LUXEMBURG
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Citroën begeht den 70. Geburtstag seines Kultwagens - und Luxemburg feiert kräftig mit

Es galt, vier Personen und fünfzig Kilo Kartoffeln zu befördern! Auf dem Oldtimer-Salon Rétromobile 2018, der Anfang Februar in Paris stattfand, stand Citroëns absolute Ikone, der 2CV, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert ganz im Mittelpunkt. Ganz nebenbei auch der Citroën Méhari, der den 50. feiert. Zu besonderen Anlässen wie diesen stellen Automarken dann gerne „Urväter“ oder Prototypen neben ihr Erfolgsmodell. So auch Citroën, die den Vorläufer des 2CV, den Prototypen TPV („Toute Petite Voiture“) aus dem Jahr 1939 präsentierten. Darüber hinaus bereitet Citroën einen weiteren großen Geburtstag vor: 2019 feiert die Marke ihr 100-jähriges Jubiläum.

Der volksnahe Mythos

Seine Weltpremiere feierte der Citroën 2CV auf dem Pariser Automobilsalon 1948 im Beisein des damaligen französischen Staatspräsidenten Vincent Auriol. Auf Anhieb raubte er dem Publikum den Atem. Einige machten sich über seine außergewöhnliche Silhouette lustig - andere bemerkten bereits, dass der Citroën 2CV über sämtliche Eigenschaften verfügte, die zahlreichen damaligen Modellen fehlten, darunter Schlichtheit, Leichtigkeit, Agilität, Komfort und Vielfältigkeit.

Nach der Vorstellung des Citroën 2CV gab der hohe Bestelleingang der Marke und ihren visionären Entwicklern Recht. Entwicklungsleiter André Lefebvre stattete den Citroën 2CV mit für damalige Zeiten zahlreichen pfiffigen Technologien aus, wie einem Frontantrieb, einer weichen Federung mit langem Federweg und einem luftgekühlten Zweizylinder-Motor. Der volksnahe Citroën 2CV wurde - wie das Unternehmen gerne mitteilt - zum festen Bestandteil der Gesellschaft: „Bauern, Priester, Familienväter und Studenten saßen am Steuer“, schreibt Citroën. Das beliebte Modell blickt auf eine einzigartig lange Karriere von 42 Jahren zurück. Bis 1990 wurden mehr als 5,1 Millionen Citroën 2CV (inklusive Kastenwagen) verkauft. Heute zählt der als „Ente“ bekannte Citroën 2CV zu den Ikonen der Automobilgeschichte und stellt den Mittelpunkt einer großen Sammlergemeinde weltweit dar.

Nur noch sieben Modelle vom „TPV“, dem Urvater des Citroën 2CV

Das Projekt „TPV“, der Urvater des Citroën 2CV, wurde bereits im Jahr 1936 vorgestellt. Ziel des Projekts war es, ein „ganz kleines Auto“, ein „Toute Petite Voiture (TPV)“ für jedermann, zu entwickeln. Das Fahrzeug sollte die Anforderungen im ländlichen Raum erfüllen und für die arbeitende Klasse erschwinglich sein - in einer Zeit, in der das Automobil ein Luxusobjekt war. Schlicht, wirtschaftlich und aber auch vielseitig - so sollte sich das Fahrzeug darstellen. Doch es ging noch genauer: „Vier Personen und fünfzig Kilogramm Kartoffeln oder ein Fässchen mit einer Spitzengeschwindigkeit von 60 km/h befördern zu können“. Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen: Es kam auf 370 Kilogramm Leergewicht, kostete in der Produktion ein Drittel eines Citroën 11CV und legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte. Dabei hatte der Prototyp TPV lediglich einen Scheinwerfer, denn die damalige Gesetzgebung schrieb keine zwei Scheinwerfer vor. 1939 standen so rund 250 Vorserienmodelle zum Pariser Automobilsalon bereit. Aufgrund des Kriegsausbruchs fand dieser allerdings nicht statt. Die Fahrzeuge wurden absichtlich zerstört oder versteckt.

Heute sind nur noch vier Exemplare übrig, darunter das restaurierte Modell, das auf der Rétromobile ausgestellt wurde. Drei weitere wurden 1994 auf dem Speicher eines Bauernhofs in der Nähe des Citroën Entwicklungszentrums im französischen la Ferté-Vidame entdeckt.

Die „Ente“ beruhigt

Für den passionierten Luxemburger 2CV-Fan Pierre Back ist es einfach nur ein tolles Gefühl, in einer „Ente“ unterwegs zu sein. Was aber ist genau die Faszination 2CV? „Ganz klar: Man steigt in den Wagen ein und wird absolut entschleunigt“, schwärmt Back, der seine Leidenschaft mit anderen im „2CV Club Lëtzebuerg“ ausleben kann. „Die Frage, einen anderen Wagen zu überholen, stellt sich beim 2CV überhaupt nicht. Man bleibt einfach dahinter“, sagt Back auch mit Blick auf die „beruhigende Wirkung des 2CV. Nicht zuletzt wegen der Federung. Meine Kinder haben in keinem Auto geschlafen. Wenn wir aber mit dem 2CV unterwegs waren, dauerte es keine fünf Minuten und sie haben geschlafen.“ Gegründet wurde übrigens der Verein „2CV Club Lëtzebuerg“ im April 1979, „und aktuell haben wir rund 130 Mitglieder und sind im Besitz von 200 Autos“, sagt Back, dessen erstes Auto eine „Ente“ war. „Der Wagen hat damals 18.000 Luxemburger Franken gekostet - damals noch bezahlbar, auch wenn er ein paar Roststellen hatte.“

Der soziale Zweck des Clubs besteht in der Zusammenführung und Schaffung eines freundschaftlichen Bandes zwischen allen Besitzern und Liebhabern von Citroën 2CV-Fahrzeugen und deren Derivaten wie Ami, Dyane oder

Méhari, sagt der Club-Sekretär. Auch will der Verein zur Erhaltung oder Restaurierung solcher Fahrzeuge beitragen, indem man gemeinsame Veranstaltungen und Aktivitäten organisiert, Ersatzteile und Dokumente erwirbt und mit vergleichbaren nationalen und internationalen Verbänden oder Gruppen zusammenarbeitet.

2CV-Ausstellung in Diekirch

Interessant auch die vierteljährliche Herausgabe der Zeitschrift mit dem passenden Namen „EIS DÖSCHEWO“. Die Hauptaktivitäten liegen aber in der Organisation des „Internationalen Treffens für 2CV in Wiltz“, das übrigens zum 37. Mal vom 24. bis 26. August stattfindet, oder den regelmäßigen Clubtreffen am letzten Freitag eines jeden Monats. Also genug Arbeit für den Vorstand um Präsident Guy Chalon, Kassierer Manou Frising und die weiteren Vorstandsmitglieder Sonja Ebsen, Pascal Di Tullo, Pierre-Francois Henrion, Harald Schröher und Marc Theis.

Aktuell wird der 70. Geburtstag der 2CV mit einer Ausstellung im „Conservatoire National de Véhicules Historiques“ in Diekirch gefeiert, die von heute bis zum 7. Oktober zu sehen sein wird. Präsentiert werden unter anderem der erste Prototyp aus dem Jahr 1937 sowie der letzte 2CV, der am 27. Juli 1990 in Mangualde (Portugal) produziert wurde.

Kontaktadresse des Clubs:19, rue d’Altlinster, L-6163 Bourglinster -
E-Mail: contact@2cvclub.lu - www.2cvclub.lu

Lëtzebuerger Journal

Fun Facts

Der Name 2CV, beziehungsweise „Deux Chevaux“ ist wegen der steuerlichen Einstufung der Wagen entstanden. Die ersten Modelle aus dem Jahr 1948 hatten allerdings neun Pferdestärken.

Die Designer des 2CV wollten, dass es ein „Regenschirm mit vier Rädern“ ist, was das Auto wirklich gut  zusammenfasst. Es war simpel, ein bisschen rustikal, aber es brachte Menschen trocken von A nach B.

Dank der einzigartigen Aufhängung und Handhabung des 2CV konnten mit dem Wagen Eier in einem Korb über gepflügte Felder transportiert werden, ohne die Schalen der Eier zu beschädigen.

Die ersten Modelle des 2CV  verbrauchten auf 100 Kilometer drei Liter Treibstoff. 1959 brachte Citroën den „Radioën“ auf den Markt, ein tragbares Radio für die 2CV.

Im 1981 veröffentlichten James Bond-Film „For your eyes only“ fährt Roger Moore, der den Agenten seiner Majestät spielte, in einer Szene einen 2CV. Citroën ließ als Werbemaßnahme auf 500 Stück limitierte James Bond-2CVs bauen.

Da Erfinder Pierre Boulanger befürchtete, dass jemand seine Ideen kopieren könnte, kaufte er ein sicheres und abgelegenes Gelände westlich von Paris. Hier wurden in Ruhe auf einer 2,5 Kilometer langen Teststrecke mit verschiedenen Oberflächen Tests durchgeführt.