STUTTGART
CHRISTIAN SPIELMANN

„Ghost das Musical“ im Stuttgarter Stage Palladium Theater

Jerry Zuckers Film „Ghost“ eroberte 1990 weltweit die Kinos. Die traurige Liebesgeschichte zwischen Molly (Demi Moore) und Sam (Patrick Swayze), der ermordet wird, berührte die Kinozuschauer. Für ihre Rolle des Mediums Oda Mae gewann Whoopi Goldberg den Oscar der besten Nebendarstellerin. 2011 erlebte „Ghost the Musical“ seine Premiere in Manchester und kam im Juni nach London.

Die Musik komponierten Dave Stewart, der zusammen mit Annie Lennox die Gruppe Eurythmics gründete, und Glen Ballard, der unter anderem der Co-Autor der Michael-Jackson-Hits „Thriller“, „Bad“ und „Man in the Mirror“ ist. Das Buch sowie die Liedtexte schrieb Bruce Joel Rubin, der ebenfalls das Drehbuch zum Film schrieb und einen Oscar gewann. In Berlin wurde im Dezember 2017 die deutsche Fassung „Ghost das Musical“ uraufgeführt, danach in Hamburg gespielt, und nun ist die Show im Stuttgarter Stage Palladium Theater zu sehen. Matthias Davids führt Regie.

Von der Leinwand auf die Bühne

An der eigentlichen Filmgeschichte wurde nicht viel verändert. Lediglich einige Szenen mussten angepasst werden, um bühnengerecht zu sein. Molly (Roberta Valentini) und Sam (Riccardo Greco) sind in ihr neues Apartment eingezogen und feiern mit Carl (Thomas Hohler), einem Arbeitskollegen von Sam. Doch eines stört Molly: Sam hat ihr noch nie die berühmten drei Worte gesagt: „Ich liebe dich“. Er antwortet lediglich mit „Dito“, wenn Molly ihm ihre Liebe gesteht.

Ihr Glück hat ein jähes Ende als sie abends vom Ganoven Willie Lopez (Vini Gomes) überfallen werden und Sam erschossen wird. Sam „lebt“ sozusagen als Geist weiter, weil er zu früh aus dem Leben schied. Hören kann ihn allerdings niemand, außer den anderen Geistern, die sich in New York herumtummeln, wie der Geist im Krankenhaus (Benjamin Beckmann). Sam findet heraus, dass Carl den Überfall geplant hat, und dass sein Tod nicht gewollt war. Auf der Suche nach Sams Notizbuch umgarnt er daher Molly, die somit in Lebensgefahr schwebt. In der U-Bahn begegnet Sam einem weiteren Geist (Enrico Treuse), der Sachen bewegen kann. Durch Zufall wird er auf das Reklameschild des Mediums Oda Mae Brown (Kim Sanders) aufmerksam. Diese kann ihn hören, auch wenn sie ihre Kundinnen abzockt. Sam bittet Oda Mae, ihm zu helfen. Nun muss sie Molly überzeugen, dass Sam nicht wirklich tot ist.

Eine grandiose Kim Sanders

Valentini und Greco kennen ihre Rollen bestens, weil sie in Hamburg bereits als Molly und Sam auf der Bühne standen. Sie überzeugen sowohl in schauspielerischer Hinsicht als auch mit ihren ausgezeichneten Stimmen. Auch Hohler als hinterhältiger Kollege gefällt. Eine Schauspielerin übertrumpft alle anderen: Kim Sanders. Sie sang unter anderem in den Popgruppen Culture Beat und Captain Hollywood Project. Ihr Mienenspiel ist einfach fantastisch, von ungläubig, schelmenhaft bis überrascht. Ihr Gesang geht unter die Haut, und ihr gesanglicher Höhepunkt ist die fantasievolle Nummer „Nur weg von hier“, in der sie mit Tänzern und Tänzerinnen in pinkfarbenen Shorts und Bikini-Oberteilen shoppen geht.

Insgesamt klingt die Musik sehr gut und Songs wie „Jetzt und hier“, „Mehr“ und „Drei Worte von dir“ setzten sich im Ohr fest. Natürlich fehlt „Unchained Melody“ nicht. Sam singt es auf der Bühne und spielt dazu Gitarre. Das Lied stammt aber aus dem Film „Unchained“ (1955) von Hal Bartlett und wurde von Alex North komponiert. Später nahmen es unter anderem Liberace, die Platters, Elvis Presley und die Righteous Brothers auf.

Äußerst interessant ist das Bühnenbild von Hans Kudlich. Auf die viereckigen Stützen in der Wohnung werden Bilder projiziert und lassen erahnen, wo sich die Szenen abspielen, wie in einer Metrostation, wo sich das Ensemble in einem U-Bahn-Waggon in Zeitlupe bewegt, als der U-Bahngeist hinter Sam her ist. „Ghost das Musical“ ist ein absolut sehenswertes Musical, das dem Film in nichts nachsteht, in Sachen Humor wie emotional.

Unter www.stage-entertainment.de findet man weitere Informationen sowie die Möglichkeit, Tickets zu buchen.