LUXEMBURG
JEAN FEYEREISEN

Immer mehr Produkte in luxemburgischen Supermärkten werden mit einem Nutriscore versehen. Was dieses System leisten kann und wo die Grenzen liegen, erklärt Jean Feyereisen von der ULC.

„Luxemburg ist mit Blick auf die Nahrungsmittelproduktion eher ein Markt, der Produkte einkauft, als dass er sie selbst herstellt. An und für sich ist der Nutriscore eine alte Idee, die sich in unterschiedlichen EU-Ländern mit verschiedenen Namen in der Diskussion befanden. Das Projekt der Deutschen und Briten ist seinerzeit gescheitert, während die Umsetzung der Franzosen mit dem Nutriscore besser ankommt. Da wir ein kleiner Markt sind, importieren wir sozusagen den Nutriscore, kein Hersteller würde auf die Idee kommen, ein spezifisches System für uns zu entwickeln. Auch deshalb macht ein europaweites System Sinn. Jeder, der sich mit Nahrungsmitteln auseinandersetzt, wäre glücklich über eine uniforme und gemeinsame Kennzeichnung, die in ganz Europa gleich aussehen würde.

Der Nutriscore ist ein System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln. Eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala liefert einen Überblick über die Nährwertqualität eines Produktes. Ziel des Systems ist es, eine Orientierung beim Kauf von Lebensmitteln zu geben und dadurch das Bewusstsein hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung zu steigern. Es erleichtert insbesondere die Unterscheidung ähnlicher Lebensmittel. Der Europäische Verbraucherverband ‚BEUC‘ , deutsche Verbraucherzentralen, Foodwatch und andere befürworten den Nutriscore. Wer sich gesund ernähren möchte, sollte hier auf die Balance achten. Blind sollte man sich auf den Nutriscore natürlich nicht verlassen. Eine uniforme Kennzeichnung auf europäischer Ebene wäre eine gute Sache. Es gibt aber leider kein System, das sämtliche Herausforderungen und Bedürfnisse abdeckt. Nehmen wir pflanzliche Öle als Beispiel: Da könnte man annehmen, dass sie nicht so schlecht sind. Doch weil sie als Fett viel Energie liefern, würden sie in der Kennzeichnung nicht unbedingt im grünen Bereich landen. Andere Fette wie etwa Palmöl, das in der Industrie sehr beliebt ist, dort würde es Sinn machen. Zucker als Süßungsmittel ist eine Sache, kann in anderen Produkten jedoch als Geschmackverstärker eingesetzt werden. Besondere Vorsicht braucht es, wenn wir uns den stark verarbeiteten Lebensmitteln zuwenden. Denn neben den Basiskomponenten kommen hier zahlreiche andere Wirkstoffe zum Einsatz. Glücklicherweise ersetzt der Nutriscore nicht die Inhaltsangaben auf der Verpackung, denn jeder sollte fähig sein, sich selbst zu informieren. Ich kann den Konsumenten nur empfehlen, bei Gelegenheit zu lesen, was in ihren Produkten alles drin ist.

Am wichtigsten bleiben für uns informierte Konsumenten. Da sind unsere Schulen und das Gesundheitsministerium gefordert. Die Verbraucherbildung sollte mit einem festen Kurs in der Grundschule eingebaut werden und in den folgenden Ausbildungsjahren fortgesetzt werden. Dabei ist Bildung nicht nur beim Lebensmittelkonsum von Wichtigkeit, sondern auch in allen anderen Bereichen des Konsums. Das ist ein ziemlich weites Feld, wo vieles als eine Selbstverständlichkeit dargestellt wird. Doch wenn man es nicht im jungen Alter erlernt, kann man es als Erwachsener nicht wissen.“