LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Neue CD als Hommage für den Bassisten und Komponisten Eberhard Weber

Im Januar wurde er 75, der deutsche Bassist und Komponist Eberhard Weber, ein in der internationalen Jazzszene hochgeschätzter Musiker, der durch seinen einzigartigen, sonoren, schwebenden Basssound seit über 50 Jahren einen besonderen Platz, nicht nur auf der deutschen Szene sondern ebenso in der internationalen Jazzgeschichte einnimmt.

Weltberühmtheit erlangte er in den 1970er Jahren bei Gary Burton und Pat Metheny mit seinem selbst konstruierten, fünfsaitigen Elektro-Akustikbass, der ihm ermöglichte, den Basssound zu revolutionieren und einen völlig neuen Stil zu entwickeln, wo der Bass als eigenständiges und gleichberechtigtes Soloinstrument eingesetzt wird.

Aufnahme des Hommage-Konzertes

Das Münchener Label „ECM“ hat jetzt eine CD mit sechs Kompositionen des Jubilars, meisterhaft für Solisten und Big Band arrangiert, die im Januar im Rahmen eines Hommage-Konzertes im Stuttgarter Theaterhaus aufgezeichnet wurde, auf den Markt gebracht. Schon allein die Besetzung der grandiosen Produktion liest sich wie ein „Who’s Who“ des aktuellen Jazz.

Neben der SWR Big Band, bei der übrigens der Luxemburger Felice Civitareale am Trompetenpult sitzt, sind international bekannte Solisten, meist langjährige Weggefährten Webers, wie Jan Garbarek, Gary Burton und Pat Metheny mit von der Partie. Weber selbst, der seit einem Schlaganfall im April 2007 halbseitig gelähmt ist, moderierte das Konzert, das vom SWR aufgezeichnet wurde, und bereits am 2. August im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

„Résumé Variations“, das Eröffnungsstück des hochkarätigen Events, präsentiert der Saxofonist Jan Garbarek, der seinen einzigartigen hymnischen Hang zur Mystik und die berühmte spirituelle Ausstrahlung seiner Phrasierung in einem ausgedehnten Solo voll zur Geltung bringt.

Interessant ist der Solovortrag des Themas „Touch“ durch die im Jazz selten als Soloinstrument eingesetzte Tuba. Hier entwickelt sich zusammen mit Vibraphonist Gary Burton und seiner berühmten und bewährten 4-Schlegeltechnik eine feinsinnige Resonanz einer neuen Perspektive der Big BandMusik, geprägt vor allem von der gelungenen Synthese von pastellartigen Klängen und atmosphärischer Rhythmik, arrangiert von Ralf Schmid.

Abwechslungsreiche Klangmalerei

Mit „Maurizius“, für den Autoren das schönste Stück der CD, tritt der britische Arrangeur Michael Gibb als Leiter des großorchestralen Ensembles in Erscheinung und verzaubert mit einer raren intensiven Intimität des konzertanten Klangkörpers, der dem vitalen Multiinstrumentalisten Paul McCandless auf dem Sopransaxofon, mit harmonischen Klangideen und -formen im Geist eines genialen Gil Evans, eine ideale Basis für seine virtuosen Improvisationen bietet. „Tübingen“, konfrontiert McCandless, diesmal auf dem Englishhorn, mit der abwechslungsreichen Klangmalerei der Big Band und unterstreicht vorbildlich sein lyrisches Spiel untermalt von der gebündelten Dynamik des Kollektivs unter der Leitung von Helge Sund.

Als Zugabe des viel umjubelten, komplett ausverkauftem Konzerts stand Webers Komposition „Notes After An Evening“ auf dem Programm, eine eher melancholisch anmutende Klangcollage, die noch einmal die Philosophie des legendären Bassisten und Komponisten in außerordentlich eleganten und intensiven Passagen Revue passieren lässt.