schafft. Man befasse sich sehr intensiv und kritisch mit der Realität und der Aktualität und mache aus seinen Sorgen Kunst. Vor allem die Omnipräsenz der Klimaproblematik werfe bei dieser Generation neue Ängste und Fragen auf. Auf diese Missstände werde ganz besonders aufmerksam gemacht. „Sie wissen jetzt schon, dass viele Probleme auf sie zukommen werden, Krieg und der Klimawandel sind nur einige ihrer Sorgen. Man merkt, dass sie ihre Mitmenschen und auch andere Generationen wachrütteln und ihnen die Augen öffnen möchten, wobei man eigentlich oft denkt, dass das eher die Aufgabe älterer Generationen sein sollte“, erklärt Patrick Hurt.

Geplante Neuheiten

Eine Neuheit in diesem Jahr ist eine Art Spin-Off-Veranstaltung am Samstag, den 25. April, die von Jérôme Jaminet und den Laureaten der vergangenen Jahren gestaltet werden wird. Wie genau dieser Abend aussehen wird, bleibt vorerst noch eine Überraschung. Einige Namen der Teilnehmer dieses ganz speziellen Abends sind allerdings schon bekannt und in der luxemburgischen Literaturszene mittlerweile in aller Munde: Antoine Pohu, Anouk Mahr und Eline Klaassen.

Für Esch 2022 wird das LiteraTour-Festival, zu dem der „Prix Laurence“ gehört, dann größer aufgezogen. Bisher richtete sich der Aufruf zur Teilnahme nur an die Jugendlichen in Luxemburg, in diesem besonderen Jahr wird allerdings eine Kollaboration aus mehreren Ländern auf die Beine gestellt werden. So wird beispielsweise das litauische Kaunas, die Partnerstadt des Kulturjahres 2022, mit einbezogen werden. Wie der Ausbau des „Prix Laurence“ genau aussehen wird, ist bisher nicht bekannt, aber immerhin können sich bekennende Fans jetzt schon auf eine noch spannendere Edition freuen.

Das LiteraTour-Festival findet vom 18. bis zum 30. April in Bettemburg statt, das Finale des „Prix Laurence“ findet für die Zwölf- bis 18-Jährigen am 25. April, für die 18- bis 26-Jährigen am 26. April jeweils um 14.30 im Café Littéraire in Bettemburg statt, weitere Informationen und alle Texte unter www.prixlaurence.lu