LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Mother!“, eine Leidensgeschichte von Darren Aronofsky

Die Filme von Darren Aronofsky, wie zum Beispiel „Pi“ (1998), „Requiem for a Dream“ (2000) oder „The Fountain“ (2006), sind nicht unbedingt einfach zu verstehen. Und er drehte mit „Noah“ (2014) einen der schwachsinnigsten Filme aller Zeiten. Bei seinem neuesten Werk „Mother!“ scheint er wieder beim Schreiben und Drehen zu sehr seiner Fantasie nachgeeifert zu haben, als dass er sich darauf besinnt hätte, dem Zuschauer eine plausible Geschichte zu erzählen.

Die Namenlosen

Im Film werden keine Namen genannt. Eine Frau (Jennifer Lawrence) lebt mit ihrem Mann (Javier Bardem), ein Poet, dem die Inspiration fehlt, in einem großen Haus. Ein älterer Mann (Ed Harris) klingelt an der Tür und gibt sich als orthopädischer Chirurg aus. Er hält das Haus für eine Pension, und als er erfährt, dass der Poet sein Lieblingsschriftsteller ist, willigt dieser ein, ihn als Gast aufzunehmen. Kurz darauf zieht auch die Frau (Michelle Pfeiffer) des Gastes ein. Wieder einige Zeit später treffen ihre beiden Söhne (Brian Gleeson und Domhnall Gleeson) ein, und streiten über das Testament. Der Streit artet aus und einer tötet den anderen. Dann treffen eine Unmenge von Trauergästen ein, und die Frau des Hauses wird von lauter Verrückten bedrängt. Ihr Martyrium geht weiter, auch als alle Gäste verschwunden sind.

Jesus und Maria

Anfangs sieht sich der Film wie ein Plädoyer für die Hausfrau an, die angesichts der Tatsache, dass der Mann nichts macht, alle Arbeiten im Haus verrichten muss, selbst die Renovierung. Erst als sie schwanger wird, erhält ihr Mann wieder eine Inspiration. Mit seinem neuen Werk steht er plötzlich wieder im Rampenlicht. Seine Fans strömen in sein Haus und vergöttern ihn als neuen Messias. Die Hausfrau geht definitiv in seinem Ruhm unter, und der Film artet in eine bizarre Leidensgeschichte aus, mit ein paar sehr harten Szenen. Der Kriegszustand herrscht, und alle wollen nur den Poeten verteidigen. Niemand schert sich um die Frau und ihr ungeborenes Kind.

Sollte Aronofsky versucht haben, eine neue Fassung von Jesus und Maria Magdalena in Szene zu setzen, muss man sich fragen, was er damit bezwecken wollte. Oder visiert er ein Glaubensbild an, bei dem der Fanatismus dominiert und sich am Ende alle Gläubigen als Verrückte entpuppen, die keinen Respekt vor nichts und niemandem haben?

Die horrorartigen Elemente mit den Blutflecken am Boden und einem mysteriösen Raum im Keller sind reine Effekthaschereien, die ebenfalls keinen Sinn ergeben. Schlussendlich erzählt der Film auch eine sich wiederholende Schöpfungsgeschichte, bei welcher der Gedanke hochkommt, dass Aronofsky nach „Noah“ der Bibel und den Evangelien verfallen zu sein scheint, und in seinem Fanatismus vergessen hat, dass er Filme für ein breites Publikum macht und nicht für sich selbst. Somit ist „Mother!“ wieder ein Film, an dem sich die Geister scheiden.