LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Generalversammlung der ACEL: Clifton Cano ins Amt des Präsidenten gewählt

Traditionsgemäß hält die „Association des Cercles d’Étudiants Luxembourgeois“ (ACEL) am 26. Dezember ihre jährliche Generalversammlung ab. Eigentlich ist der Dezember ein „stressiger Monat“ für die ACEL, das Datum wurde jedoch nicht grundlos gewählt. „Weihnachten verbringen die meisten Studenten zu Hause. Es ist fast die einzige Zeit im Jahr, wo auch die, die weiter entfernt studieren, in Luxemburg sind“, erklärt der frisch gebackene Präsident Clifton Cano. Gestern wurde er in die Fußstapfen von Tom Hermes gewählt, der seine Kandidatur nicht erneut stellte, weil sich seine Studienzeit dem Ende zuneigt. Der 22-jährige Cano studiert im dritten Semester „Sciences économiques et de gestion“ in Straßburg und ist seit zwei Jahren im Vorstand der ACEL aktiv. Im „Journal“-Interview blickt er auf das Jahr 2014 und die markantesten Dossiers zurück.

Welche Bilanz zieht die ACEL vom auslaufenden Jahr?

Clifton Cano 2014 war für uns ein aufregendes und anstrengendes Jahr. Vor allem wurde es von der Reform der Studienbeihilfen dominiert. 2014 war auch aus dem Grund von besonderer Bedeutung, weil die ACEL ihr 30-jähriges Bestehen feierte. Die Feier in der Abtei Neumünster war einer meiner persönlichen Höhepunkte. Unser „Studentebal“ war ebenfalls ein voller Erfolg, und auch unser Projekt „Student fir 1 Dag“ kam bei den Schülern gewohnt gut an. Übrigens kamen in diesem Jahr mehr Anfragen aus Schulen, die uns zu sich einluden, um die Schüler gezielt zu informieren. Außerdem war die Nachfrage nach unseren beiden Veröffentlichungen „Guide du Futur Étudiant“ und „Guide du Futur Diplômé“ deutlich größer als im letzten Jahr. Unter dem Strich blicken wir also auf ein gutes Jahr zurück.

Was waren die großen politischen Dossiers, mit denen sich die ACEL beschäftigt hat?

Cano Abgesehen von der Reform der Studienbeihilfen, hat uns besonders - oder immer noch - die Diskussion um die GEZ-Rundfunkgebühren beschäftigt. Da es noch viel Unklarheit gibt, versuchen wir die Studenten so gut wie möglich zu informieren. Das ist recht kompliziert, vor allem seit das System der Studienbeihilfen geändert hat. Wir versuchen, eine Befreiung von diesen Gebühren zu erreichen. Darüber hinaus setzen wir uns nach wie vor für einen gesetzlichen Studentenvertreter ein. Dringend muss ein Gremium bestimmt werden, das als offizieller Ansprechpartner für jeden Studenten gilt. Das ist keine neue Forderung. Die spezielle Studiensituation in Luxemburg - die Tatsache, dass viele junge Leute im Ausland studieren - macht diese Angelegenheit etwas problematischer. Wir haben bereits viele Ideen gesammelt und auch mit Bildungsminister Claude Meisch besprochen. Das wird ein konkretes Projekt für nächstes Jahr sein.


Apropos Studienbeihilfen, warum hat sich die ACEL eigentlich so aus dem damaligen Streit rausgehalten?

Cano Dass wir uns nicht am Streik beteiligt haben, heißt nicht, dass wir uns komplett rausgehalten haben, im Gegenteil, wir waren sehr aktiv. Wir hatten uns dazu entschieden, direkt auf den Minister zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Natürlich haben wir dafür Kritik geerntet. Allgemein bekamen wir aber guten Rückenwind, unsere Mitglieder standen hinter uns. Sieht man sich das Resultat an, so denke ich, dass es die richtige Entscheidung war.

Mit der neuen Regelung sind Sie also zufrieden?

Cano Es ist noch zu früh, um zu sagen, welches die genauen Auswirkungen der Änderungen sind. Wir müssen abwarten, bis wenigstens ein Jahr Studienbeihilfen ausgezahlt wurden. Es ist klar, dass die meisten Studenten weniger Geld zur Verfügung haben. Am wichtigsten erscheint uns jedoch, dass die jungen Menschen, die absolut darauf angewiesen sind, noch immer die gleiche Summe bekommen.

Hatten die Studenten 2014 noch andere Probleme?

Cano Nicht dass ich wüsste. Das größte Problem war, dass die ganze Reform so lange in der Schwebe hing. Das machte es vor allem angehenden Studenten nicht leicht, eine Entscheidung bezüglich ihres Studiums zu treffen. Sie wussten nicht, welche finanziellen Mittel sie zur Verfügung haben würden. Das war eine etwas blöde Situation.

Wie kommt die ACEL mit der neuen Regierung klar?

Cano Bis jetzt war die Zusammenarbeit sehr gut. Dass die ACEL parteipolitisch neutral ist, ist natürlich von Vorteil. Es ist uns deshalb egal, ob uns ein Minister von der DP oder CSV gegenüber sitzt. Das spielt keine Rolle.

Gibt es bestimmte Herausforderungen für 2015?

Cano Mit dem CEDIES arbeiten wir derzeit an einer Umfrage, um den Einfluss der Studienbeihilfen zu analysieren. Reelle Zahlen fehlen bislang. Wir möchten herausfinden, wie der Durchschnittsstudent studiert. Es werden immer wieder Aussagen ins Gespräch gebracht, die nicht auf Studien basieren, demnach auch nicht anhand von Fakten belegbar sind. Es ist uns wichtig, dass es für die Zukunft verlässliche Angaben gibt. Andere Herausforderungen werden sich mit Sicherheit im Laufe des Jahres noch ergeben.