LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Layout- und Background-Artistin Lisa Grosbusch über ihre künstlerische Lebensgestaltung

Dass einem die Liebe zur Kunst in die Wiege gelegt werden kann, wird Lisa Grosbusch (27) aus Bonnevoie sicherlich bestätigen. Im Gespräch mit der lebensfrohen Künstlerin erfahren wir, weshalb sinnlose Kunst sie aufregt und wie Kunst zum festen Bestandteil ihres Lebens werden konnte.

Was bedeutet Kunst für Sie?

LISA GROSBUSCH Kunst ist ja irgendwie alles und nichts. Manchmal geht man ins Museum, und fragt sich bei verschiedenen Objekten einfach, was das soll? Im Dadaismus war das Ausstellen einer Badewanne vielleicht noch cool, aber mittlerweile, wenn jetzt jemand mit so etwas kommt, regt mich das schon auf. Für mich ist es erst dann Kunst, wenn ich ein Handwerk dahinter spüre, ein Talent, eine Zeitinvestition und eine gute Idee. Vor allem aber muss es mich berühren. Oft wandere ich im Museum herum, schlendere zwischen Objekten umher, die mich nicht wirklich interessieren und stoße dann plötzlich auf etwas Bestimmtes, das meine ganze Aufmerksamkeit sofort auf sich zieht und mich fesselt. Das ist dann das, wo ich sage, das ist Kunst!

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

GROSBUSCH Von klein auf habe ich mich immer schon künstlerisch betätigt. Dass ich dann später im Gymnasium die Section Artistique besuchen und im Anschluss den Bachelor und Master of Fine Arts an der Uni absolvieren sollte, stand eigentlich nie bewusst zur Diskussion. Das war bei mir Tatsache und selbstverständlich. Unsere ganze Familie ist aber ohnehin ganz künstlerisch. Väterlicherseits war Joseph Grosbusch, der Bruder meines Opas, ein bekannter Maler. Seine drei Töchter, Danielle, Michèle und Martine Grosbusch sind auch Künstler. Ihre Kinder sind ebenfalls im Metier tätig. Mein Vater selbst ist auch sehr kreativ, bastelt und erfindet gerne. Ich denke, dass meine Passion wohl von da stammt.

Erzählen Sie über Ihre Ausbildung.

GROSBUSCH Meinen Bachelor habe ich in Canterbury gemacht. Im ganzen Kunststudium war es immer so, dass ich machen konnte, was ich wollte, und wurde dabei begleitet und unterstützt. Einerseits war das natürlich die beste Rahmenbedingung, um den eigenen Stil entdecken zu können. Andererseits hätte ich aber auch gerne zum Beispiel Kurse in Skulptur besucht. Leider gab es nie ein Fach, das mir das Know-how dieses Handwerks näher gebracht hätte. Im Master, für den ich nach Québec zog, musste zum praktischen Werk dann eine Abschlussarbeit geschrieben werden, sozusagen als theoretischer Teil. In diesen zwei Jahren musste ich eine Ausstellung zu einem von mir gewähltem Thema auf die Beine stellen. Bei meiner Arbeit drehte sich alles um die Kinderbücher Peter Pan, Ronja Räubertochter und der kleine Prinz. Ich habe drei Hütten gebaut, in denen ich die jeweiligen Geschichten anhand von drei verschiedenen Kunststilen erforschte, das ging von etwa 200 kleinen Illustrationen über Wandmalerei bis hin zu Projektionen digitaler Werke. Ich wollte, dass die Leute wirklich in den Hütten ganz von der Kunst umgeben sind und direkt an den Emotionen teilhaben.

Und mittlerweile verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt mit Kunst?

GROSBUSCH Nach meinem Master habe ich in Schottland Kunstateliers für Kinder, Behinderte und alten Menschen gestaltet. Daneben habe ich als Freelance Bilder und Illustrationen gefertigt. Nach zwei Jahren bin ich wieder nach Luxemburg gezogen, weil ich eine Stelle beim Animationsfilm, im „Studio 352“ bekam. Ich bin hier nun als Layout- und Backgroundartist angestellt. Das heißt, ich kümmere mich um die Konturgestaltung und Farbgebung der Illustrationen. „Ernest et Célestine“ ist eines der bekanntesten Projekte, das ich mitgestaltet habe.

Was malen Sie am liebsten?

GROSBUSCH Bei der Arbeit gibt es natürlich bestimmte Themen, an die ich mich halten muss. Persönlich male ich vorwiegend figurativ, etwas Abstraktes eher sehr selten. Meist zeichne ich vermenschlichte Tiere. Wenn ich Menschen male, sind es vorwiegend Frauen. Dies aus ästhetischen Gründen und wohl auch, weil ich darin einen Bezug zu mir selbst wiederfinde. Oft sind meine Bilder auch etwas surrealistisch angehaucht. Stillleben oder ähnliches finde ich eher sinnlos, es gibt schließlich Fotos. Ich bevorzuge imaginative Elemente. Was die Technik anbelangt, male ich gerne sauber und detailliert mit Bleistift und Tusche, und wenn ich auf der Leinwand arbeite, nutze ich vermischtes Acryl.

Gestalten Sie auch Ausstellungen?

GROSBUSCH Ganz selten, mir fehlt einfach die Zeit dazu. Eigentlich müsste ich es mal versuchen, eine eigene Ausstellung auf die Beine zu stellen. Wenn jemand mich fragt, ob ich an einer Ausstellung teilhaben möchte, sage ich jedoch meist gerne zu. Projekte, die ich im Auftrag fertige, werden aber auch öffentlich bereitgestellt. Eine Broschüre für den ‚Mouvement Ecologique‘, die ich gestaltet habe, wurde zum Beispiel übers ganze Land verteilt. Private Bestellungen nehme ich aber auch an, das geht von Illustrationen und Design bis hin zu Bildern und Gemälden.

Was würden Sie jungen Künstlern raten, die sich beruflich etablieren wollen?

GROSBUSCH Es ist sehr schwierig. Ich bin froh, dass ich mittlerweile eine feste Arbeit gefunden habe. Gleichzeitig fehlt mir nun aber oft die Zeit, an meinen persönlichen Werken zu arbeiten. Aber, dennoch, wenn man es wirklich von ganzem Herzen machen will, soll man es auch wagen!


Weitere Informationen unter www.lisagrosbusch.com