LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ein Register soll Produkte schnell zurück in den Warenkreislauf bringen

Seit der Rifkin-Studie profiliert Luxemburg sich insbesondere im Bereich Circular Economy, bei der es darum geht, weniger Rohstoffe zu verbrauchen und Güter in einem Nutzungskreislauf zu halten. Genau darum kümmert sich eine gestern im Wirtschaftsministerium vorgestellten Initiative, die sich als Pionierprojekt in Europa versteht. Ein neues Register für Produktdaten soll Unternehmen beim Übergang zur Circular Economy helfen. Es läuft unter dem Namen „Circularity Dataset Initiative“.

„Luxemburg ist eines jener Länder, die sich am meisten Gedanken gemacht haben, wie man das Schlagwort in Realität umsetzen kann“, unterstrich Wirtschaftsminister Etienne Schneider. (LSAP). „Wir wollen Produkte, die genutzt werden können, ohne vorher mit viel Aufwand zerstört werden zu müssen.“ Deshalb soll schon bei der Produktion von Gütern ein Register erstellt werden, aus dem hervorgeht, woraus ein Produkt besteht, ohne jedoch die Betriebsgeheimnisse bloßzulegen.

„Das Ziel ist, Kosten zu sparen und Abfall zu vermeiden. Der Datenfluss soll sich durch die Wertschöpfungskette ziehen“, erklärte Christian Tock, der seit einem Jahr an dem Projekt arbeitet, in das auch der Industrieverband FEDIL sowie die Europäische Kommission miteinbezogen sind. Er ist für nachhaltige Technologien zuständig und legt Wert auf die Umsetzbarkeit des Registers. Deshalb hatte er auch René Oly eingeladen, der bei Astron Buildings in Diekirch für Innovationen verantwortlich ist und erklärte, wie aus Parkhäusern Büros entstehen können, wenn das von vorne herein mitgeplant wird. Herausgenommene Stahlträger beispielsweise lassen sich so leicht woanders verwerten.

Damit das Register Realität wird, hat das Ministerium Unternehmen ins Boot geholt. 50 Unternehmen aus zwölf Ländern machen bislang mit, darunter der weltweit führende Bodenbelaghersteller Tarkett, der gerade für ein nachhaltiges Produkt von der FEDIL ausgezeichnet wurde. Aber auch der Stahlriese ArcelorMittal oder die französische Glasgruppe Saint-Gobain sind mit dabei, ebenso der schwedische Möbelriese Ikea - und zwar nicht nur in Arlon, sondern auch in Stockholm, wie die Verantwortlichen betonten.

Die „Circularity Dataset Initiative“ lehnt sich an ein bereits bestehendes Register an, das bislang erfasst, ob Produkte giftige oder korrosive Stoffe enthalten. Statt anzugeben, ob ein Stoff korrosiv ist, wird in dem neuen Register eingetragen, aus welchen Materialien es ist oder was sich verwerten lässt. Im einfachen Fall eines Stuhls aus Polyester und Stahl wären das beispielsweise diese beiden Materialien. In der kommenden Woche findet noch eine Abstimmung mit den Unternehmen statt, danach geht das Register in eine Testphase.

Standards grundlegend

Da es sich um eine Liste von Standards handelt, ist das „Institut luxembourgeois de la normalisation, de l’accréditation, de la sécurité et qualité des produits et services“ (ILNAS) eingebunden, um die Standards festzulegen. Denn ohne Dokumentation sei Circular Economy nicht möglich, wie die Verantwortlichten versicherten. Sonst wäre der Aufwand höher als die Einsparungen. Schneider verwies darauf, dass jetzt schon immer mehr Unternehmen Anfragen von Kunden zur Zusammensetzung ihrer Ware haben und dass erst vergangene Woche mehrere Fonds im Rahmen einer Konferenz klar gemacht haben, dass sie Circular Economy unterstützen. Kontrollen könnten, so die Vorstellung der ILNAS, von ihr oder privaten Unternehmen durchgeführt werden.

Als Beispiel einer funktionierenden Circular Economy nannte Schneider das derzeit nach dem Legoprinzip im Bau befindliche Parkhaus in Bissen, das sich auch umbauen lässt. Denkbar sind auch andere Beispiele. So könnte für die Neugestaltung des Glacis - immerhin 40.000 m² - der Betonhersteller Contern S.A. die Steine zurücknehmen, mahlen und zu neuen Steinen verarbeiten. „Das Ziel ist es, kein Recycling mehr zu brauchen“, hielt Tock fest. Luxemburg will mit der Liste einen Standard in Europa setzen.

www.circularitydataset.lu