LUXEMBURG
JEFF KARIER

Seit zehn Jahren ist Eric Thibor Mikrobrauer - nun ist er bereit für den nächsten Schritt

Bier nicht aus der Flasche, Dose oder vom Hahn, sondern aus der eigenen kleinen Brauerei. Das ist für viele Bierliebhaber längst keine Seltenheit mehr. Auch in Luxemburg gibt es immer mehr private Brauer, die für sich, Familie und Freunde Bier brauen und dabei die ausgetrampelten Pfade des Pils verlassen. „Es gibt so viele unterschiedliche Biersorten, die ihr ganz eigenes Aroma haben“, erklärt der Mikrobrauer Eric Thibor, der vergangenes Jahr in Luxemburg für sein Bier als Homebrewer 2016 ausgezeichnet wurde.

Überraschend gut

Ihn hat vor rund zehn Jahren die Lust am Brauen gepackt, als ein guter Freund sich einen Braumeister 50 - ein Brausystem mit einem Volumen von 50 Liter der Marke Speidel - zugelegt hat. Beide seien von dem Geschmack des Selbstgebrauten überrascht. „Wir versuchten uns vor allem an dunklen- und Spezialbieren, wie etwa Rauchbier, da diese nicht käuflich zu erwerben waren. Ungefilterte Biere haben eben mehr Geschmack und die großzügigen Hopfengaben taten ihr übriges“, begründet Thibor gegenüber dem „Journal“. Mittlerweile hat er seine eigene kleine Anlage.

„Ich bin immer noch aufgeregt, wenn ich eine neue Kreation zum ersten Mal probieren darf“, meint er begeistert. Zu den Bieren, die er besonders mag und dementsprechend öfter braut, gehören dunkle Lagerbiere, Stouts und IPA’s. „Bei der letzteren Sorte verwendet man Unmengen an teurem Aromahopfen, was mir den Namen HappKapp einbrachte.“ Diesen Namen trägt nun auch sein Bier.

Einsatz für mehr Diversität beim Bier

Der diplomierte Bauingenieur braut aber nicht nur gerne, er ist auch der Vizepräsident der „Confrérie Gambrinus“ und setzt sich für den Erhalt der luxemburgischen Bierkultur. Außerdem ist Vorstandsmitglied der „Confédération der Brasseries et des Brasseurs du Luxembourg“ und kämpfe unter anderem für die „Homebrewer“ und mehr Diversität beim Bier.

Im Rahmen der Ausstellung „Onse Béier“, die noch bis zum 6. Oktober läuft, fand im Nationalarchiv vor einigen Wochen ein Vortrag zum Thema Bier selber brauen statt. Bei diesem erklärte der passionierte Mikrobrauer alles Wissenswerte zu dem Thema. Hierbei erklärte er auch, was man alles tun muss, um selber zuhause brauen zu können. Angefangen bei Wasser Malz, Hopfen und Hefe. Außerdem einen Topf - je größer desto besser - eine Heizquelle, wie etwa ein Kochfeld, oder ein Gaskocher. Dann noch Thermometer, Küchenwage, Rührlöffel und einiges mehr. Auch über die verschiedenen Etappen beim Brauen, sowie die einzuhaltenden Temperaturen sprach er. Wichtig ist es aber, die Anlage auch bei der „Douane“ anzumelden.

„Um in Luxemburg Bier zu brauen, um es dann zu verkaufen, ist sehr aufwendig, langjährig und kostenintensiv. Zwar gibt es bei uns eine gesetzliche Grundlage, die ist aber schon fast 100 Jahre alt und betrifft nur unsere Großbrauereien“, erklärt Thibor. Neue, kleinere Brauereien, wie die Heischter, Stuff- und die Echternacher Brauerei seien laut dem Brauer immer wieder auf neue Probleme und Herausforderungen gestoßen, bevor sie die Erlaubnis bekamen, ihre Produkte herzustellen und zu verkaufen. „Die CBBL, die sich besonders auch für die Anliegen kleinerer Betriebe und den Hobbybrauern verschrieben hat, ist in Gesprächen mit den Autoritäten, um die Abläufe zu vereinfachen und zu beschleunigen“, betont Thibor.

Nachhaltige Veränderung

Das ist mittlerweile auch nötig, da die Zahl der Mikrobrauer steigt und viele davon ihr Bier auch zum Verkauf anbieten wollen, oder zumindest mit dem Gedanken spielen. „Die Bierlandschaft wird sich in den nächsten Jahren nachhaltig verändern. Die uns bekannten Brauereien bleiben uns natürlich erhalten, aber der Konsument wird mehr Auswahl bekommen“, ist der Experte überzeugt.

Die Nachfrage nach Craft Beer steigt stetig an. Der Luxemburger liebe zwar sein Pils, möchte aber auch mal eine Abwechslung. „Mehrere Hobbybrauer, die bereits in den Startlöchern stehen und hervorragende Biere zaubern, werden ihre Spezialitäten an den Markt bringen. Andere werden in bestehenden Brauereien ihre Lohnsude brauen lassen und in Supermärkten und Cafés anbieten. Unsere ansässigen Brauereien planen bereits jetzt eigene hopfen- und malzbetonte Kreationen, die sie unter eigenem oder einem Neuen veräußern.“ Übernahmen, wie wir sie in den USA vermehrt sehen, seien in Luxemburg jedoch nicht zu erwarten. Dort haben nämlich aufgrund des Erfolgs des Craft Beers einige große Brauereien, eben solche kleine übernommen. Thibor ist darüber hinaus der Auffassung, dass der Gerstensaft einen Aufschwung erfahren werde und die Verbraucher wie auch die Brauer von dieser Entwicklung profitieren werden.

Neue Adresse für Bierfans

„Es wird bald möglich sein, mein Bier zu probieren. Im Herbst werde ich, mit meinem Geschäftspartner Olivier Schaul, die erste reine Craft-Beer-Bar Luxemburgs eröffnen“, kündigt Thibor an. Diese wird sich in Bonnevoie befinden und „Craft Corner“ heißen. Hier werden nicht nur lokale und internationale Spezialbiere angeboten werden, sondern auch eigene Bier-Kreationen. Insgesamt werden acht verschiedene und ständig wechselnde Biere vom Fass gezapft. Flaschenbiere werden es deutlich mehr sein. „Wir wollen einfach Bier in all seinen Facetten präsentieren, dies vor allem mithilfe eines Probiersets. Starkbiere probieren mit leerem Magen ist auch nicht das Wahre, deshalb werden wir auch Fingerfood, überwiegend aus regionalen und saisonalen Produkten, anbieten. Unsere Vision ist es, dass der Kunde nicht nur ’e Béier‘ bestellt, sondern, ähnlich wie beim Wein, nach seiner Lieblingssorte fragt und auch bekommt.“