Was? Bekommt Jean Asselborn nun noch ein Ministerressort hinzu, Kultur oder Kultus? Haben wir gar eine Regierungsumbildung verpasst? Dachten wir gestern doch glatt beim ersten flüchtigen Blick auf das „Revue“-Cover. Aber die Magazin-Macher haben unseren Chefdiplomaten kurzerhand zum „Kultminister“ gekürt. Wohl weniger weil er im Jahr 12.000 Kilometer radelt und geschätzt Tausend Mal so weit fliegt, sondern weil er auch nach vielen Jahren LSAP noch immer einer der beliebtesten Politiker ist. Helfen mag dabei, dass er bescheiden bleibt, trotz des Umstands, dass er mittlerweile 200 Außenministern die Flosse geschüttelt hat sowie unzähligen anderen Machthabern - „dabei haben nicht alle politisch keusche Hände“. „Ich bin kein so gescheiter Junge wie viele glauben“, vertraute er der „Revue“ an, „vieles musste ich mir erarbeiten“. Ob Nachtschicht in der Reifenfabrik, Pässe stempeln in der Steinforter Gemeinde - wobei er sich den Spitznamen „Joffer Maria“ gefallen lassen musste -, büffeln im Akkord, Crash-Kurs in Diplomatie und Kofferpacken im Sauseschritt: Der Mann, der sich als „Getriebener“ bezeichnet ist halt ein ganzer Kerl. Weiche Knie bekommt er laut „Revue“ nur bei Schokolade, Spaghetti, Schnitzel mit Fritten und manchmal am „Mont Ventoux“. Aber selbst dann sitzen Frisur und Schnäuzer perfekt.
Ein ganzer Kerl
journal.lu - 22.07.2015

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