LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Research Luxembourg: Mehr als ein Viertel der Corona-Fälle über flächenmäßiges Testen identifiziert

Durch das flächenmäßige Testen konnten laut Angaben der Covid-19-Task Force von Research Luxembourg  über die Dauer des „Large Scale Testing“ mehr als ein Viertel der Infektionsfälle identifiziert werden. Diese und andere Zahlen präsentierten Vertreter des Zusammenschlusses luxemburgischer Forschungsakteure gestern zum Abschluss der ersten Phase. Insgesamt wurden in den vergangenen Monaten knapp 1,5 Millionen Einladungen zu PCR-Tests verschickt. 307.751 Einwohner und damit fast die Hälfte der Bevölkerung sowie 72.000 Grenzgänger suchten daraufhin eine von 17 Teststationen auf. 560.000 Tests wurden durchgeführt.

Infektionsketten früh identifizieren

Hauptziel der binnen kürzester Zeit konzipierten und umgesetzten ambitionierten Teststrategie war und ist die sogenannte proaktive Mitigierung, also das frühzeitige Erkennen und Brechen von Infektionsketten. Durch die freiwilligen Tests konnten 781 Asymptomatisch-Positive ermittelt werden, also Personen, die keine oder nur leichte Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus aufzeigten. Weitere 337 positive Infektionen konnten dann über die Kontaktverfolgung ermittelt und in Isolation gebracht werden. Prof. Ulf Nehrbass, Sprecher der Covid-19-Task Force nannte das „Large Scale Testing“ gestern in Düdelingen einen „Erfolg“. Luxemburg habe es geschafft, eine Strategie auf „höchstem qualitativem Niveau“ aufzubauen, die zweite Welle zu brechen und die weltniedrigste Sterblichkeitsrate zu erreichen.  „Eine Qualität, die uns andere Länder nicht so leicht nachmachen können“, meinte der CEO des „Luxembourg Institute of Health“ (LIH) mit Blick ins Ausland, wo entweder die Beteiligungsraten niedrig sind oder wie etwa im Fall Bayern Probleme mit der Datenübertragung auftraten.

Nehrbass führte weiter aus, dass 204 positiven Tests aus dem Large Scale Testing auch nach einer zweiten Untersuchung als positiv bestätigt wurden, es also keine falsch-positiven Testergebnisse gab. Und von 307.000 negativ Getesteten „wurden nach vier Tagen nur neun positiv getestet“, ergänzte Nehrbass.

In Luxemburg führten 37 Prozent der Einladungen zu Tests, allerdings nicht gleichmäßig. So gab es nach einem langsamen Start zu Beginn der Schulferien ein Peak von bis zu 16.000 Tests am Tag. Das sei darauf zurückzuführen, dass Luxemburg zum gegebenen Zeitpunkt als Risikogebiet eingestuft wurde und für die Einreise nach Deutschland ein negativer Testbescheid gebraucht wurde. Über den Sommer lag die Testrate bei etwa 5.000 am Tag mit einem Anstieg im September auf etwa 10.000 Terminen am Tag. Die erste Phase lief ursprünglich vom 27. Mai bis 27. Juli, wurde dann kurzfristig bis Mitte September verlängert. Die Testkapazität lag bei bis zu 20.000 Tests am Tag.

Regierung steht hinter Teststrategie

Prof. Paul Wilmes, der stellvertretende Sprecher der Task Force, erklärte, dass die Erkenntnisse aus der ersten Phase eine gezieltere Einsetzung der Testkapazität in der jetzt gestarteten zweiten Phase ermöglichen.

Koordinierten das LIH und die Mitglieder von Research Luxembourg die erste Phase des LST, übernimmt jetzt die Gesundheitsdirektion die Leitung der zweiten Testphase. Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) betonte gestern aber, die luxemburgische Forschung weiter einzuschalten zu wollen. Sie zeigte sich „zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind“ und äußerte die Hoffnung, dass es nach der zweiten nicht noch eine dritte Testphase geben müsse.

Forschungsminister Claude Meisch (DP) lobte derweil das Engagement der Forschergemeinschaft und die unkomplizierte Zusammenarbeit als ein Modell für die Zukunft. Die Teststrategie habe es erlaubt, früher ein Gesamtbild von Covid-19 in der Bevölkerung zu bekommen - anders als in anderen Ländern.
Die zweite Testphase soll über eine Dauer von 30 Wochen, also bis März andauern und kostet voraussichtlich rund 60 Millionen Euro. Geplant wird mit einer Testkapazität von  53.000 Tests pro Woche. Weitere Details zur zweiten Testphase gibt es voraussichtlich am 24. September.