LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Offenbar ist Trumpismus ansteckend, also das Ignorieren von internationalen Verträgen, das Credo „mir kann keiner“ und das negieren von Fakten. Boris Johnson hat schon unter einem schweren Fall von Covid-19 gelitten, davon ist er nun geheilt. Aber ob der Trumpismus, der ihn jetzt befallen hat, heilbar ist, muss sich noch herausstellen.

Ein internationaler Vertrag, wie das Austrittsabkommen mit EU hat für Bojo offensichtlich nur Empfehlungscharakter. Man kann erst mal unterschreiben und dann weitersehen, klingt nach Trumpismus. Also eher nach einem Immobilien-Hai ohne Bildung als nach einem englischen Premier, denn der Eton-Boy und Elitestudent sollte es besser wissen. Irgendwer oder was hat ihm das Gehirn benebelt, und das muss mehr gewesen sein als ein kleiner Gin.

Man stelle sich mal vor, hierzulande hätte ein Premier ein Gesetz eingebracht, was von fünf (!) seiner Vorgänger über alle medialen Kanäle abgelehnt wird. Geschenkt, wenn die Kritik von der anderen politischen Feldpostnummer kommt, aber drei wütende Kritiker stammen aus der eigenen Partei. Drei ehemalige Tory-Premierminister, John Major, David Cameron und Teresa May haben Boris öffentlich davor gewarnt, gegen internationales Recht zu verstoßen und Großbritannien um jede Reputation zu bringen.

Nebenbei bemerkt: Wenn man Luxemburg mit dem englischen Durcheinander vergleicht, landet man bei der Aufzählung der fünf Vorgänger von Xavier Bettel schon in der Vorkriegszeit. Was sind wir hier doch langweilig.

Worum geht’s eigentlich? Zuerst einmal darum, dass Bojo keinen Bock hat ein Handelsabkommen mit der EU auszuhandeln. Denn seiner Meinung nach ist die Zeit günstig für den harten Brexit, denn er glaubt alle Verwerfungen, die der mit sich bringen wird, der Corona-Pandemie in die Schuhe schieben zu können. Der Brexit ist sein Religionsersatz. Denn er erinnert ein Sektenmitglied, das in freudiger Erwartung der Heiligen von Alpha Centauri freudig den Schierlingsbecher leert. Der harte Brexit ist nämlich nichts anderes als der vorhersehbare ökonomischer Suizid des Inselstaates.

Vorher will er aber noch die Hardliner in seinem Verein befriedigen, die noch nie mit der Zwitterrolle Nord-Irlands einverstanden waren, die die britische Provinz nach dem Austrittsabkommen mit der EU eingenommen hat. Nord-Irland ist in Sachen EU drinnen und draußen. Aus gutem Grund, so können die Grenzen zur Republik offenbleiben, die Wirtschaft blüht weiter und die alten Kämpfer von IRA und Unionisten können ihre AK-47 und Semtex-Pakete im Waldversteck lassen. Der Haken für alte Tories liegt darin, dass damit die Zollgrenze zwischen EU und GB de facto in der Irischen See liegt. Erst Recht bei einem harten Ausstieg Großbritanniens. Genau das will Bojo nun mit seinem Grenzsicherungsgesetz verhindern. Er verdirbt es sich lieber mit aller Welt – außer Trump – als mit dem nostalgischen Empire-Flügel seiner Partei.

Bojo stört es auch nicht, dass er China gleichkommt, dass auch nicht daran denkt sich an internationale Abkommen zu halten. Ausgerechnet das mit Großbritannien abgeschlossen Hongkong-Abkommen ist nur noch Makulatur – von wegen „Ein Land, zwei Systeme.“ Spätestens das sollte ihn doch zum Umdenken bewegen. Bojo denkt nicht dran, er glaubt mit einem Mau-Mau-Blatt beim Poker mit der EU den Jackpot abräumen zu können.

Diagnose: Sehr schwerer Fall von Trumpismus!