GRÜMELSCHEID
CHRISTIAN SPIELMANN

Ziegenmilchprodukte aus Grümelscheid: Tessy Gillen hat den Betriebszweig für sich entdeckt

Genau weiß Claude Gillen nicht mehr, wann seine Großeltern väterlicherseits anfingen den Bauernhof in Grümelscheid (bei Wiltz) zu betreiben. Es muss nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen sein. Nach dem Tod der Großeltern sind es seine Eltern, die 1985 den Hof übernehmen und als Nebenerwerb betreiben. Danach ist es an ihm. Zusammen mit seiner Frau Myriam und den Kindern Tessy und Charel halten sie Kühe, Schweine und Hühner. Tochter Tessy interessiert sich intensiver für den Beruf des Bauern, besucht die Ackerbauschule in Ettelbrück und wird auf die Zucht von Ziegen aufmerksam, als sie ein Praktikum in einem Ziegenbetrieb in Nörtringen macht.

Auf einem weiteren Ziegenhof in Hanviller im Elsass, bildet sie sich weiter und lernt die Verarbeitung von Ziegenmilch zu Käse und Jogurt. Die tierliebende Tessy merkt, dass die Ziegen neugierige und intelligente Tiere sind. „Und sie sind handlicher als Kühe“, sagt sie lachend. „Man kann sie auf den Arm nehmen! Da wir einen außergewöhnlichen Betriebszweig suchten, stand fest, dass wir uns auf die Zucht von Ziegen und die Verarbeitung der Milch spezialisieren werden. Zudem bestand die Möglichkeit, eigene qualitativ hochwertige Produkte herzustellen“, erklärt sie

Erste Versuche

Auf der „Foire Agricole“ in Ettelbrück im Juli 2016 stellt die Familie ihren neuen Betrieb vor, mit fünf Ziegen und einem Bock der Rasse Tauernschecke. Erst einmal wird in Grümelscheid experimentiert, wie man Käse oder Jogurt herstellt. Am Anfang geht vieles schief, doch nach und nach beginnen die Milchprodukte zu schmecken. Im Februar 2017 wird mit einer kleinen Produktion angefangen. Die Kühe müssen nach und nach den Tauernschecken Platz machen. 2018 werden die letzten Rinder verkauft. Der Stall wird ziegengerecht umgebaut. Eine moderne Melkanlage wird installiert, bei der bis zu zwölf Ziegen gleichzeitig gemelkt werden, und das zweimal am Tag. Eine Ziege kann täglich übrigens bis zu zwei Liter Milch geben.

Momentan tummeln sich etwa 65 Ziegen im Stall oder in der angrenzenden Wiese. Gefüttert werden sie mit Heu aus eigener extensiver Produktion. Außerdem erhalten sie Kraftfutter, das nicht genmanipuliert ist, so dass ihre Nahrung naturbelassen bleibt. „Die Leute interessieren sich momentan sehr viel für regionale Produkte, was sich positiv auf den Verkauf auswirkt“, erklärt Tessy.

Milch, Käse und Jogurt

Für Nachwuchs sorgt ein einziger Bock! Zurzeit geben etwa 40 Ziegen Milch. Die anderen sind Jungtiere, die erst nach der ersten Lammung Milch geben werden. Im Prinzip geben sie dann ihr Leben lang Milch. Je nach Milchfettgehalt reichen etwa 85 Liter aus, um 100 Käse à 150 Gramm herzustellen.

In der eigenen Käserei, die ebenfalls 2018 in Betrieb genommen wurde, wird die Ziegenmilch zu Käse verarbeitet, speziell Frischkäse, der entweder naturbelassen ist oder mit Kräutern, Schnittlauch, Honig, Pfeffer, Cranberrys, Ananas, Papaya und Mango verfeinert wird. Es wird auch Ziegen-Camembert hergestellt, der einen vorzüglichen Geschmack hat. Schließlich gibt es Jogurt in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Die Milch und die qualitativ hochwertigen Ziegenmilchprodukte kann man ebenfalls im eigenen Hofladen kaufen, der morgens von 8.00 bis 10.00 geöffnet ist und abends von 17.30 bis 20.00. Die Produkte kann man auch in den Cactus-Supermärkten erwerben, sowie in einem Geschäft in Boulaide, einem Bauernhof in Ettelbrück und einer Metzgerei in Bartringen, zwei Tankstellen in Roullingen und Imbringen sowie in zwei Restaurants in Roder und Clerf. Die 20-jährige Tessy Gillen hatte die richtige Idee zum idealen Zeitpunkt.


Auf der Facebookseite „Gremmlichter Geessenhaff“ kann man sich die Produkte ansehen, wie auch auf www.sou-schmaacht-letzebuerg.lu. Der Hofladen befindet sich auf der Nummer 19 in der Duerfstrooss, 9654 Grëmmelescht, also Grümelscheid