VITORIA-GASTEIZ (SPANIEN)
GASTON FREYMANN

Schon gefahren: Fahrvorstellung des neuen Mercedes Benz Vito im Baskenland

Wie fährt sich die Neuauflage des Mercedes-Benz Vito, wie unterscheiden sich Vorderrad- und Hinterradantrieb in der Praxis auf der Straße? Damit sich die Fachpresse eine Meinung bilden konnte, hatte der Autobauer aus Stuttgart ins Vito-Werk nach Vitoria-Gasteiz, im spanischen Baskenland eingeladen. Die 250.000 Einwohner zählende Stadt, die eine hohe Lebensqualität bietet, wurde 2012 als „European Green Capital“ ausgezeichnet.

Gefahren wurden, der Vito 109 CDI Kastenwagen mit Frontantrieb und einem Sechsgang-Schaltgetriebe mit einer Nennleistung von 88PS (65kW) als auch der 163 PS (120kW) starke Vito Tourer PRO 116 CDI gepaart mit dem Siebengang-Automatikgetriebe.

Die Allradantrieb-Variante stand allerdings nicht zur Verfügung. Damit müsse man sich noch bis zum Jahresende gedulden, hieß es seitens des Werkdirektors während der Besichtigung der hoch modernen Montagehallen.

Mit dem Vito, dem kleineren Bruder des Sprinter, den es in den Ausführungen Kastenwagen, Mixto und dem Tourer gibt bringt Mercedes einen Mid-size-Van auf den Markt, der eine Lösung bietet vom Handwerker bis zum Taxiunternehmer. Es gibt ihn mit zwei verschiedenen Radständen, den drei Längen 4.875, 5.140 und 5.370 mm und vier Gewichtsvarianten.

Sorgfältige Verarbeitung

Der neue Vito gibt ein klares Bild: Robuste unlackierte Stoßfänger vorne und hinten, Karosseriekanten gut geschützt, hoch sitzende Scheinwerfer und Rückleuchten liegen außerhalb der Gefahrenzone.

Der Einstieg ist niedrig, was vor allem als ein Plus im Bereich des Zustellerdienstes angesehen werden muss. Der dreifach verstellbare Fahrersitz ergibt eine passende Sitzposition für alle Körpergrößen, bequem, aber nicht weich. Die hohe Lehne vermittelt festen Seitenhalt. Sachlich, aufgeräumt und funktional wirkt das Interieur. Die Bedienungselemente sind sinnvoll aufgeteilt. Das breite Fenster in der Trennwand gibt einen perfekten Blick nach hinten durch den Innenspiegel - die große Heckscheibe für die Sicht auf den nachfolgenden Verkehr ist komplett im Blick. Die vielfältigen Türfächer nehmen zahlreiche Ablagen, Getränke und andere Dinge auf.

Für Kurz-und Mittelstrecken geeignet

Für den Rückweg vom Vito-Werk zum Flughafen Bilbao bot sich die Gelegenheit den Vito 109 CDI Kastenwagen zu fahren. Ein komplett neues Auto in der Vito-Familie sinnvoll ergänzt, mit Frontantrieb und dem dezent im Hintergrund arbeitenden neuen kompakten OM 622 Dieselaggregat mit 1,6 l Hubraum, hier in der Variante mit 84 kW (114 PS) und 270 Nm Drehmoment. Er arbeitet sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Drehzahlen laufruhig und leise. Mercedes-Benz koppelt den Motor serienmäßig mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe.

Der Kastenwagen - hier mit einer Vierteltonne Ballast beladen - liegt gleichermaßen sicher und komfortabel auf der Straße. Laut Hersteller, läuft dieser Vito 168 km/h schnell, was bedingt durch die strikten Geschwindigkeitsbegrenzungen, meist auf 100km/h heruntergeschraubt, nicht festgestellt werden konnte.

Sein eigentliches Metier aber sind Kurz- und Mittelstrecken. Die elektromechanische Lenkung des Vito arbeitet betont ruhig, bei niedrigen Geschwindigkeiten sogar rangierfreundlich leichtgängig. Durch seinen kurzen Wendekreis und seine Handlichkeit ist der neue Vito das geeignete Auto für den Zustellerdienst - sei es in der Stadt oder im ländlichen Raum.

Biss und Leistungsfähigkeit

Mit den beiden Worten Biss und Leistungsfähigkeit kann man den Vito in der Tourer PRO 116 CDI-Version mit Hinterradantrieb und Wandler-Automatikgetriebe beschreiben. Unter der Motorhaube verrichtet in diesem Fall der Mercedes-Benz OM 651 mit 2,15 l Hubraum seine Arbeit, hier in der mittleren Leistungsstufe mit 120 kW (163 PS) und 380 Nm Drehmoment. Die Automatik schaltet schnell und passt sich den Wünschen des Fahrers geschmeidig an.

Der einzige Unterschied im Cockpit des Vito Tourer zum Vito Kastenwagen ist der Wählhebel des Automatikgetriebes, der als Lenkstockhebel ausgebildet ist. Dadurch wird die Mittelkonsole freigehalten und erleichtert obendrein den Durchstieg in den Fond des Tourer mit variabler Sitzeinrichtung. Der Fahrgastraum ist freundlich-sachlich ausgestattet. Auch Passagiere profitieren von einem guten Sitzkomfort.

Zahlreiche Sicherheitssysteme gibt es serienmäßig oder optionell. Damit verhilft der neue Vito auch seinen Fahrer zu einer defensiven Fahrweise.