LUXEMBURG
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Ärzte ohne Grenzen griff 2018 in 74 Ländern weltweit ein -

Auch 2018 war ein Jahr, „das leider von vielen Problemen markiert war“. Mit diesen Worten hat Dr. Guy Berchem, Präsident der medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF) am Donnerstag auf das Jahr 2018 zurückgeschaut. Im Laufe des vergangenen Jahres waren die Helfer der Organisation in 74 Ländern aktiv, haben 446 medizinische und humanitäre Projekte und nicht weniger als 11,2 Millionen medizinische Konsultationen durchgeführt. Mehr als 750.000 kranke, verletzte oder schwangere Personen wurden in Krankenhäusern behandelt. So etwa im Jemen, wo seit 2015 Krieg herrscht und laut Angaben von MSF ein Drittel der Bombardierungen zivile Ziele - Schulen, Märkte, Krankenhäuser - visieren. „Indirekte Opfer werden zu direkten Opfern“, sagt der Generaldirektor der luxemburgischen MSF-Sektion, Paul Delaunois. Fast eine Million Patienten - Delaunois spricht von einer enormen Zahl - wurden in den Notaufnahmen der von MSF betriebenen oder unterstützten Einrichtungen aufgenommen. Hilfsgüter in das Land hinein zu bekommen werde derweil immer schwieriger, viele öffentliche Infrastrukturen seien zerstört.

Besorgniserregende Entwicklungin der Flüchtlingspolitik

Für die eine Million geflüchteten Rohingya, die im Distrikt Cox’s Bazar in Bangladesch Zuflucht gefunden haben, dort aber unter prekären Bedingungen leben, gebe es indes nach zwei Jahren immer noch keine Lösung. „Wir brauchen eine politische Lösung“, fordert Delaunois. Eine Folge der derzeitigen Situation: In den Flüchtlingslagern sind Frauen vor sexueller Gewalt nicht sicher. Zwischen August 2017 und Dezember 2018 wurden rund 35.400 Schwangere medizinisch untersucht. Besorgt äußert sich Delaunois mit Blick auf das Vorgehen gegen Rettungsaktionen von NGOs im Mittelmeer. Humanitäre Hilfe zu leisten sei im vergangenen Jahr zu einem Verbrechen geworden, so Delaunois mit Blick auf die italienische Regierung. Ende 2018 seien MSF und SOS Méditerranée nichts anderes übrig geblieben, als den Rettungseinsätzen der Aquarius ein Ende zu setzen. Könnten solche politischen Entwicklungen, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar waren, nicht umgekehrt werden, könnte das in Zukunft zu einer gefährlichen Werteverschiebung führen. Einblick in die Finanzen gaben die MSF-Verantwortlichen gestern ebenfalls. Um seine Unabhängigkeit zu bewahren, fragt die Hilfsorganisation keine Unterstützung bei Ministerien an und setzt auf private Spenden. 2018 erhielt die Organisation noch einmal deutlich mehr Spenden als im Vorjahr. Einzelne Spender und private Organisationen unterstützten die Arbeit von MSF demnach im vergangenen Jahr mit 7,58 Millionen Euro. 2017 beliefen sich die privaten Spenden noch auf 6,5 Millionen.


Den vollständigen Bericht gibt es

unter ra2018.msf.lu