LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Bâtonnier“ François Kremer über die Entwicklung des Anwaltsberufs

Er hat im September François Prum auf dem Vorsitz der Anwaltskammer Luxemburg abgelöst: François Kremer, Partner in der Anwaltskanzlei Arendt&Medernach mit Spezialisierung auf internationale Streitsachen und Mitglied der Anwaltskammer seit 1988. Damals waren rund 300 Anwälte dort eingetragen. Heute sind es laut Anwaltskammer fast 2.500, „Tendenz steigend“, sagt Kremer. Andere Berufe hätten durchaus mehr Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden, aber Juristen seien enorm gefragt.

Foto: Editpress/Julien Garroy - Lëtzebuerger Journal
Foto: Editpress/Julien Garroy

Enormer Bedarf

Das hängt auch mit der Ausdehnung großer Anwaltskanzleien am Finanzplatz Luxemburg zusammen. Im Durchschnitt werden bei den Vereidigungssitzungen, die viermal im Jahr stattfinden rund 150 neue Anwälte zugelassen. Trotzdem wird der Bedarf kaum gedeckt.

Die Anwaltskammer schlägt deshalb bereits seit Jahren vor, die Sprachanforderungen für die Anwälte zu lockern, die laut Gesetz der luxemburgischen, deutschen und französischen Sprache mächtig sein müssen. Nun ist es so, dass ein wesentlicher Teil der Mitglieder der Anwaltskammer in Bereichen arbeitet, in denen sie kaum Luxemburgisch verwenden. Im internationalen Business ist ohnehin Englisch die Sprache Nummer Eins.

Die Sprachbedingung

Die in der Liste II der Anwaltskammer eingetragenen Anwälte sollen also künftig nur mehr Französischkenntnisse nachweisen können. Klar ist allerdings, unterstreicht François Kremer, dass laut den deontologischen Regeln ein Anwalt sich keinem Fall widmen kann, dessen Sprache er nicht versteht. Auch muss er in dem Fachgebiet zuhause sein, an den der Fall rührt. Sonst setze er sich Disziplinarstrafen durch die Anwaltskammer aus.

A propos Fachwissen: „Das Recht wird immer komplexer“, sagt François Kremer. Es werde immer schwieriger, Generalist zu sein, die Spezialisierung schreite fort. Und die Digitalisierung halte längst Einzug in den Anwaltsberuf. „Knowlegde Management“-Systeme seien heute fast schon unverzichtbar, um auf dem letzten Stand der Entwicklung des Rechts zu bleiben.