Das markanteste Ereignis der Luxemburger Filmwelt im Jahr 2014 fand am 2. März statt: Auf der Bühne des Dolby Theatre in Los Angeles, wo die 86. Oscarverleihung über die Bühne ging, standen Kim Novak und Matthew McConaughey. Zuerst gaben sie die Titel der Filme bekannt, welche in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ nominiert waren. Dann sagte die an einer bipolaren Störung leidende Kim Novak („Vertigo“) den weltbekannten Satz „And the Oscar goes to …“ und anschließend „Mr. Hublot“. In einer Ecke des Theaters freute sich die kleine Luxemburger Delegation mit unter anderem Film Fund-Direktor Guy Daleiden und Bildhauer Stéphane Halleux, zusammen mit den zwei Regisseuren Laurent Witz und Alexandre Espigares, die dann ganz aufgeregt ihren Oscar in Empfang nahmen. Luxemburg wurde belohnt für ein Genre, das man hierzulande besonders gut beherrscht: Den Animationsfilm.
Festivals bis zum Umfallen
Neben den traditionellen großen Festivals, dem Discovery Zone Luxembourg City Film Festival, dem italienischen Filmfestival von Villerupt und dem
CinEast bereicherten, wie seit Jahren schon, viele kleinere Festivals das Filmjahr.
Im Mai fand das „Festival des très courts“ im „Utopia“ statt, im Juni nahmen das „Nordic Film Festival“ und eine „Quinzaine du cinéma portuguais“ das Publikum in Anspruch. Im September reihte sich die „ 5. British and Irish Film Season“ an das 7. CinEast, welches sich mit der 37. Ausgabe des Festivals von Villerupt überschnitt. Nach den „Halloween Specials“ schloss das 4. „Brazilian Film Festival“ den Festival-Wahnsinn im November ab.
Daneben warben die bekannten Filmzyklen „Ciné-Club Hellénique“, „Cycle Catalan“, „Cine Breakfasts“, „Jeugd en Film“, „Film and Popular Culture“, „Movie Days“ und „Cinéma du Sud“ auch für Kundschaft. Daneben waren die Events „Ladie’s Night“ nur für Damen reserviert oder „Burgers, Beer and Blockbusters“ nur für hartgesottene Männer. Neu waren die Zyklen „Asian Masterpieces“, „Indian Masterpieces“ und „Bollywood Movies“.
Seit ewigen Zeiten wird an dieser Stelle kritisiert, dass fast alle Festival-Filme nur ein einziges Mal gezeigt werden, was das Filmegucken für jeden Filmfan zur Qual macht. Aber das scheint definitiv niemanden zu interessieren.
Noch ein „Filmpräis“ für Herrn Hublot
Im Rahmen des Discovery Zone Film Festival, das dieses Jahr in Luxembourg City Film Festival umbenannt wird, fand die Vergabe des 6. „Lëtzebuerger Filmpräis“ statt. Nach amerikanischem Vorbild stimmten erstmals die Mitglieder der jungen Luxemburger Filmakademie über die Sieger ab. Die Filmakademie setzt sich aus den Filmschaffenden des Landes wie auch den Vertretern der luxemburgischen Fachpresse.
Am 7. März hatte sich die Luxemburger Filmwelt im „GoodBye Monopol 2“ versammelt und feierte nicht nur den Oscar, sondern auch den „Filmpräis“ für „Mr. Hublot“ als bester Animationskurzfilm. Der große Gewinner des Abends war „Doudege Wénkel“ von Christophe Wagner. Die Produktion wurde als bester Film ausgezeichnet und Jules Werner für seine schauspielerische Leistung im Film. Darüber hinaus gab es den Preis für die beste technische Leistung für Kameramann Jako Raybaut.
Etliche Gäste
Im Januar stellte Regisseur Edgar Reitz sein 225-minütiges Epos „Die andere Heimat“ im „Utopia“ vor. Während des Discovery Festivals besuchten u. a. Clémence Poésy, Kate O’Toole, Luc Dardenne, Michel Gondry das Großherzogtum. Luxemburg gewinnt seinen ersten Oscar für „Mr. Hublot“, Jean-Marc Barr und Daisy Bevan das Land. Die finnische Schauspielerin Kati Outinen war Gast in der Kufa zusammen mit Regisseur Viktor Taus bei der Premiere von „Clownwise“. Im Rahmen des Festivals von Villerupt war Carlo Verdone für einen Abend Gast in einem überfüllten „Utopia“. Des Weiteren stellten sich Moritz Bleibtreu und Jürgen Prochnow der Presse während ihren Dreharbeiten in Luxemburg.
Neues Kino
Und Luxemburgs Kinolandschaft bekam Zuwachs. Im Merscher Lycée Ermesinde wurde am 1. Oktober das „Ciné Ermesinde“ eröffnet. Das filmische Angebot war 2014 wie immer vielfältig, aber mit den Festivals am laufenden Band ab September verging einem die Lust auf große Leinwandbilder. Vielleicht lesen endlich die betroffenen Festival-Leiter diese Zeilen, reden miteinander und versuchen ihre Festivals so zu verteilen, dass man vermeidet, dass binnen 60 Tagen 136 neue Filme anlaufen!




