LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Wasserturm von Gasperich fasst 1.000 Kubikmeter Trinkwasser

Zuverlässiges Wasserreservoir, schickes Aushängeschild und mehrstöckiger Lagerraum: Wenn der Wasserturm in dem Neubauviertel „Ban de Gasperich” an diesem Dienstag eingeweiht wird, hat er gleich mehrere Funktionen zu erfüllen. Mit einem Fassungsvermögen von 1.000 Kubikmetern soll der Wasserturm Teile der Viertel „Ban de Gasperich“, Zessingen und „Cloche d’Or“ versorgen. Allein im „Ban de Gasperich“ sollen in sieben Jahren schon 25.000 Menschen wohnen, arbeiten und zur Schule gehen. „Wir haben die Funktionen vervielfacht“, erklärt Architekt Mathieu Nicol vom Architektenbüro Jim Clemes. Das luxemburgische Architektenbüro hat das Projekt in Zusammenarbeit mit „Schroeder&associés“, T/E/S/S und „Licht Kunst Licht AG“ zu verantworten. Der Wasserturm ist also nicht nur ein hängendes Reservoir mit zwei Tanks für Trinkwasser, sondern auch ein Materiallager der Stadt Luxemburg.

Zu komplex für erneuerbare Energien

Der Wasserturm ist mit seinen 68 Metern der höchste des Landes, womit Luxemburgs bisher höchste Wasserspeicher – in Leudelingen mit 58 Meter und Berdorf mit 55 Metern – auf die Plätze verwiesen sind. Für diejenigen, die nicht in einem der drei Viertel arbeiten oder leben, ist der Turm aber nicht nur wegen seiner Höhe am ehesten optisch relevant: Die weiße Metallfassade, im Muster einer dynamisch wirkenden Verästelung, fällt auf. Ab April soll dann bei Nacht auch die Beleuchtung angeschaltet werden. 24 LED-Projektoren werden in drei Ringen im Boden angebracht und den Turm anstrahlen. „Das macht die Instandhaltung günstiger“, erklärt Nicol.

Die ursprüngliche Idee, den Turm durch LED in der Fassadenkonstruktion zu beleuchten, konnte aus Kostengründen nicht umgesetzt werden. Zwar modern dank LED, aber klimafreundlicher ging es nicht: Die Beleuchtung des Wasserturms hätte sich nach Angaben des Architekten etwa über erneuerbare Energien nicht umsetzen lassen. „Solarzellen hätten an die Fassade gemusst, wobei die Wartung in 60 Metern Höhe aber zu gefährlich wäre“, erklärt Nicol. Und für eine Installation auf dem Dach ist die Fläche wiederum zu schmal.

Farben nach Wunsch

Zudem galt es, das Budget, das im Kostenvoranschlag mit 8,7 Millionen Euro notiert war, einzuhalten. Die zu Beginn des Projektes einmal deklarierten fünf bis sechs Millionen Euro seien laut Nicol übrigens aufgrund der Einplanung des Lagerraumes gestiegen. Die Kosten der Beleuchtung sind mit rund 3.000 Euro pro Jahr veranschlagt, unter der Voraussetzung, dass die LED sechs Stunden brennen. „Die Beleuchtung kann in der Nacht graduell angepasst und die Farben von der Stadt je nach Anlass verändert werden.“

Und nach der Einweihung? Nicol hofft, dass der Wasserturm möglichst lange funktioniert. „Eine Instandhaltung der Fassade muss in etwa 30 Jahren eingeplant werden, das entspricht aber der normalen Dauer bei Gebäuden.“ Müsste hingegen an den Wassertanks doch mal etwas repariert werden, kann einer der Tanks leergelassen werden, während der andere autonom weiter funktioniert. In dieser und der nächsten Generation soll dies aber nicht der Fall sein.

Die meisten liegen unterirdisch

Wasserreservoirs in Luxemburg

666 Einträge zählt die Liste der Wasserreservoirs im Land, die uns vom Wasserwirtschaftsamt zur Verfügung gestellt wurde. Die meisten davon liegen unter der Erde, nur 38 sind so genannte Hochreservoirs oder Wassertürme. Manche der Erdreservoirs stammen noch aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der älteste Wasserturm in Betrieb dürfte der von Kleinbettingen (Gemeinde Steinfort) aus dem Jahr 1953 sein. Aus dem Jahr 1928 stammt der Wasserturm auf dem ehemaligen Stahlindustriegelände in Düdelingen. Er wurde umgebaut und beherbergt seit 2012 Edward Steichens Fotoausstellung „The Bitter Years“. Etwas ganz Originelles hat sich die Gemeinde Berdorf mit ihrem neuen, 55 Meter hohen Wasserturm, einfallen lassen, der 2015 in Betrieb ging: Im „Aquatower“ (www.aquatower-berdorf.lu) gibt es unter anderem eine Ausstellung über Wasser und eine Aussichtsplattform auf 50 Metern Höhe, auf der regelmässig Veranstaltungen stattfinden. Die allermeisten Wasserreservoirs liegen in der Verantwortung der Gemeinden. Die Wassersyndikate DEA, SEBES, SES, SESE und SIDERE verwalten insgesamt 45 Reservoirs, aber nur einen Wasserturm in Schengen. LJ