LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Bildungsminister Meisch zieht Bilanz der Legislaturperiode

Die Bildungslandschaft modernisiert und der Gesellschaft angepasst sowie für fairere Bildungschancen gesorgt: Mit diesen Worten fasst Claude Meisch die fünf vergangenen Jahre in seiner Funktion als Minister für Bildung, Kindheit und Jugend zusammen. Nicht weniger als 43 neue Gesetze gingen in den vergangenen Jahren durchs Parlament, ergänzt durch 138 großherzogliche Verordnungen sowie weitere Initiativen und Projekte. Der DP-Minister ging¨gestern beispielsweise nochmal auf die Einführung von Qualitätskriterien in der Kleinkindbetreuung ein, das mehrsprachige Frühförderungsprogramm und die damit verbundenen 20 Gratis-Stunden, mit denen Familien entlastet werden konnten. Als Erfolg nannte Meisch auch die vielfältigere Bildungslandschaft, die der Vielfältigkeit der Schüler angepasst sei. An anderer Stelle sagte der Minister: „Diversität ist eine Stärke dieses Landes und kann auch nur eine Stärke des Bildungssystems sein.“

Auch beim außerschulischen Angebot sei viel geschehen, etwa mit dem „Luxembourg Science Center“. Inzwischen gebe es auch in fast jeder zweiten Sekundarschule einen „Maker Space“. Durch die „Entrepreneurial School“ oder das „Future Hub“ seien mehr Verbindungen zwischen Schule und Gesellschaft geschaffen worden. Um schulische Inklusion zu ermöglichen, „haben wir den Schulen Mittel
gegeben, um inklusiv arbeiten zu können“, meinte Meisch mit Blick auf die spezialisierten Lehrkräfte in der Grundschule (I-EBS) oder die ESEB-Mannschaften.

„Reformierbares“ System

Anders als man noch zu Beginn der Legislaturperiode hätte annehmen können, habe er auch bewiesen, „dass sich das System reformieren lässt“. Habe vor fünf Jahren noch ein Reformstau geherrscht, „bekommen wir jetzt zu hören, dass wir vielleicht zu viel in Angriff genommen hätten“, meinte Meisch.
Er ging etwa auf die Neuausrichtung der Orientierungsprozedur am Ende der Grundschule ein, die Eltern ein stärkeres Mitspracherecht einräumt. „Schwierige und aufreibende“ Diskussionen habe es gegeben. Zum Schluss sei es aber möglich gewesen, in einer „Bildungspartnerschaft“ - gemeint war nicht das einzige Abkommen mit der großen Lehrergewerkschaft SNE - eine Einigung zu finden.

Positiv habe sich dabei die Ansiedlung der formellen und informellen Bildung in einem Ressort ausgewirkt und dass er für die Investitionen in die Bildung auf den Rückhalt der ganzen Regierung habe zählen können. Meisch erinnerte daran, dass in den vergangenen Jahren rund 1.100 neue Lehrer in der Grundschule eingestellt sowie 296 Posten für Kinder mit spezifischen Bedürfnissen geschaffen wurden. Als dritte Voraussetzung für die Modernisierung des Bildungssystems nannte Meisch die Tatsache, „die Entwicklung von unten“ unterstützt zu haben, beispielsweise bei den sechs neuen Sektionen in der Sekundarschule.

Um sicherzustellen, dass in den kommenden Jahren genügend Grundschullehrer rekrutiert werden können, „hat sich die Universität Luxemburg dazu verpflichtet, mehr Anwärter zuzulassen“. Doch auch das reiche mittelfristig nicht aus, betonte Meisch auf Nachfrage. In Zukunft müssten zwei Drittel der benötigten Lehrer an der hiesigen Uni ausgebildet werden - statt heute einem Drittel. Um im Herbst 100 statt 80 Kandidaten aus 300 Bewerbern aufzunehmen, wird die Universität laut Angaben des „Wort“ die „admission conditionnelle“ ausweiten. Sinngemäß meinte Meisch gestern, es sei besser, wenn Studenten ermöglicht wird, im Laufe ihres vierjährigen Studiums Schwächen zu überwinden, als dass nachher auf Abiturienten mit einer vierwöchigen Weiterbildung zurückgegriffen werden müsse.


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Interessierte unter tinyurl.com/bilanmenje