WILTZ
SVEN WOHL

Die Ardennenstadt Wiltz bietet mit „Welubi“ seit etwas mehr als einem Jahr eine kleine, aber feine Bibliothek mit einzigartigem Konzept

Wiltz kriegt den Aufwind immer mehr zu spüren. Das merkt man in der luxemburgischen Hauptstadt der Ardennen nicht nur daran, dass ein neues Viertel entstehen und gleichzeitig auch die Kreislaufwirtschaft in den Fokus der Stadt im Norden rücken soll. Es ist auch anhand konkreter Projekte auszumachen, die bereits umgesetzt sind. Im November 2017 öffneten sich die Türen der Wiltzer Bibliothek mit dem Namen „Welubi“.

Verspieltes Alleinstellungsmerkmal

Was diese Bibliothek von anderen unterscheidet lässt sich gleich am Namen festmachen. Die Ludo-Bibliothek setzt einen Akzent auf Brett- und andere Gesellschaftsspiele, die unter anderem bei den jüngeren Generationen eine wachsende Beliebtheit genießen. „Bei der jüngeren Generation sind nicht nur Computerspiele beliebt. Wir haben auch vor, in Zukunft Spielabende zu organisieren“, erzählt Maisy Berscheid. Die frühere Bibliothekarin des „Lycée du Nord“ weiß, dass viele Wiltzer sich in der Bibliothek von Bastnach Gesellschaftsspiele ausleihen. Da in der ASBL, welche hinter der Bibliothek steht, mit Claude Weber eine Person zu finden ist, die sich mit Gesellschaftsspielen und den Neuheiten auf diesem Gebiet auskennt, hat man sich entschlossen, dies zum Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.

Da trifft es sich gut, dass der Weg zur Bibliothek für die Wiltzer nicht zu beschwerlich ist: Sie befindet sich im früheren CFL Bahnhofgebäude, das von der Gemeinde übernommen wurde und nun ihre neue Bestimmung gefunden hat. „Der Wiltzer Bahnhof ist gut ans Verkehrsnetz angebunden und liegt sehr zentral“, begründet Maisy Berscheid die Wahl des Gebäudes. Tatsächlich liegt das Gebäude zwischen den beiden Hauptteilen der Stadt, Ober- und Niederwiltz. Zudem passieren hier zahlreiche Busse, sowohl aus der Stadt wie auch aus den umliegenden Gemeinden.

Wer das Gebäude von vor einigen Jahren noch kennt, erinnert sich, dass es ziemlich heruntergekommen ausgesehen hat. „Bei einer ersten Besichtigung waren wir schockiert“, gab die ASBL-Präsidentin zu. „Nachdem einige Wände eingerissen wurden und ein Plan ausgearbeitet war, erkannten wir aber, dass sich hier etwas machen lässt!“ Der Umbau wurde von der Gemeinde Wiltz finanziert und auch der neue Eingang, mitsamt Treppe wurde so errichtet.

In den renovierten Räumen dieser ehemaligen Wohnung sind neben einer bunten Kinderecke insgesamt über 7.000 Bücher zu finden. Das Angebot der Bibliothek könnte vielfältiger kaum sein: Deutsch, Französisch und Luxemburgisch stellen den Hauptbestand dar. „Auch die Nachfrage bei englischen Büchern, vor allem im Bereich der Jugend- und Spannungsliteratur, ist vor allem bei der Jugend groß“, stellt sie fest. Am Angebot portugiesischer Literatur wird noch gearbeitet, während die vorhandene serbo-kroatische und holländische Literatur zusätzliche Bedürfnisse der multi-kulti Bevölkerung der Ardennergemeinde befriedigt. Mit holländischer Literatur kennt sich die Präsidentin der ASBL gut aus. Leider schrumpft der Teil der Bevölkerung, welcher sich dafür begeistern kann. Das Luxemburgische kommt dabei nicht zu kurz: Vor allem die Lernbücher kommen gut an, auch, weil direkt gegenüber im „Centre Oasis“, welches von der Caritas betrieben wird, luxemburgische Sprachkurse angeboten werden. Die luxemburgische Literatur als solche stößt zurzeit noch auf wenig Gegenliebe, auch wenn man sich sicher ist, dass sich dies ändern wird, sobald man sie mehr bewirbt.

Klare Zukunftsvisionen

Mit 200 eingetragenen Lesern und einer Buchzirkulation von 40 bis 50 Büchern am Nachmittag zeigt man sich zufrieden mit dem, was bisher erreicht wurde. Von Beginn an garantiert war der Erfolg nicht. „Es ist schwierig zu sagen, ob es vor der Gründung eine große Nachfrage gab. Aber es kommen immer mehr Menschen zu uns“, erzählt sie und berichtet auch, dass zahlreiche Passagiere, die auf ihren nächsten Zug oder Bus warten, in die Bibliothek kommen, um dort etwas zu lesen. Ansonsten freut man sich auch über die vielen Kinder, die sich bereits mit der Bibliothek vertraut machten. Das liegt an den drei „Maisons Relais“ und an den Kinderkrippen, die in Wiltz sind und immer wieder einen Besuch abstatten. Dadurch erfahren dann auch die Eltern von der Bibliothek.

Für die Zukunft hat man auch bereits Projekte: So wird gerade der Speicher des Gebäudes umgebaut, um dort einen Saal für Events wie Lesungen zu haben. Dabei will man mit anderen in Wiltz bereits existierenden Institutionen, wie der „Cooperations ASBL“, zusammenarbeiten. Neben diesem Projekt erhofft man sich auch Unterstützung vom Kulturministerium. Bisher war es nämlich vor allem die Gemeinde Wiltz, die das Projekt unterstützt und ermöglicht hat. Geleitet wird die Bibliothek von Nathalie Jansen.