SCHIFFLINGEN
MARA KROTH

„Clubs Seniors“ leiden unter einigen Klischees der Öffentlichkeit: Viele wollen sich nicht mit dem Begriff „Senior“ identifizieren - dabei bieten die Clubs jede Menge an

Tatsächlich bieten die 19 „Clubs Seniors“ des Landes viele verschiedene Angebote, Menschen aller Altersgruppen kommen hier zusammen und entdecken Neues. Marie-Anne Maroldt leitet das „Club Haus beim Kiosk“ in Schifflingen schon seit einigen Jahren. Im Interview erzählt sie uns, welche Aufgaben das „Club Haus beim Kiosk“ hat und was hinter seinen Türen abläuft.

Ab welchem Alter darf man zu einem „Club Senior“ gehen?

Marie-Anne Maroldt Das ist tatsächlich eine Frage, die wir des Öfteren gestellt bekommen. Prinzipiell richten wir uns an Leute, die 50 Jahre und älter sind, aber keinesfalls exklusiv. Jüngere sind bei uns herzlich willkommen. Im Gegenteil, ich finde es toll, wenn Generationen sich vermischen. Das tut gut und bringt sehr viel Dynamik in eine Gruppe oder einen Kurs. Und es gibt ja auch Leute, die nicht berufstätig im traditionellen Sinne sind, sondern Hausfrau oder Mutter. Diese Personen sind Ende 40 und die Kinder sind erwachsen, das heißt, man muss sich ein neues Tätigkeitsfeld suchen. Aus diesem Grund ist es wichtig für mich, dass wir auch die Türen für diejenigen öffnen, die noch nicht 50 Jahre alt sind. Diesen fließenden Übergang zu gestalten und Aktivitäten für verschiedene Altersgruppen zu vereinen ist manchmal schwierig, aber auch spannend.

Welche Aktivitäten werden im „Club Haus beim Kiosk“ angeboten?

Maroldt Wir verfügen über viele verschiedene Rubriken im „Club Haus beim Kiosk“. Unser Motto lautet immer: Nicht alleine etwas unternehmen, sondern in der Gruppe. Und das, um in allen Lebensbereichen fit zu bleiben. Damit mein Körper und mein Kopf gefördert werden. Wir haben sehr viele Aktivitäten im Sportbereich wie zum Beispiel den Turntreff, Fit beim Kiosk oder unsere Kegel- Gruppe. Im Bereich Wohlbefinden bieten wir auch spezifischere Kurse an, wie zum Beispiel Yoga oder Qi- Gong. Außerdem finden auch Kurse für Massagen, Reiki und Shiatsu statt. Im der „Kreativität“ finden Kurse statt, in denen man Keramik lernen kann, Nähen, Patchworken oder Basteln.

Dann existiert noch die Rubrik Solidarität, die uns sehr am Herzen liegt. Dort wollen wir andere Menschen unterstützen. Beispielsweise fertigen die „Fleißige Hände“ im „Club Haus“ Dinge an, die an verschiedene Vereinigungen überreicht werden oder verkauft werden und deren Erlös wohltätigen Zwecken zugute kommt. Uns als „Club Haus beim Kiosk“ zeichnet besonders aus, dass wir mit vielen freiwilligen Helfern arbeiten, die eine neue Aufgabe finden wie zum Beispiel als Helfer in der Kaffeestunde oder als Leitung für den Literatur- Treff.

Welche Angebote finden außerhalb des „Club Haus“ statt?

Maroldt Bei uns hat sich eine Wander- Gruppe geformt, die sich wöchentlich trifft, um das Land und seine Natur zu entdecken. Extern spielen sich außerdem „Kultur- und Besichtigungen“ ab, zum Beispiel Museumsbesuche, Theaterbesuche und Kinobesuche in der Region.

Wir bieten aber auch viele kleinere Reisen und Ausflüge im Inland an. Oft fahren wir in der Gruppe ins Ausland, zum Beispiel in Form von Tagesausflügen ins nahe Grenzgebiet. Jedoch finden auch Trips mit Bus oder Flugzeug statt. Die nächste Reise führt uns in Kürze nach Andalusien. Hier steht der entdeckerische Aspekt im Vordergrund: Wir wollen etwas Neues kennenlernen, die Kultur des Landes in allen Facetten erfahren, das Essen, die Sprache
und vieles mehr.

Auch unsere intergenerationellen Projekte sind sehr spannend. Im zweiten Jahr befindet sich das Projekt „Lese- Atelier“, bei welchem Mitglieder aus dem „Club Haus beim Kiosk“ in eine Grundschule als „Lese- Oma“ oder „Lese- Opa“ gehen, um den Kindern vorzulesen oder beim Lesenlernen zu helfen. Im „Schreib- Atelier“ haben wir im dritten Jahr eine Kooperation mit dem Lycée Bel-Val, um den intergenerationellen Austausch zu fördern.

Was sind gängige Vorurteile, mit denen Sie konfrontiert werden?

Maroldt Oftmals Aussagen wie „Ich bin noch nicht alt genug!“ um im „Club Haus beim Kiosk“ aktiv zu sein. Genauso das Gegenteil, also Leute, die ein bestimmtes Alter haben, aber nicht mit dem Begriff „Senior“ in Berührung kommen wollen und daher nicht vorbeikommen wollen. Wenn ich den Leuten unsere Broschüre zeige, dann kommt immer „Ach so, das macht ihr auch“, und die Leute haben den „Aha- Effekt“.

Viele wollen oft nicht kommen, aber wissen gar nicht, was hier genau passiert. Das habe ich schon sehr oft erlebt. Ich sage dann immer: „Du bist hier nicht der Älteste und auch nicht der Jüngste“, und dann sind die meiste immer sehr erstaunt. Natürlich sind immer noch Jüngere da.

Das ist immer das empfundene „Altersproblem“. Habe ich jetzt das richtige Alter, um dorthin zu gehen? Das ist die große Frage, die jeder sich stellt. Wenn sie nicht zu uns hereinkommen, dann wird diese Frage nie geklärt. Wenn wir die Möglichkeit bekommen, uns und unser Programm zu erklären, dann legen sich die Ressentiments.

Ein viel diskutiertes gesellschaftliches Thema momentan ist soziale Isolation und Einsamkeit, vor allem im Alter. Wie können die Clubhäuser hier helfen?

Maroldt Bei uns steht primär im Fokus, dass alle Aktivitäten in der Gruppe stattfinden und so der soziale Kontakt gefördert wird. Ein großer Themenbereich hier im „Club Haus“ beim Kiosk gilt daher der Geselligkeit. Darunter fallen die Kaffeestube, die einmal wöchentlich stattfindet, der Mittagstisch und sehr viele Feste, die sich hier ereignen und alle willkommen heißen sollen. Unser Ziel ist es eben auch Leute aufzunehmen, die nicht mehr voll und ganz über ihre eigene Mobilität verfügen. Deren Sozialleben gestaltet sich oftmals schwieriger. Diesen Menschen wollen wir Gesellschaft anbieten, zum Beispiel bei unserem Mittagstisch. Aber auch hier finden sich nicht nur die älteren Alten, sondern auch Jüngere und das ist gut so. Unser Ältester am Mittagstisch ist 92 Jahre alt und unser Jüngster Anfang 50. Genau genommen ist der Jüngste sieben Jahre alt. Denn ein Ehepaar bringt öfters seinen Enkel mit und so wird der Austausch zwischen den Generationen noch intensiver gestaltet.