LINTGEN
CORDELIA CHATON

Vertretung, Partyservice, Fitness – Thomas Trummer hat nach einigen Etappen seine Berufung als Gründer von Haar-Konzept-Salons gefunden

Der Mann sieht nicht so aus, als ob er viel Zeit beim Frisör verbringt. Rasierter Schädel und ein schmaler Bart: Kaum jemand käme darauf, dass Tom Trummer mal eine Friseurlehre gemacht hat. Dennoch hat er sehr viel mit Frisuren zu tun.

Trummer beschäftigt rund 140 Mitarbeiter in Luxemburg in ganz verschiedenen Geschäften rund um Haar, Bart und Schönheit. Klammheimlich hat er sich ein Unternehmen aufgebaut, seine Brüder hinzu geholt und den Markt in Angriff genommen. Für Medien hat er bislang kaum Zeit, das Geschäft ruft.

Dabei ist sein Lebenswerk eine Verkettung von Zufällen. Trummers Mutter betrieb in den 60er Jahren in Esch-sur-Alzette einen Friseursalon in der 60, Route de Neudorf. Ihr ältester Sohn Thomas wurde zwar hier geboren und wuchs in Esch auf. Aber als er zehn war, ging die Familie zurück nach Österreich. In Graz machte Trummer selbst eine Friseurlehre. „Das schien mir ganz natürlich, ich habe mir gar keine Fragen gestellt“, sagt er.

Dann spielte der Zufall eine Rolle - und eine Menge Resturlaub. Urlaub mag Trummer nicht so gern, er hält ihn vom Geschäft ab. Weil er so umtriebig ist, hatte er nach der Friseurlehre in andere Berufe hineingeschaut, vor allem in den Verkauf. 1988 kam er nach Luxemburg, Anfang 20, unternehmenslustig und voller Ideen, traf ein paar Leute - und erhielt im Urlaub ein Jobangebot von der Philip-Morris-Tochter Kraft für den Großhandel. Das gefiel ihm. Trummer kündigte und zog nach zehn Jahren in Österreich zurück nach Luxemburg. Er traf Leute, die ähnlich umtriebig waren. 1991 machte er sich mit ihnen selbständig - mit einem Partyservice.

Start mit Mutters Rat

Vier Jahre später erhielt er wieder ein Jobangebot als technischer Berater für Schwarzkopf-Produkte, die an Friseurläden verkauft werden sollten. Trummer sagte zu und tourte durch das Land. „Damals habe ich die Luxemburger Friseurlandschaft gut kennen gelernt“, erinnert sich der sportliche, tätowierte Mann. Einer seiner Kunden war in Lintgen. „Hier hatten schon zwei Läden pleite gemacht. Der Immobilienverwalter bot mir den Laden an.“ Zufällig war Trummers Mutter zu Besuch. Sie sah Potential in dem Laden. „Das mache ich jetzt“, beschloss Trummer. Das Geschäft nannte er 1997 „artisan des cheveux by Tom“. „Für mich muss ein Konzept dahinter stecken“, betont der Geschäftsführer. Nicht alle Konzepte aber sind etwas für ihn. Den Afroladen „Planet Hair“ in Ettelbrück verkaufte er wieder. „Das war etwas ganz anderes.“

Dafür hält sich das Schönheitsinstitut „beauty inside“ bis heute, das im gleichen Appartmenthäuserblock wie der erste Salon liegt und von Trummer 2001 eröffnet wurde. Ein paar Türen weiter in „My secret“ gibt es auch Haarverlängerungen und Perückenteile. „Nicht nur zur Verschönerung, sondern auch für Krankheitsfälle“, unterstreicht Trummer. Darum kümmert sich seine Lebensgefährtin Noémie Diaz, die seit zwölf Jahren für ihn arbeitet.

Marke in mehreren Ländern geschützt

Trummer testet weiter. Von 2006 bis 2008 mache er eine Vertretung für Fitnessgeräte. „Parallel kam mir die Idee zu Ryan Hair“, sagt der heute 50-Jährige. Der Name lehnt sich an den irischen Billigflieger an, der es zum größten europäischen Luftfahrtunternehmen geschafft hat. Zwar war dessen Chef Michel O´Leary noch nicht zum Haare schneiden da. Aber zumindest befürchtet Trummer auch keinen Ärger wegen des Namens. „Wir haben die Marke in Luxemburg, der Schweiz, den Niederlanden, Italien, Belgien und Österreich schützen lassen“, sagt er. Das sagt einiges über seine Ambitionen aus.

Mittlerweile gibt es zehn Ryan Hair-Salons in ganz Luxemburg. Trummer will sie als Quality Haar-Discounter verstanden wissen. „Aber eher so wie Lidl, die mittlerweile auch hochwertige Ware anbieten“. Da mit dem Erfolg die Arbeit zu viel wurde, holte er 2008 seinen jüngeren Bruder Martin nach, der Volkswirtschaft studiert hat und sich jetzt um die Finanzen kümmert. „Damals haben wir im Shopping Center Massen in Wemperhaardt an der belgischen Grenze einen ‚Tom l’artisan du cheveu‘ eröffnet. Der ging durch die Decke“, freut Martin Trummer sich. „Ich war für die Effizienz und Rentabilität da. Es war ein großes Projekt“, sagt der 36-Jährige Bald gab es fünf Läden - und viele Mitarbeiter.

Tom Trummer holte seinen zweiten Bruder nach. René ist der Zwillingsbruder von Martin, hat Psychologie studiert und sich mit klinischer Psychologie und Arbeitseingliederung befasst. Heute leitet der die so genannte unternehmenseigene Akademie, an der die 140 Mitarbeiter in Ettelbrück ständig weitergebildet werden. „So habe ich beides, die Personalführung, aber auch Schulung und Konfliktlösung“, urteilt René Trummer nach fünf Jahren als Partner an der Seite seines Bruders. Auf die Frage, ob es schwierig ist, den älteren Bruder zum Chef zu haben, antwortet er mit einem klaren „Jein. Wir sind Partner.“ Zu dem Trio gehört noch ein vierter, stiller Partner, der ungenannt bleiben soll.

Keine Nächte mehr im Büro

Mit dem Quality Haar-Discounter war Trummer der erste in Luxemburg. Über solche Ideen unterhält er sich schon mal mit Berufskollegen wie Michel Sanne, Gründer der Salons „beim Figaro“ oder mit Tammy Troversal, der ebenfalls Friseursalons in Luxemburg betreibt. Da kommen Themen auf wie Nachwuchsfragen. „Leute mit Potential werden aus dem Handwerk ferngehalten“, ärgert Trummer sich.

Dabei ist der Selfmade-Unternehmer selbst das beste Beispiel, wie golden der Boden des Handwerks sein kann. Dafür hat er hart geschuftet. „Heute verbringe ich meine Nächte aber nicht mehr im Büro“, versichert der geschäftige Figaro. Schließlich braucht er noch ein bisschen Zeit für sein Privatleben und geht auch mal mit seinem Hund spazieren. Ansonsten liebt er „Krav Maga“, ein israelisches Selbstverteidigungssystem mit Nahkampf- und Boxelementen. Ehrensache, dass er hier auf einem Trainerniveau angekommen ist.

Manchmal geht Trummer auch in Ettelbrück vorbei, um zu sehen, was unterrichtet wird. „Ich versuche, jeden meiner Mitarbeiter kennen zu lernen“, sagt er. Einmal im Jahr gibt es ein Unternehmensfest, damit sich die Mitarbeiter auch gegenseitig mal sehen.

Bald kommen ein paar neue hinzu. Anfang Oktober eröffnet Trummer seinen zweiten „Old School Barbers Shop“, in dem Männer sich den Bart zwischen Motorrad und Holzdeko stutzen lassen können. „Das läuft super“, freut sich Trummer. Für ihn ist es vor allem eine Frage des Konzepts. Denn Konzepte kann man woanders wiederholen, exportieren, vervielfältigen.

„Tom ist jemand, der immer Ideen hat. Selbst auf dem kleinsten Flyer sieht er noch Platz für Werbung“, sagt eine Mitarbeiterin. Trummer selbst sieht das so: „Mir geht es nicht ums Geld. Wir investieren viel in neue Geschäfte, Service, Qualität.“ Und dann sagt er aus vollem Herzen: „Wenn ich nicht wenigstens einen Salon im Jahr eröffne, geht es mir nicht gut.“

FÜNF KONZEPTE

Ein Haar-Reich

Die Trummer-Brüder und ihr Partner betreiben zehn Ryan Hair Salons, zwei „Tom l´artisan des cheveux“-Salons, den Haarteilespezialdienst „My secret“, den Schönheitssalon „Beauty Inside“ sowie zwei „Old School Barbers“-Läden und eine Weiterbildungsakademie für die 140 Mitarbeiter. Geschäftszahlen kommunizieren sie nicht.