LUXEMBURG
JEAN-PAUL BECK

Heute ist der „World Bee Day“. Der Welttag der Bienen, der auf den Geburtstag eines der Pioniere der Imkerei, den Slowenen Anton Jansa (1734-1773) fällt, wurde 2017 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um die Aufmerksamkeit auf die entscheidende Rolle der Bienen in unserem Ökosystemen zu lenken. Sie sorgen nämlich als Bestäuber für die Befruchtung auch unserer Nutzpflanzen. Aber die Bienen sind weltweit unter Druck: die Umweltverschmutzung macht ihnen zu schaffen. Wie steht es um die Bienenvölker in Luxemburg? Wir haben bei Jean-Paul Beck, dem Präsidenten des „Lëtzebuerger Landesverband fir Beienzuucht“ nachgefragt.

„Die Frage nach dem Zustand der Bienenvölker ist nicht leicht zu beantworten, weil es große regionale Unterschiede gibt. Ich würde sagen, dass 2020 sich als normales Jahr abzeichnet. Im vergangenen Jahr war das Frühjahr durch die Witterung katastrophal. Dieses Jahr war es besser, wenngleich etwas zu trocken. Wenn es zu trocken ist, geben die Pflanzen weniger Nektar her, das wirkt sich natürlich auf die Honigerträge aus.

In den letzten Jahren sind die Völker zum Glück von verheerenden Krankheiten verschont geblieben. Wir haben in diesem Winter einen Ausfall von nur durchschnittlich acht Prozent. Das ist im Vergleich zu 2013, wo vor allem durch die Varroa-Milbe 33 Prozent der Völker verloren gingen, sehr ermutigend. Dieser blutsaugende Parasit, der die Bienen sehr schwächt und in den geschwächten Völkern Krankheiten provozieren kann, ist in den 1980er Jahren aufgetaucht und wir werden ihn leider nicht mehr los.

Er lässt sich mit Ameisensäure bekämpfen, aber diese Behandlung ist sehr delikat und muss von geschulten Imkern durchgeführt werden. Wir setzen aber große Hoffnung in die Arbeit unseres Kollegen Paul Jungels, der an der Züchtung einer Bienenart arbeitet, welche die Varroa-Milben aufspüren und den Stock von ihnen befreien kann. Wir sind sehr dankbar dafür, dass das Landwirtschaftsministerium dieses Projekt unterstützt und auch zu 80 Prozent die Kosten eines ‚Beieberoder‘ trägt.

Der wird zur Unterstützung der rund 450 Imker im Land gebraucht. Leider mussten durch die Covid-19-Pandemie bis jetzt alle praktischen Kurse ausfallen. Das macht mir ein wenig Angst für das kommende Jahr, denn für die fachgerechte Bienenhaltung braucht man viel Wissen. Die Insekten sind nämlich sehr empfindlich. Damit sie gedeihen, muss man eine ganze Menge von Faktoren berücksichtigen.

Sorgen mache ich mir auch um die Biodiversität hierzulande. Sie nimmt in der Pflanzenwelt ab und beeinträchtigt somit auch die Bestäuber-Insekten. Wir haben leider keinen Überblick über die Wildbienenvölker im Land, aber sie sind natürlich genau so wichtig für das Ökosystem wie unsere Hausbienen. Allgemein gilt: die Insekten brauchen Futter und das finden sie nicht auf kahlen Wiesen, auf Asphalt oder in kahlen Steingärten. Mein Appell zum Weltbienentag ist demnach folgender: Bitte sorgen Sie doch für bunte Gärten oder Terrassen mit einer Diversität an Pflanzen. Die Bienen werden es Ihnen danken.“

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