LIVINGEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Ein Besuch bei den Dreharbeiten zu Adolf El Assals „Sawah“

Adolf El Assal heißt „Adolf, der Gute“. „Wenn meine Landsleute in Ägypten den Namen hören, finden sie ihn oft witzig“, erklärt Regisseur El Assal mit einem großen Lachen beim Pressetermin zu seinem neuen Film „Sawah“ in Livingen. Er hat die luxemburgische Nationalität, wurde aber in Ägypten geboren und wuchs in Dubai, London und Luxemburg auf. Nach etlichen musikalischen Videoclips drehte er 2010 die Kurzfilme „Manos de Dios“ und „La fameuse route“. Die Filme stachen durch ihren unkonventionellen filmischen Stil hervor, ohne jedoch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auch sein Spielfilm „Les Gars“ (2013) war stilistisch interessant, erzählte aber keine weltbewegende Geschichte. Und genau das will El Assal bei seinem neuen Projekt ändern.

Das Drehbuch von „Sawah“, was „Wanderer“ bedeutet, schrieb er mit dem kanadischen Drehbuchautor Dennis Foon, der in seinem Heimatland durch einige Fernsehserien bekannt wurde. Der Film ist eine Zusammenarbeit zwischen El Assals eigener Produktionsfirma „Wady Films“, der belgischen „Caviar Films“ („Le tout nouveau testament“) und „Deal Productions“, der Firma von Désirée Nosbusch und Alexandra Hoesdorff.

Gedränge im Food-Truck

Der Parkplatz bei einem Supermarkt in Livingen ist an diesem Tag zum Teil für die Dreharbeiten abgesperrt. Ein großer Bus steht auf der Seite, sowie Minibusse, die die Crewmitglieder zwischen dem Hauptquartier in Bettemburg und Livingen hin und her transportierten. Der Regisseur ist gerade im Gespräch mit einem seiner Hauptdarsteller, Eric Kabongo, der durch die deutsche Produktion „Willkommen bei den Hartmanns“ bekannt wurde. Kabongo spielte vor Kurzem auch in der luxemburgischen Koproduktion „Troisièmes noces“ von David Lambert.

An einer Zapfsäule der Tankstelle neben dem Supermarkt herrscht Hochbetrieb in einem Food-Truck. Toningenieur Carlo Thoss kontrolliert seine Aufnahmegeräte, während die Regieassistenten den Schauspielern letzte Anweisungen geben. Kabongo und der ägyptische Schauspieler Karim Kassem sitzen vorne, während Kameramann Nikos Welter sich hinten quält, seine Kamera einzustellen. Schließlich kommt das Kommando „Quiet, please“, und der Dreh der Szene kann beginnen. Regisseur El Assal überwacht die Aufnahme auf einem kleinen Bildschirm, ein paar Meter vom Lastwagen entfernt. Nach ein paar Wiederholungen ist der Regisseur zufrieden, und alle können sich auf den Weg ins Hauptquartier machen, wo der Mittagstisch gedeckt ist.

Der Geschichtenerzähler

„Ich will Geschichten erzählen, die man überall auf der Welt versteht“, sagt der sympathische Regisseur, ehe er ebenfalls etwas gegen seinen Hunger unternimmt. „Ein Oscar ist nicht mein Ziel, aber wenn er sich abzeichnet, werde ich sicher nicht nein sagen“, meint er noch lachend.

Karim Kassem ist indes in Ägypten ein Filmstar. Auf der Straße kennt ihn fast jeder. Dieser Film könnte das Sprungbrett zu einer internationalen Karriere sein. Er spielt Samir, einen DJ, der aus Ägypten nach Brüssel reist. Doch er wird in Luxemburg „vergessen“ und trifft Daniel (Kabongo), einen Chaoten, der ihn in die belgische Hauptstadt bringen soll. Jedoch bekommt Samir erstmal Probleme mit der Polizei, die ihn für einen Flüchtling hält, da er seine Papiere verloren hat. Ein paar luxemburgische Schauspieler spielen ebenfalls mit, wie unter anderem Nilton Martins oder Paul Robert.

Gedreht wurde bereits im französischen Florange und in Luxemburg-Stadt. Die nächsten Etappen werden Brüssel und Ägypten sein. In etwa einem Jahr wird „Sawah“ in die Kinos kommen. Und dann werden wir die genaue Geschichte von Samir erfahren, über die sich der Regisseur an diesem Tag noch bedeckt hielt.