LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Überblick über den City Concorde - Raubmord-Prozess

Ein besonders brutaler und tragischer Fall eines Raubmordes wird seit einer Woche vor dem Bezirksgericht Luxemburg verhandelt: Der 64-jährige Franzose und Ex-Fremdenlegionär Joël C. soll am 24. Juni 1997 am Überfall auf einen Geldboten im Einkaufszentrum City Concorde in Bartringen beteiligt gewesen sein.

Drei Täter hatten damals einem 35-jährigen Wachmann von der Sicherheitsfirma Brinks regelrecht aufgelauert. Auf dem Weg zum Panzerwagen wurde der Wachmann nach heftiger Auseinandersetzung erschossen. Zwei mutmaßliche Haupttäter sind bis heute untergetaucht. Nach ihnen wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Eine schwierige Verteidigung

Nur Joël C. sitzt im großen Saal des Bezirksgerichts Luxemburg auf der Strafbank: Graue Haare, breites Gesicht, grauer Bart, kräftige Statur. Mehrmals wurde er zu langen Haftstrafen verurteilt. Im Ganzen zu 67 Jahren, zum Teil verbunden mit Auflagen und vorzeitiger Freilassung. C. hat bereits mehr als 30 Jahre Haft hinter sich. Seit 2015 sitzt er in Luxemburg hinter Gittern und bereitet sich auf die nächsten Prozessverhandlungen in Luxemburg vor. Als Verteidiger suchte er sich Me Philippe Penning aus: Der Rechtsanwalt verteidigte bereits in mehreren größeren Strafsachen erfolgreich, weiß jedoch um die Herausforderung, welche dieser Fall darstellt.

Nach dem Mord vom 24. Juni 1997 sollen C. und seine Mitstreiter weitere Überfälle durchgeführt haben. Die Profile von drei mutmaßlichen Mittätern wurden am vergangenen Freitagmorgen analysiert. Am Ende blieb nur ein Mann im Raster hängen - Joël C.. Trotz der vergangenen 21 Jahre, fiel es dem Ermittler auch am Freitagmorgen nicht schwer die mutmaßlichen Taten der implizierten Personen im Detail zu beleuchten.

Dem Beschuldigten Joël C. werden - nach dem Mord in Luxemburg - zwei weitere Überfälle vom 16. September und 26. Dezember 1997 vorgeworfen. Geldnot soll der französischen Polizei nach als Motiv dienen. Zunächst sollte sein Arbeitgeber D. ihm ein Alibi für die Zeitspanne von Januar - Juli 1997 liefern. D. sollte in einem Brief bestätigen, dass er während diesen sechs Monaten in dessen Pariser Filmgesellschaft gearbeitet habe - ohne einen einzigen Arbeitstag gefehlt zu haben. Der Brief sollte an den Untersuchungsrichter gehen. Hier zeigt sich, laut Ermittler, wie gut Joël C. vorgeplant hatte.

Immer wenn er zuschlägt bestehen Parallelen zum Überfall auf die City Concorde von 1997. Als Joël C. verhaftet wird, hält er es mit dem Sprichwort „Le silence est l’ami vrai qui ne trahit jamais.“ Nur wenn es um Tote geht, spricht er, nennt Namen. Über lebende Komplizen redet er nicht.

Auch wenn C. sonst versucht, unauffällig zu bleiben, musste er sich früher oder später die Finger bei einem Überfall schmutzig machen. So soll Joël C. den Franzosen René C. als weiteren Mittäter für geplante Überfälle angeheuert haben. Joël C. gibt Befehle, organisiert die Waffen, Perücken und macht das Ziel ausfindig und stellt einen Überfall aus dem Hinterhalt auf.

Am 10. Februar 2009 schlägt Joël C. in Sainte-Sévère mit seinem Komplizen zu. Um sein Aussehen zu verändern trägt er eine Perücke. Etliche Zeugen erkennen einen 1,85-1,88 großen Mann und einen Komplizen. Zwei weitere Überfälle mit René C. als Komplizen folgen. Einer davon am 6. November 2009. Am 29. Oktober 2011 wird René C. verhaftet. Joël C. versucht fieberhaft unsichtbar zu bleiben. Doch auch er wird verhaftet.

Im Verhör im Juni 2015 in Luxemburg erzählte Joël C., dass er Michel Villas, einen weiteren Komplizen, seit 1997 kenne. Ihm hätte er Perücken und falsche Haarteile verkauft. Zu diesem Zweck knüpfte er auch Kontakte ins kriminelle Milieu von Paris. „Ja, ich habe Perücken an Leute des kriminellen Milieus verkauft, zehn vielleicht“, gibt er zu Protokoll.

Einer der Komplizen ist mittlerweile tot

Leider ist Michel Villas bei einem Motorradunfall 2001 ums Leben gekommen. Polizeidokumente, die vorliegen, machen aber deutlich: Im sogenannten Pariser Quartier, wo C. angeblich Perücken gekauft haben soll, reihen sich Friseure und Perückengeschäfte aneinander. Doch Perücken hat C., laut Ermittler, keine dort gekauft.

Am 22. Mai 2017 verhört die französische Gendarmerie den Komplizen Philippe S. „Ja, ich habe mit ihm Raubüberfälle gemacht. Wir haben uns regelmäßig in der Schweiz getroffen und sind dort zusammen spazieren gegangen. Offiziell gaben wir an, dass wir einen Job in einer Filmfirma hatten. Ich war Fahrer. Der Raubmord in der City Concorde sagt mir nichts. Ich war noch nie in Luxemburg“, beteuert er. Joël C. habe aber nicht gezögert, ihm zu sagen, dass ein Geldtransporter in Luxemburg gestorben ist. „Joël war wütend auf den Mann, der die beiden Schüsse auf den Wachmann abgefeuert hat“, sagt S.. Laut Ermittler ist jedoch wahrscheinlich, dass S. mehr Informationen hat.

Der Prozess wird heute um 9.00 in Saal 1.10 fortgesetzt.