COLETTE MART

Der Nationalfeiertag ist stets ein Moment der Besinnung darüber, wo wir als Land und als Nation stehen, wo wir herkommen und wo wir hingehen wollen. Vor einigen Jahren wurde das traditionelle Zeremoniell um den Fackelzug und das Te Deum durch die Einführung einer laizistischen Feier am Nationalfeiertag grundsätzlich verändert.

Was anfangs als Einschnitt in unsere uralten eingesessenen Traditionen erschien, erwies sich schlussendlich als ein Glücksfall und ebenfalls als ein symbolischer Meilenstein. In einer durch und durch luxemburgischen Feier, in der unsere schönsten alten Lieder gesungen werden, und trotzdem die Europahymne ihren Platz hat, werden Menschen geehrt, die sich im Laufe des vergangenen Jahres durch besonderen sozialen Einsatz oder durch Mut und Talent ausgezeichnet haben.

Ein Land und eine Nation lebt immer mit ihren Ritualen, und in diese einzubrechen ist eine symbolträchtige politische Handlung. In der Tat ging es der aktuellen Regierung darum, ein Zeichen zu setzen, ein etwas anderes Land in die Wege zu leiten. Die laizistische Zeremonie, die Einführung der Homo-Ehe, sowie auch die tatsächliche Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs waren also von symbolischer Bedeutung in einem Land, in dem sich in Richtung Weltoffenheit und Emanzipation unbedingt etwas ändern musste.

Hier und jetzt, wo die Diversität Fortschritte verzeichnet, wo wir also der Freiheit des einzelnen Menschen um seine eigene Lebensgestaltung doch etwas nähergekommen sind, sprach kein anderer als der Großherzog selbst in der Philharmonie die Notwendigkeit an, diesen Weg noch weiter zu gehen. Wir bräuchten mehr Frauen und auch mehr Nicht-Luxemburger in politischen Gremien, meinte er, und diese Aussage war wichtig. Denn auch, wenn auf vielen Ebenen der Gesellschaft der Parität und Integration zugearbeitet wird, auch wenn mittlerweile im Fackelzug die Mädchen mit islamischem Schleier innerhalb der Luxemburger Pfadfindergruppen ihren Platz fanden, auch wenn das Miteinander zahlreicher Nationalitäten als wahrer Erfolg in Luxemburg zelebriert werden kann, sollte man den Gegenwind zu Integration und Emanzipation nicht unterschätzen.

Obwohl unsere Nachbarn und Mitarbeiter, die Freunde unserer Kinder, die Angestellten in den Geschäften und Banken, die Betreuer älterer und kranker Menschen mittlerweile zur Hälfte keine Luxemburger mehr sind, wird diese gesellschaftliche Entwicklung noch immer verschiedentlich in Frage gestellt, als wäre der Lauf der Welt aufzuhalten, als würden die Globalisierung und auch die Probleme in der Welt vor unserer Tür haltmachen. Unterschwellig bestehen demnach Diskriminierung, Sexismus, Xenophobie und Rassismus weiter und schlagen oft sehr hart zu. Dahinter steckt oft eine diffuse Angst vor Identitätsverlust, wobei es wichtig wäre, die Identität unseres Landes auf internationaler Ebene neu zu reflektieren.

Dies bedeutet, dass wir den Weg in ein etwas anderes Land unbedingt noch weitergehen müssen, dass wir also weiterhin einer offenen und humaneren Gesellschaft zuarbeiten müssen und dass wir dabei wirklich alle gefordert sind.