LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft für 33-jährigen Angeklagten

Ein heute 33-jähriger Mann ist angeklagt, sich jahrelang an seiner heute 29 Jahre alten Schwester vergangen zu haben. Ihm werden sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Inzest, Belästigung (Stalking), eine Reihe von Sittlichkeitsdelikten sowie Körperverletzung von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen. Was die Körperverletzung anbelangt, so spricht die Anklage von körperlicher Gewalt, die zum Teil zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt haben soll. Fast zehn Jahre lang soll der Bruder seine Schwester missbraucht haben, oft mehrmals in der Woche. Er soll sie mit Schlägen und Drohungen gefügig gemacht haben.

Laut Staatsanwaltschaft begann das Martyrium der Frau 2007 und endete im Juni 2017. Siebzehn Jahre alt war das Mädchen, als der Bruder anfing, sich an ihr zu vergehen. Es dauert zehn Jahre, bis sie das Geheimnis lüftete. Erst 2017 fasste sie den Mut und zeigte ihn bei der Polizei an.

Sein Platz auf der Anklagebank blieb am Dienstag jedoch leer. Der Angeklagte war nicht vor Gericht erschienen und lieferte auch keine Begründung für seine Abwesenheit. Auf einen Haftbefehl wurde zunächst verzichtet. Da aber eine ordnungsgemäße Einladung erfolgt war, entschied die Kriminalkammer, dass die Hauptverhandlung in Abwesenheit des Angeklagten fortzusetzen.

Der vom Gericht bestellte Sachverständige, der Psychiater Edmond Rénaud, bescheinigte dem Gericht, dass es sich um einen psychisch gesunden Mann handele, mit einer großen Libido, der seelisch kalt und egozentrisch sei. Sein Handeln lasse sich nicht durch Drogen oder den konsumierten Alkohol erklären. Dass er sich nicht zu seiner Tat bekenne, sei für den Psychiater ein klassischer Fall von Selbstverleugnung. Laut Psychiater ist der Mann voll schuldfähig.

Befragung des Opfers unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Vor dem Untersuchungsrichter hatte der Angeklagte die Vorwürfe der Vergewaltigung bestritten und beteuerte, dass alles, was er getan habe, einvernehmlich war. Damit blieb der Schwester eine Aussage vor Gericht nicht erspart. Nach dem Anhören des Psychiaters stellte die Vertreterin der Nebenklage den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit zum Selbstschutz der Zeugin. Der Prozess wurde anschließend - wie beantragt wurde - ohne Publikum fortgesetzt. Die 29-Jährige leide noch heute unter den seelischen Folgen. „Die Taten sind scheußlich und widerlich“, sagte die Anklagevertreterin Manon Wies. „Wanns du de Mond opdeess, geschitt dir eppes!“ Niemand will etwas davon gemerkt haben. Auch die Mutter nicht, die als Zeugin vor Gericht aussagen musste.

Das Opfer gebe sich selbst die Schuld. Sie habe mit sich gehadert, was sie tun solle, habe jahrelang nach unter mutmaßlichen Missbrauch von Alkohol und Medikamenten gelitten. Sie sei zu einem Sex-Objekt gemacht worden.

Sein Alter und der Umstand, dass er der große Bruder war, hätten ihm mit Sicherheit geholfen, sagte die Staatsanwältin, schon deswegen gab es ein gewisses Machtgefälle. Rücksichtslos habe er das ausgenutzt. Alle Strafpunkte seien erfüllt, sagte Wies - sie forderte acht Jahre Haft für den Angeklagten.


Das Urteil soll am 29. Mai gesprochen werden