LUXEMBURG
SVEN WOHL

Wie die Nationalbibliothek den Umzug und den Lockdown meisterte

Entlang der Tramlinie im Viertel Kirchberg ist die luxemburgische Nationalbibliothek seit einem Jahr angesiedelt. Dieses erste Jahr hätte außergewöhnlicher kaum sein können. Wir führten ein Gespräch mit Christine Kremer, die seit 2011 für die Kommunikation bei der Nationalbibliothek verantwortlich ist.

Ist die Bibliothek mittlerweile richtig an ihrem neuen Standort angekommen?

Christine Kremer Am 30. September 2019 fand die offizielle Eröffnungszeremonie statt und ab dem 1. Oktober öffneten wir für jeden unsere Türen. Davor fand der Umzug seit April statt. Da waren bereits einige hier installiert. Die letzten von der Mannschaft sind im Verlauf des Julis umgezogen. Danach begannen gleich die Vorbereitungen zum Empfang der ersten Besucher. Wir mussten Workflows neu definieren und testen und uns bereits mit dem Gebäude vertraut machen - all das, bevor die Türen sich öffneten Den Gebäudeplan kannte man vielleicht bereits, aber wie alles im Einklang funktionieren kann, dafür brauchte es die Testphase, die ungefähr von September bis Januar andauerte.

Wie erlebten Sie diese Testphase?

Kremer Die Workflows liefen relativ rund. Das umfasst alle Prozeduren, die die Arbeit mit den Büchern und das Zusammenspiel mit dem Leser betreffen. Allerdings gab es die Befürchtung, dass wir keinen richtigen Anklang finden würden oder Stammkunden verlieren würden, wenn wir uns nicht mehr mitten in der Stadt befinden.

Wir erlebten jedoch das Gegenteil und wurden positiv davon überrascht, wie leicht und schnell die Menschen das Gebäude und das Gesamtkonzept der Bibliothek angenommen haben. Das war zwar eines unserer Ziele. Am 6. Oktober organisierten wir übers Wochenende Tage der offenen Tür. Wir rechneten mit 1.000 Besuchern, wurden aber von 14.000 regelrecht überrumpelt. Dieser große Erfolg hat uns motiviert, weiter zu machen, denn wir wussten, die Art, wie wir vorgegangen sind, wird angenommen und genutzt. 

... und dann kam der Lockdown...

Kremer Wir sind ganz froh darüber, dass die Eröffnung im vergangenen Jahr stattfinden konnte. Wir konnten fünf Monate normal funktionieren. Wären wir sofort in die Lockdown-Phase gefallen, hätten wir keine Vergleichsmöglichkeiten gehabt und wir wüssten nicht, ob das neue Gebäude auch bei den Menschen ankommt. Wir waren offiziell vom 7. März bis zum 4. Mai geschlossen. Das ging relativ schnell vorbei, wobei bestimmte Restriktionen bestehen blieben, bis sie nach und nach gelockert wurden. Manche Einschränkungen bestehen weiter.

Man könnte uns vielleicht den Vorwurf machen, zu vorsichtig zu sein, aber wir wollen die Sicherheit der Besucher und Mitarbeiter garantieren. Wir haben zwar große Räumlichkeiten, doch die Besucher sind nicht nur eine halbe Stunde hier. Da haben wir entschieden, den Menschen mehr Zugang über digitale Wege zu ermöglichen. Das stimmt auch bei den Einschreibungen, die man online erledigen kann, nur muss man sich später ausweisen, um sie zu komplettieren. Das wird auch viel genutzt. Damit konnten die Leute dann auch uneingeschränkt online Ressourcen nutzen.

Wir konnten bei den Zugriffen auf die digitalen Angeboten eine extreme Steigerung von 184 Prozent feststellen. Wir hatten mehr Zugriffe vom März bis August dieses Jahres als in der gleichen Periode des Vorjahres. Wir haben während des Lockdowns versucht, mehr digitale Inhalte schneller anzubieten. In dem Rahmen haben wir dann auch 770 Audiobooks und über 19.000 ebooks  hinzugesetzt, was einen großen Anklang fand. Viele haben von ihrer Freizeit profitiert, um sich fort- und weiterzubilden. Dabei haben sie unter anderen auf unsere Datenbanken Skilleos und Pressreader oder och eluxemburgensia zurückgegriffen.

Wie sieht ihr Blick in die Zukunft aus?

Kremer Durch die Pandemie und den Wechsel in der Direktion befinden wir uns in einer Transitionsphase. Im Herbst sollte sich das ein wenig einpendeln und sich eine neue Normalität einfinden, die uns eine neue Perspektive erlaubt. Durch Covid haben wir gelernt, nicht nur in die Zukunft zu schauen, sondern uns auch auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und unseren Lesern sofort entgegen zu kommen. Auch wenn die Zeiten anspruchsvoll sind, werden wir den Kurs halten und wollen unserem breiten Publikum möglichst viele Ressourcen anbieten. Wir sollen einem möglichst breiten Publikum Ressourcen anbieten.

Mehr Informationen unter bnl.lu und a-z.lu