NIC. DICKEN

Es sieht im Moment noch nicht so aus, als sei die unterschwellige Aufforderung an die verschiedenen Kräfte unserer Gesellschaft zur Mitwirkung an einer grundlegenden Erneuerung des Landes, die seit Antritt der neuen Regierung mehr oder weniger spürbar im Hintergrund mitschwang, bereits auf breite Aufnahme in der Bevölkerung gestoßen.

Auch wenn die ominöse Frist der 100 Tage, die einer Regierung zu ihrem Amtsantritt zusteht, um neue Akzente zu setzen, erst im Laufe dieser Woche ablaufen wird, so sind doch in einer Reihe von politischen Bereichen schon einzelne Ansätze zu erkennen, die selbstverständlich noch einer konkreteren Darstellung und vor allem auch einer resoluten Umsetzung bedürfen.

Für manche im Land mag es sogar genussvoll sein, jetzt die „Neuen“ erst mal machen zu lassen und sich über allzu forsche Aussagen und vermeintliche Fehltritte sogar köstlich zu amüsieren. Sinnvoller wäre es einzusehen, dass die neue Dreierkoalition wohl an ihrer eigenen Zukunft zu arbeiten hat, vor allem aber an der des Landes, die in den letzten Jahren denn doch in eine bedrohliche Schieflage geraten war mit Führungspersonal, dem es vielleicht nicht an der politischen Erfahrung, dafür aber umso mehr an Veränderungs- und Erneuerungswillen gefehlt hat.

Schwer zu wünschen übrig lässt z.B. immer noch die unbedingt notwendige Hinwendung zu jenen Bevölkerungsteilen, die wesentlichen Anteil haben am einzigartigen wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung des Landes, ohne dass man ihnen im Gegenzug eine angemessene politische Legitimierung zuzugestehen bereit wäre, wie es maßgebliche Patronatskreise seit mehr als einem Jahr fordern. Es wird nicht so sein können, dass „wir Einheimischen“ uns weiterhin in einem Wohlstand baden können, den wir mehr und mehr dem Einsatz jener „Fremden“ zu verdanken haben, denen wir darüber hinaus kein Gestaltungsrecht zugestehen.

Diese Rechnung wird, zumindest langfristig, genau so wenig aufgehen wie jene, dass die Regierung allein die erforderlichen Kursänderungen wird durchführen können, ohne dass sie dabei auf die aktive Mitwirkung der verschiedenen sozio-ökonomischen Kreise zählen könnte.

Den Menschen im Lande muss stärker als bisher vermittelt werden, dass die Gestaltung ihrer Zukunft und die Erhaltung ihrer Lebensbedingungen wesentlich auch vom eigenen Einsatz abhängen werden.

Das Modell des „Etat providence“, auf das man sich so lange verlassen zu können glaubte, ist angesichts von klammen Kassen einerseits und immer höherer Beanspruchung an seine Grenzen gestoßen und kann im derzeitigen Ausmaß nicht länger gehalten werden.

Je früher die Menschen, ob mit oder ohne luxemburgischen Pass, einsehen, dass die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft auch den Einsatz jedes einzelnen voraussetzt, desto schneller wird es gelingen, aus der alten Lethargie in eine neue wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Dynamik aufzubrechen.

Avis aux amateurs!