COLETTE MART

Am 24. Oktober 1945, also vor 70 Jahren, trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft. Sie reflektiert die Bemühungen der damaligen Weltgemeinschaft, Katastrophen wie jene des Ersten und des Zweiten Weltkriegs zu verhindern, dem Weltfrieden zuzuarbeiten und einen demokratischen Dialog zwischen allen Ländern der Welt zu institutionalisieren.

Die Schaffung der UNO, und die damit verbundenen humanitären Anliegen zur Reduzierung der Armut und Förderung der Bildung für alle Menschen, registriert seit 1945 spektakuläre Erfolge, konnte allerdings zahlreiche humanitäre Dramen der Nachkriegszeit trotzdem nicht verhindern. Die wichtige Errungenschaft der UNO ist die Einführung eines Konzeptes der Zusammenarbeit für die ganze Menschheit, mit Augenmerk auf den Frieden, auf die Rechte der Schwächeren und Armen, sowie allgemein auf die Menschenrechte. Innerhalb der UNO hat jedes Land eine Stimme, die Länder der Dritten Welt reden und entscheiden mit, können ihre Sorgen einbringen, und dank der Programme der UNO konnte die Armut reduziert, sowie der Zugang zur Bildung, zu sauberem Wasser und auch zu mehr Gleichheit von Jungen und Mädchen substanziell verbessert werden.

Die Bemühungen der UNESCO zum Schutz wichtiger Kulturstätten der Welt sind darüber hinaus ein unschätzbarer Ansatz zur Völkerverständigung. Durch den Schutz von Kulturstätten weltweit wurde das Bewusstsein für eine Kultur der Menschheit geschaffen, für den Beitrag aller Völker zum Fortschritt auf dem Planeten, und auch die Sensibilität für kulturelle Errungenschaften geschärft. Ohne die jahrzehntelangen Bemühungen der UNESCO in diesem Sinne wäre es nicht vorstellbar gewesen, dass sich die ganze Weltöffentlichkeit über die Zerstörung von Kulturdenkmälern durch den IS empörte. Stellt man die Schaffung der UNO in den Kontext des Jahres 1945, ist sie eine bemerkenswerter Erfolg innerhalb einer vom zwei Weltkriegen erschütterten Weltgemeinschaft, in der sich die Verluste von Menschen, die Zerstörung von Infrastrukturen und Landschaften durch zahlreiche Länder der Welt zogen. Die alliierten antifaschistischen Kräfte der damaligen Welt wurden zum entscheidenden Motor der Schaffung der UNO. Durch die Werte, die die Vereinten Nationen in der Weltöffentlichkeit verankerten, schufen sie die geistige Grundlage für die Dekolonisation, die allerdings erst in den 1960ern umgesetzt werden konnte, ohne dass die damit verbundenen Probleme des Dialogs zwischen der Ersten und der Dritten Welt innerhalb der UNO schnell zu lösen gewesen wären. Der Kalte Krieg, der Ost-West-Konflikt, sowie das Nord-Süd-Gefälle offenbarten sich dann auch als die wichtigsten Herausforderungen für die UNO, die nicht wirklich wirksam in regionale Konflikte oder etwa in verheerende Diktaturen eingreifen konnte.

Das Massaker von Srebrenica, der Völkermord in Rwanda, die Diktatur eines Pol Pot in Kambodscha, die Zerstörung Syriens, sowie die erschreckenden Menschrechtsverletzungen in China sind nur einige Beispiele dafür, wie schwierig es ist, trotz guter Absichten und demokratischer Werte die Menschen allgemein in der Welt zu schützen.