LUXEMBURGPIERRE WELTER

Ex-Geheimdienstchef Charles Hoffmann zum zweiten Mal im Zeugenstand

Er war zwischen 1985 und 2003 Direktor des Geheimdiensts und war bei seinem Karrieredebüt beim SREL 1976 mit dem geheimen Netzwerk „Stay Behind“ betraut: Charles Hoffmann, der gestern zum zweiten Mal im „Bommeleeër“-Prozess in den Zeugenstand trat. Und gleich wieder erklären musste, weshalb sich der Geheimdienst offensichtlich so wenig für die nie da gewesene Attentatsserie zwischen 1984 und 1986 interessierte.

„Wir wollten in den Ermittlungen helfen, doch wir sind im Regen stehen gelassen worden“, beteuerte Hoffmann wie bereits bei seinem ersten Auftritt im vergangenen November. Der Geheimdienst habe weder Zugang zu den Asservaten noch zu den Ermittlungsergebnissen gehabt und Gendarmerie und Polizei nur bei Bedarf materiell und personell zur Seite gestanden.

Erneut angesprochen wurde auch der Umstand, dass ein kapitaler Bericht über die von der Gendarmerie beantragte Observierung auf den BMG-Gründer Ben Geiben am 19. und 20. Oktober 1985 - der Verfasser, SREL-Beschattungsleiter Armand Kaudé hatte damals auch „Verdachtsmomente“ gegen den BMG-Vize Jos Steil aufgeschrieben - fast 19 Jahre lang im SREL lag bevor die Justiz ihn bekam. „Ich war der Meinung, dass alles mit Rechten Dingen zuging und die Gendarmerie den Bericht bekommen hat“, erklärte Hoffmann, „dass die Information im Sand verlief, ist nicht meine Schuld. Der Bericht müsste im Dossier der Observierung gelegen haben“. Er sei davon ausgegangen, dass sich die Gendarmerie notfalls melden würde, um den Bericht zu bekommen. Aber die Beziehungen zwischen Gendarmerie und SREL seien damals nicht zum besten gewesen, so der Ex-SREL-Direktor, „das war ein Fiasko von vorne bis hinten“.

„Horizontal ermittelt“

Dass der Geheimdienst nicht im Dossier „Bommeleeër“ermittelt habe, hänge damit zusammen, „dass wir frustiert waren“. Der SREL habe allerdings „horizontale Ermittlungen“ durchgeführt. Das heißt, bei fremden Geheimdiensten nachgefragt, ob Spuren über den „Bommeleeër“aus dem Ausland nach Luxemburg führen würden und ob nicht ähnliche Bombenattentate in befreundeten Ländern stattfanden.

Charles Hoffmann versicherte erneut, dass der „Stay Behind“ nichts mit den Sprengstoffanschlägen hierzulande zu tun haben könnte. „Es gab keine Sabotage beim ,Stay Behind‘“. Er finde es traurig, dass der „Plan“, wie das geheime Nato-Netzwerk in Luxemburg hieß, immer wieder in Verdacht gerät. Die „Plan“-Agenten hätten nur Informationen über Funk ermittelt und Personen durch das Land geschleust. „Stay Behind“ Luxemburg habe auch nie an einem Militär-Manöver teilgenommen. Mit Licio Gelli, dem Strippenzieher bei „Gladio“, dem italienischen „Stay Behind“ habe er nie Kontakt gehabt, so Hoffmann auf Nachfrage. Wie denn ein Dokument über Gelli im SREL-Archiv gelandet sei? Kann sein, dass es da einmal eine Nachfrage gab. Allerdings hätte sich der italienische Geheimdienst wohl an die Sicherheitskräfte gewendet, wenn er gegen den Mann ermittelt hätte. Gelli, der offensichtlich eine zeitlang in Luxemburg weilte, sei jedenfalls nie vom Geheimdienst abgehört worden, erklärte Hoffmann. Auf die Frage, was mit dem „Plan“-Material geschehen ist, nachdem der damalige Premier Jacques Santer das geheime Netzwerk 1991 auflöste, meinte der Zeuge: „Ich weiß nicht, was geschreddert wurde“. Hoffmann wurde auch öfters zu Informationsversammlungen von ausländischen Geheimdiensten eingeladen. „Bei diesen Sitzungen wurde nicht über die Bombenattentate gesprochen. Dort ging es ausschließlich um Spionage“. Er habe gute Verbindungen zur CIA gehabt, sagte der Zeuge auf Nachfrage. James Pavitt, den damaligen CIA-Stationsmanager in der amerikanischen Botschaft in Luxemburg habe er gut gekannt. Als der Zeuge abermals versicherte, der SREL habe versucht, dem Staat zu helfen, die Attentäter zu finden, meinte die vorsitzende Richterin: „Es gibt zwei Wege zu helfen. Eine davon ist die Dossiers zu vernichten. Wen wollten Sie decken in dieser Affäre?“. Daraufhin entgegnete Charles Hoffmann, er wolle keinen Kommentar dazu abgeben. Über den Zeugen Gilbert Leurs sagte der Ex-Geheimdienstchef, er könne sich nicht vorstellen, dass er SREL-Agenten in die Kaserne auf Herrenberg habe schleusen müssen. Denn der Geheimdienst habe offiziell dort Eingang gehabt. In der Kaserne habe es sogar ein „Bureau d’ordre“ gegeben, wo ein Offizier für den SREL zuständig war. Abschließend versicherte Hoffmann, dass unter seine Regie niemals ein illegaler Lauschangriff erfolgt sei.

Der andere Zeuge, der gestern aussagte, der Generalsekretär des Parlaments Claude Frieseisen konnte wenig zu den Fragen über seinen Vorgänger Wagner sagen, der bei seiner Pensionierung „Bommeleeër“-Akten mitgenommen haben soll.

Laut Frieseisen gebe es zwei thematische Dossiers über „Gladio“, in denen Zeitungsartikel und Arbeitsunterlagen der zuständigen Parlamentskommission zu finden seien. Heute geht der Prozess weiter mit der Anhörung des belgischen Ex-Militärs Lucien Dislaire.