LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Zu Besuch bei Bio-Landwirt Christian Wilhelm in Capellen

Entweder für teures Geld Milchquoten zukaufen, um den Familienbetrieb auszubauen, oder diversifizieren. Vor dieser Wahl stand Christian Wilhelm, als er um die Jahrtausendwende nach der Ackerbauschule in den elterlichen Bio-Bauernhof in Capellen einstieg.

3.500 Hühner in zwei Ställen

Nach reiflicher Überlegung beschloss die Familie, die schon immer Eier an die Dorfeinwohner verkauft hat, eine Geflügelfarm aufzubauen. Heute halten die Wilhelms rund 3.500 Hühner in zwei Ställen nach dem Prinzip der biologischen Bewirtschaftung. Das bedeutet nicht nur, dass die Tiere ausreichend Platz und Auslauf haben, sondern dass sie auch Futter aus biologischer Produktion erhalten und die Wege der Eier und des Hühnerfleisches zum Endkonsumenten kurz sind. Alle 13 bis 14 Monate wird ein Teil der Hennen geschlachtet, wenn sie in die so genannte „Legepause“ kommen. Die Schlachtung erfolgt übrigens zum größten Teil im Ettelbrücker Schlachthof. Dann wird ein Stall ganz geleert, gereinigt und desinfiziert, damit eine neue Hühnerpopulation einziehen kann.

Die Soja-Schiene

Aus der Überlegung heraus, das Futter so nah wie möglich am Verwendungsort zu produzieren ist Wilhelm übrigens einer der ersten Landwirte in Luxemburg, der in die Sojaproduktion eingestiegen ist. Nach der ersten Ernte erwartet er nun eine erste Lieferung zum Jahresende. Aufbereitet wird das sehr proteinreiche Soja, das noch geröstet wird, um es verdaulicher für die Hühner zu machen, von einer Firma in Ostbelgien.

Futter finden Wilhelms Hühner entweder draußen oder im Stall, in dem ein Förderkettensystem das Körnergemisch nach und nach vor die Legestellen befördert.

Lëtzebuerger Journal

Von Capellen nach Buschdorf und dann zu den Verkaufsstellen

Die Eier - rund 3.000 täglich - rutschen auf ein Förderband, das sie zwei bis dreimal am Tag in einen Raum bringt, wo sie nach Größe sortiert und dann mit einem speziellen Drucker beschriftet werden. Anschließend werden sie nach Buschdorf transportiert, dort befindet sich die Packstelle der Bio-Ovo S.A., einer 2012 von Bio-Produzenten gegründeten Zentrale für Bio Eier. Alle Produzenten befinden sich übrigens in einem Radius von maximal 80 Kilometern um die Packstelle, von wo aus die Eier an die verschiedenen Kunden geliefert werden. Einen Teil davon verkauft Wilhelm auch in der „Bio-Buttek“ auf seinem Hof.

Mit dem Absatz ist der Landwirt zufrieden. Die Nachfrage nach Lebensmitteln aus regionaler Produktion entwickele sich gut. Auch im Bio-Eier-Bereich. „Der Markt explodiert nicht, sondern steigert sich jährlich um etwa fünf Prozent“, erklärt der Bio-Landwirt.

Da die Nachfrage etwas über dem Angebot liegt, können die Erzeuger auf dem kleinen und überschaubaren luxemburgischen Markt auf angemessene Verkaufspreise vertrauen. Laut Statistiken des „Service d’Economie Rurale“ wechselt ein Bio-Ei im Durchschnitt für etwa 20 Cent den Besitzer. „Im Ausland wären unsere Eier nichts wert“, sagt Christian Wilhelm, der bereits einen Ausbau seiner Eierproduktion ins Auge gefasst hat. Noch nichts Konkretes, „die Pläne habe ich aber im Kopf“, sagt der Bio-Bauer, der auch Angus-Rinder züchtet und auch für sie mehr Platz benötigt.

ZUR HERKUNFT

Dinosaurier als Ahnen

Dass das Huhn wie alle anderen Vögel in direkter Linie von zweibeinig laufenden Raubsauriern abstammt, die vor rund 200 Millionen Jahren aufgetaucht sind, darüber sind sich die Wissenschaftler einig. In der Tat erinnern noch heute nicht nur die Fortbewegungsart der Hühner an Dinosaurier, sondern auch ihre schuppigen Füße daran. Vögel, wie wir sie heute kennen, soll es seit rund 55 Millionen Jahren geben, Hühnervögel seit knapp 45 Millionen Jahren. Der rezente Vorfahr des heutigen Haushuhns ist das Bankiva-Huhn (lateinisch Gallus Gallus), ein fasanenartiger Vogel aus Südostasien, dessen Domestizierung vermutlich vor rund 6.000 Jahren gelang, nachdem sich die Hühner auf der Suche nach Nahrung immer mehr den menschlichen Siedlungen näherten. Laut Schätzungen werden im Tagesdurchschnitt rund 20 Milliarden Haushühner weltweit gehalten. Der Mensch hat durch Zucht in ihre Entwicklung eingegriffen und sie für die Fleisch- und Eierproduktion „optimiert“. Im Durchschnitt legen Legehennen alle 26 Stunden ein Ei. Lässt man der Henne das Ei, fängt sie in der Regel an, es zu bebrüten. Nach etwa drei Wochen schlüpfen dann die Küken.