LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Mit „The Post“ wird Steven Spielberg politisch

Regisseur Steven Spielberg greift in seinem neuen Film „The Post“, womit die Zeitung „The Washington Post“ gemeint ist, ein Kapitel der amerikanischen Geschichte auf. 1971 ließ der militärische Berater des Weißen Hauses Daniel Ellsberg geheime Dokumente der Regierung in Washington kopieren und spielte sie der „New York Times“ zu. Die später als „Pentagon Papers“ in die Geschichte eingegangenen Dokumente bewiesen, dass seit über 20 Jahre ein Schlag der Regierung gegen den Kommunismus geplant war, und dass der Krieg in Vietnam ein abgekartetes Spiel war, auch wenn dies immer wieder von den sich wechselnden Präsidenten verneint wurde. Diese Papiere bewiesen auch, dass die Regierung wusste, dass Amerika den Krieg in Vietnam nie gewinnen konnte.

Machtkämpfe

1965 beobachtet Daniel Ellsberg (Matthew Rhys) die blutigen Kämpfe in Vietnam. Auf dem Rückflug nach Washington redet er mit dem Verteidigungsminister Robert McNamara (Bruce Greenwood) über die prekäre Lage. McNamara meint jedoch der Presse gegenüber, dass die Situation sich verbessert hätte. 1971: Die „New York Times“ landet mit der Veröffentlichung der Pentagon-Papiere einen Scoop. In Washington verärgert dies den Chefredakteur der „Washington Post“ Ben Bradlee (Tom Hanks), während die Besitzerin der Zeitung Kay Graham (Meryl Streep) mit dem Vorstand über einen Börsengang verhandelt. Zudem hat Präsident Nixon die „Post“ zur Berichterstattung über die Hochzeit seiner Tochter ausgeladen. Und Nixon verklagt die „Times“ wegen der Veröffentlichung der geheimen Regierungspapiere. Ein Richter gibt der Regierung Recht und verurteilt die „Times“. Außerdem darf auch kein anderes Medium diese Papiere drucken.

„Post“-Journalist Ben Bagdikian (Bob Odenkirk) kann mit Ellsberg Kontakt aufnehmen und gelangt in den Besitz der Pentagon-Papiere. Nun steht für die „Post“ viel auf dem Spiel. Soll sie sich dem richterlichen Beschluss beugen oder auf ihr Recht pochen, die Bevölkerung zu informieren, auch wenn dies Gefängnisstrafen mit sich bringen könnte.

Recht auf Berichterstattung

Die Spannung und das Interesse des Films liegen zum Teil auf den einzelnen Aspekten des Dilemmas der „Post“. Als Zeitung hat sie die Pflicht zu informieren, auch wenn das verschiedenen Leuten nicht passt. Nur stehen die Reporter und die Besitzerin diesmal einem Urteil gegenüber, das sie in den Knast bringen könnte. Dieser Teil des Films ist demnach auch der interessanteste, weil jeder die Argumente nachvollziehen kann. Im restlichen fast zwei Stunden dauernden Film wird der Zuschauer mit vielen Namen und Abkürzungen, wie zum Beispiel RAND - das war eine Firma, die die amerikanische Armee beriet -, bombardiert. Spielberg weiß zwar, wie man solch einen politischen Film ohne Langweile auf die Leinwand bringt. Trotzdem könnten Zuschauern ohne Kenntnisse der politischen Situation in Amerika schnell den Faden verlieren. Vielleicht sollte man sich daher im Vorfeld zum Beispiel im Internet über die Affäre der Pentagon-Papiere informieren, wenn man als Spielberg-Fan den Film unbedingt sehen will.