DIFFERDINGEN
GASTON FREYMANN

Umweltministerin besucht einzigartige Orchideenarten im früheren Tagebau „Kiemerchen“

Gestern Vormittag hatten das Umweltministerium und die Naturverwaltung nach Differdingen in die Natura 2000 Zone „Kiemerchen“, einem ehemaligen Tagebaugebiet, eingeladen, um in Gegenwart von Ressortministerin Carole Dieschbourg eine neue Orchideenunterart vorzustellen.

2013 fiel Josy Cungs, Biotopbetreuer der Naturverwaltung in den ehemaligen Tagebaugebieten bei einem seiner zahlreichen abendlichen Rundgängen eine Orchidee auf, die ihm anders erschien. Internationale Spezialisten, mit denen sich Josy Cungs in Verbindung gesetzt hatte, bestätigtem ihm: „Es handelt sich um eine neue Orchideen-Unterart“.

Um die Parzelle, in der viele geschützte Orchideen-Arten vorkommen vor Wildschweinschäden zu schützen, hatte der Revierförster veranlasst, dort einen Schutzzaun zu errichten.

Nach Entdecker Josy Cungs benannt

Nachdem im Juni 2015 die ministerielle Genehmigung vorlag, wurden dann auch zwei Exemplare genetisch untersucht und es wurde auch der wissenschaftliche Beweis der Andersartigkeit geliefert. Als Anerkennung für ihren Entdecker wurden sie als „Orchis Incarnat de Cungs“ oder „Cungs-Knabenkraut“ benannt. Wenn es auch viele Ähnlichkeiten mit zwei anderen Unterarten gibt, so bleibt die hell-rosa Orchidee „Dactylorhiza incarnata subs cungsii“, deren Schaft eine Höhe von 30 bis 35 Zentimeter erreicht und deren Blütezeit von Mitte Mai bis Ende Juni ist, eine bis zum jetzigen Zeitpunkt unbekannte Art in der Region.

Die Benennung solle auch eine Anerkennung für die tagtägliche Arbeit von Josy Cungs darstellen. Eine Arbeit die in der Zwischenzeit zu seiner Leidenschaft geworden ist und ihm auch sehr viel Fingerspitzengefühl abverlangt.

Einmalige Artenvielfalt in der Großregion

Diese einmalige Entdeckung zeige, dass man auch im Naturschutz Erfolgserlebnisse haben kann. Es sei ein Erfolg der die musterhafte Arbeit, die von der Naturverwaltung in den ehemaligen Tagebaugebieten geleistet wird, belohnt, so Umweltministerin Carole Dieschbourg. Nachdem über Jahrzehnte - bis Mai 1974 - Tagebau betrieben wurde, erobert sich die Natur dieses Gebiet, das ihr einst genommen wurde, wieder zurück. So sei es auch möglich gewesen, dass sich im Laufe der letzten 40 Jahre hier eine einmalige Artenvielfalt entwickeln konnte, sowohl bei Pflanzen- als auch bei Tierarten, wie man sie nur selten in der Großregion vorfindet.

Renaturierung seit 2008

Seit acht Jahren ist die Naturverwaltung dabei alle früheren Tagebaugebiete im südlichen Landesteil zu renaturieren. In dem Sinne richtete Umweltministerin Dankesworte ihren Dank an den Eigentümer, den Stahlkonzern ArcelorMittal, der es ermöglicht das Gelände im Sinne des Naturschutzes zu pflegen.