Seit seinen Anfängen entwickelt sich der Faire Handel in Luxemburg kontinuierlich weiter: Engagierte Partner, Ausweitung des Angebots, steigende Verkaufszahlen und hohe Marktanteile für verschiedene Produkte. Die Folge sind sichtbare positive Auswirkungen für die Produzenten im Süden. Im Jahr 2014 betrug der Jahresumsatz an Fairtrade-Produkten auf dem luxemburgischen Markt 10,7 Millionen Euro.
Das bedeutet, dass im Durchschnitt jeder Einwohner pro Jahr 19,48 Euro für Produkte mit dem Fairtrade-Label ausgibt. Luxemburg befindet sich somit im internationalen Ranking des Pro-Kopf-Verbrauches auf dem sechsten Platz. Mehr als 1.400 Produkte sind aktuell in mehr als 195 Verkaufsstellen in Luxemburg erhältlich. Bananen (26,40 Prozent) und Rosen (19,84 Prozent) sind nach wie vor die Produkte mit dem höchsten Marktanteil, gefolgt vom Kaffee mit 6,59 Prozent. Doch es gebe weiterhin viel zu tun, resümiert auch Jean-Louis Zeien, Präsident von Fairtrade Lëtzebuerg. Auch wenn die Vorzeigeprodukte wie Kakao oder Kaffee immer beliebter und bekannter werden, und auch neue Produkte wie Gold und Baumwolle im Aufschwung sind, sind ihre Marktanteile immer noch niedrig. Es bedarf der Unterstützung zahlreicher Partner, die mit ihrem Engagement den Fairen Handel in Luxemburg vorantreiben.
Engagierte Partner im Norden, positive Auswirkungen im Süden
Insgesamt 19 Lizenznehmer vermarkten aktuell in Luxemburg Fairtrade gelabelte Produkte unter ihrer Marke. Als sogenannte „Multiplikatoren“ vermitteln sie ihren jeweiligen Kunden und Partnern die Bedeutung von Fairtrade, „beispielsweise, indem sie an unseren Sensibilisierungskampagnen teilnehmen, aber auch eigene Aktionen zur Förderung des Fairen Handels ins Leben rufen“, sagt Zeien.
Ein wichtiges Beispiel dieses Engagements der einzelnen Partner ist die Entscheidung der Banque centrale du Luxembourg (BCL), die weltweit erste Sammelmünze aus Fairtrade Gold auf den Markt zu bringen. Insgesamt 15 Kilogramm fair gehandeltes Gold aus den beiden Minenorganisationen Sotrami und Aurelsa in Peru waren notwendig, um die Münzen zum Anlass der 175-jährigen Unabhängigkeit von Luxemburg zu realisieren. Dieses Gold stellt insgesamt 58 Prozent des weltweit vermarkteten Fairtrade-Goldes aus dem Jahr 2014 dar. Dieser Schritt der BCL brachte den Minenarbeitern in Peru nicht nur eine große Anerkennung, „sondern generierte ebenfalls, zusätzlich zum fairen Preis, eine Fairtrade-Prämie von 34.000 Euro, mit der soziale Projekte der Gemeinschaft verwirklicht werden können“, sagt Zeien. Dieses Projekt hat gezeigt, dass die Auswirkungen im Süden enorm sind, wenn ein öffentlicher Einkäufer sich für fair gehandelte Rohstoffe entscheidet.
Regelmäßig finden Kooperationen zwischen verschiedenen Partnern statt, die ihre Kräfte bündeln, um gemeinsame Aktionen zur Sensibilisierung für einen Fairen Handel zu organisieren, wie beispielsweise die Kampagne „Fair Fashion“. Diese wurde in der ersten Jahreshälfte 2015 vom Verein „Fir de Fairen Handel“ ins Leben gerufen und von Fairtrade Lëtzebuerg und Caritas Luxembourg unterstützt. Zusammen haben sie eine Solidaritätsaktion zum Gedenken an die Opfer von Rana Plaza, ein Rundtischgespräch sowie die Fair Fashion Messe organisiert.
Erwähnenswert ist ebenfalls die Entscheidung des Pall Centers, seit April diesen Jahres in allen Filialen nur noch ausschließlich fair gehandelte Bananen aus biologischem Anbau anzubieten. Der luxemburgische Markt wird größtenteils mit Bananen der peruanischen Kooperative APPBOSA beliefert.
Beim Verkauf einer Kiste Fairtrade-Bio-Bananen von 18,14 Kilogramm aus Peru wird den Produzenten ein Fairtrade-Mindestpreis von zwölf Dollar gezahlt. Zusätzlich bekommen die Produzentenorganisationen eine Prämie von einem Dollar pro Kiste Bananen. Diese Fairtrade Prämiengelder, die zusätzlich zum garantierten Mindestpreis ausgezahlt werden, spielen eine große Rolle für die Entwicklung der Produzentenorganisation, aber auch der ganzen Region. Die Produzenten entscheiden eigenständig und demokratisch, welche Projekte sie mit der Prämie umsetzen, beispielsweise neue Systeme zur Qualitäts- und Produktivitätssteigerung, Gesundheitsvorsorge oder Fortbildungen. Mit der Fairtrade-Prämie, die die Kooperative APPBOSA im vergangenen Jahr zusätzlich zum Verkaufspreis der Ware erhielt, konnte sie ein Kabeltransportsystem installieren, welches den Arbeitsalltag der Produzenten erheblich erleichtert. Außerdem konnten die lokalen Schulgemeinschaften unterstützt und den Produzentenkindern finanzielle Hilfe beim Einkauf des Schulmaterials zugesichert werden.
Dank desVerkaufs von Fairtrade-Produkten allein in Luxemburg im Jahr 2014 kamen insgesamt 200.000 Euro an Fairtrade Prämien - zusätzlich zu den garantierten Fairtrade Mindestpreisen - den Produzenten im Süden zu Gute.



