LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Die Wohnungssuche als erste Prüfung für Studenten - Ein Erfahrungsbericht

Die Schule hat gerade aufs Neue begonnen und auch für Studenten fängt bald wieder der Ernst des Lebens an. Doch bevor es zu den Vorlesungen geht, hat man als „Ersti“ bereits eine wichtige Hürde überwinden müssen: Die Wohnungssuche. Dass dies nicht immer ganz reibungslos vonstattengeht, habe ich am eigenen Leib erfahren…

Funkelnagelneu- was will man mehr?

Die erste Wohnung, die ich mir angesehen habe, war neu. So neu, dass sie noch im Rohbau war und ihre Fertigstellung so bald nicht in Aussicht stand. Während mir das nicht so ganz geheuer war, freute sich meine leicht klaustrophobisch veranlagte Mutter eher darüber, dass wir die Feuertreppe benutzen durften, anstatt den Aufzug, einen solchen gab es nämlich noch gar nicht.

„Ach, jetzt schon Wohnungsbesichtigungen?“, fragte ein Arbeiter spöttisch, als wir an ihm vorbeigingen und in den labyrinthartigen Gängen die richtige Wohnung suchten. Der Vermieter redete nun aufgeregt davon, wie alles einmal aussehen sollte und schwärmte dabei besonders von der Dusche, in die man, seiner Meinung nach, bequem auch zu zweit einsteigen konnte.

Nach einer Abkühlung war uns allen erst so recht zumute, als er uns den Stellplatz in der Tiefgarage zeigte. Da ich kein eigenes Auto besitze, hatte ich nicht vor, diesen mit zu mieten. Tja dann müsse er sich aber noch ein paar Gedanken machen und eine Nacht darüber schlafen, um sich zu überlegen, ob er mich nun wirklich als Mieterin haben wollte. Obwohl ich ihm ja äußerst sympathisch sei! Aber es gäbe immerhin noch viele andere Interessenten. Nur eine davon, erzählte er kopfschüttelnd, habe ihm am Ende der Besichtigung erzählt, sie besäße einen Chihuahua. „Wie gut“, erwiderte ich trocken, „dass ich nur einen Rottweiler habe“. Ich deute auf den Stellplatz. „Den könnte ich ja hier unterbringen“. Der Vermieter fand das nicht lustig und zeigte sich wenig begeistert über diese -wie ich finde- großartige Idee.

Begeistert war ich ebenfalls nicht. Schon recht nicht, als er meinen Eltern, denen er wohl das Stempel der reichen Luxemburger aufdrückte, vorschlug, doch eine Wohnung zu kaufen anstatt eine zu mieten. Immerhin hätte er sich selbst das ja auch leisten können. Ferner meinte er, man könne mir doch ein Auto besorgen und zwinkerte meinen Eltern daraufhin auffordernd zu. Ich fand das unverschämt und er wiederum fand es unverschämt, dass ich seine Wohnung nicht haben wollte.

Mangelnde Autonomie der Papiere

Eine andere Wohnung sollte es sein. Nun musste man mir nur noch den Mietvertrag zuschicken. Doch der ließ auf sich warten. Nach einigen Tagen erhielt ich eine E-Mail: Verärgert müsse die Vermieterin selbst feststellen, dass der Mietvertrag noch nicht an mich versandt wurde. War ja auch richtig ärgerlich, dass dieser seinen Weg nicht von selbst zu mir gefunden hatte! Nach einigen Tagen kam dann die nächste Nachricht: „Der Mietvertrag wurde an uns zurückgeschickt, da er nicht ausreichend frankiert war“. Sich selbst frankieren konnte der böse Vertrag also auch nicht!

Erstaunlicherweise habe ich ihn dann irgendwann doch noch erhalten und ihn so schnell wie möglich unterschrieben. Doch dann passierte wieder nichts. Ob man den Mietvertrag denn erhalten habe, hakte ich irgendwann nach. „Meiner Erinnerung nach haben wir ihn erhalten“, so die Vermieterin, was mich eigentlich ungemein beruhigen sollte, da man sich meist ja an nichts erinnert, was gar nicht erst eingetreten ist.

Tatsächlich kam es kurz danach zur Schlüsselübergabe. Die Vermieterin versprach, mir noch einen Kühlschrank und einen zweiten Wohnungsschlüssel zu besorgen. Es überraschte mich nicht so wirklich, dass beide Versprechen bisher nicht umgesetzt wurden. Ich rief die Vermieterin an und bekam die entschuldigenden Worte zu hören: „Ich habe Sie mit einer anderen Mandy verwechselt“. Und das war nicht das Einzige, was man scheinbar verwechselt hatte. Es handelte sich nun doch, anders als angegeben, um eine Staffelmiete und als ich wissen wollte, wie 300 Euro Kaltmiete und 50 Euro Nebenkosten denn insgesamt 375 Euro ergeben konnten, erhielt ich die logische Antwort, die ich mir eigentlich auch selbst schon hätte geben können: Der Vermieterin war da wohl -ach, wie ungeschickt- ein kleiner Schreibfehler unterlaufen, es handle sich selbstverständlich um 75 Euro Nebenkosten!

Was mich bei dem Ganzen allerdings immer noch am meisten verwundert: Es scheint tatsächlich Probleme beim monatlichen Abheben der Miete zu geben. Ich war davon ausgegangen, dass man zumindest in dem Punkt äußerst schnell und effizient arbeiten würde. Wo bleibt bitte die deutsche Genauigkeit, wenn es darum geht, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen?

Auf jeden Fall bräuchte ich jetzt eigentlich einmal Urlaub, um mich von der Wohnungssuche zu erholen und ich bin schon gespannt zu hören, wie es anderen dabei so ergangen ist.