LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Der Kammerchor Ambitus feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen - Mitbegründer Roby Schiltz singt seit über 60 Jahren

Wenn Roby Schiltz über das Singen im Allgemeinen und das Singen im Chor spricht, dann versprüht er Begeisterung. „Für mich gehört es zu den schönsten Dingen überhaupt“, sagt der heute 71-Jährige. Seiner Leidenschaft geht der Organist und Lehrer im Ruhestand seit über 60 Jahren nach. „Ich singe, seitdem ich sieben oder acht Jahre alt bin, ohne Unterbrechung bis heute“, führt Schiltz aus. In seiner musikalischen Laufbahn stand Schiltz viele Male als Solist auf der Bühne und hat über die Jahre in so manchen Chören Erfahrungen sammeln können. So leitete er etwa über zehn Jahre den Chor von Grevenmacher.

Heute ist er Chef der Chorale Berdorf-Consdorf und leitet ebenfalls den von ihm mitgegründeten Kammerchor Ambitus, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert.

Dabei war das Ensemble zunächst das Produkt von Gleichgesinnten, die genauso gerne singen wie Schiltz - damals 18 Jahre alt - selbst. Roby Schiltz erinnert sich. „Damals wurde nach Konzerten fast noch mehr gesungen als bei den Konzerten selbst“. Der Zufall will es, dass sich zunächst vier junge Frauen und Männer zusammenfinden und so den Double Quatuor Mixte Berdorf begründen. Doch schon bald stoßen weitere Sängerinnen und Sänger dazu und die Gruppierung ändert den Namen in „Ensemble Vocal Berdorf“ um. Seitdem das Ensemble 2012 seinen Vereinssitz nach Echternach verlegt hat, tritt es unter dem Namen Ambitus auf. Heute sind über 30 Sängerinnen und Sänger mit dabei. „Erfahrene Chorsänger“, wie Schiltz betont, die „vom Blatt singen können, was eher selten ist“. Wie für andere Chöre auch gestaltet sich die Nachwuchssuche schwierig. „Mitglieder im Alter zwischen 20 und 30 Jahren fehlen uns“, klagt Schiltz. Das jüngste Ambitus-Mitglied ist um die 40.

„Die Stimme verkümmert“

Gründe dafür gibt es wohl mehrere. In einem Chor zu singen sei zum Teil aus der Mode gekommen wie auch überhaupt das Singen und das damit verbundene Training der Stimme abgenommen habe. „Ich bin ein großer Fanatiker der menschlichen Stimme. In jedem Menschen steckt das Potenzial der Stimme“, sagt er, „ein fantastisches Instrument“. Heute würden hingegen überall Mikros zum Einsatz kommen. „Die Stimme verkümmert dadurch“. Seine Begeisterung für das erste Instrument des Menschen ist denn auch mit ein Beweggrund, warum er seit zwei Jahren wieder freiwillig in der Grundschule in Wasserbillig den Musikunterricht übernimmt, in diesem Jahr zwei Stunden pro Woche. Eine Unterrichtsstunde pro Woche „reicht bei Weitem nicht aus“. Zudem würde der Musikunterricht vielerorts unter den Tisch fallen. „Eigentlich müsstes fast in jeder Schule einen spezialisierten Musikpädagogen geben“, meint Schiltz, der um die prägende Erfahrung des Musikunterrichts weiß. „Ich hatte das große Glück, einen Lehrer zu haben, der auch den Kirchenchor leitete“. In seiner Schulzeit genoss Musik deshalb einen hohen Stellenwert.

Potenzial sieht Schiltz im Nachwuchs zwar durchaus, doch vom Engagement in einem Chor sähen viele Talente ab. „Die traditionellen Dorfchöre sind dabei, auszusterben“, lautet Schiltz‘ Einschätzung, was er auch auf den Rückgang von Kirchenbesuchen zurückführt. Schwarzmalerei will der Chorleiter dennoch nicht betreiben. „Man sollte optimistisch bleiben und nach Lösungen Ausschau halten“, meint Schiltz.

In der Professionalisierung sieht er etwa eine mögliche Perspektive. Der Musiker, Dirigent und Komponist Pierre Cao, den Schiltz als „fantastischen Lehrer“ preist, habe das einmal versucht, indem die Konzerteinnahmen den Zeitaufwand für die Proben finanzieren sollten. Es setzte aber voraus, dass sich alle auf die Proben vorbereitete und den Stoff kannten. „Das hat ein bis zwei Jahre lang funktioniert“, berichtet Schiltz.

Einen weiteren Beitrag zur Jugendförderung wird Schiltz selbst mit dem Projekt „Looss deng Flilleke wuessen a sang“ leisten. Im Rahmen des Jubiläumsprogramms werden rund 350 Kinder am 19. Mai auf der Bühne stehen. Schiltz hebt auch die Arbeit des europäischen Instituts für Chorgesang hervor (INECC) hervor, das beispielsweise Lehrer für die Umsetzung von Projekten coache. Kurse für Chorgesang gibt
es zwar, seien in den Musikschulen allerdings eher rar. Das hauptstädtische Konservatorium etwa bietet solche Kurse an..

Keine Angst vor Großprojekten

Roby Schiltz’ schönstes Erlebnis reicht bereits einige Jahre zurück, als er zur Jahrtausendwende ein Projekt mit Chor und Kindern plante. Guy Rewenig sollte eine Geschichte schreiben, Jean-Marie Kieffer den musikalischen Part übernehmen. Doch verschiedene Gründe führen dazu, dass Ballo Farfallo erst drei Jahre später zum ersten Mal aufgeführt werden kann, dann aber insgesamt 15 Mal, immer mit bis zu 50 Schulkindern. „Das war ein Erlebnis“, erinnert sich Schiltz. Am Anfang startete das Projekt mit damals 100.000 Franken. Doch das Projekt wuchs und wuchs und wurde immer professioneller. „Als das Projekt stand, waren wir mit 20.000 Euro im Keller. Ich hatte damals schon alles vorbereitet, um zur Bank zu gehen und Geld zu leihen“, berichtet Roby Schiltz. Doch die vom Konzert ganz begeisterte Kulturministerin Erna Hennicot-Schoepges „hat uns dann gerettet“.

Vor Großprojekten schreckt Schiltz auch darüber hinaus nicht zurück, etwa als er sich 2012, zum Anlass des 100. Jubiläums der Chorale Consdorf, mit 120 Sängern, dem Kinder- und Jugendchor Consdorf sowie drei Solisten an Carl Orffs „Carmina Burana“ heranwagt. Auch das Jubiläumsprogramm des Ambitus kündigt sich ambitioniert an. Mit dem „Canto General“ und „Die Schöpfung“ stehen gleich zwei Großprojekte an.

ambitus.lu