ETTELBRÜCKGERHARD KLUTH

Händels Oper „Rinaldo“ im CAPe

Mit der Oper Rinaldo gab Georg Friedrich Händel gewissermaßen seinen Einstand als Opernkomponist in London. Er war zwar gerade erst in Hannover zum Kapellmeister am Hofe des Kurfürsten ernannt worden, aber das interessierte ihn offenbar nicht. Die britische Hauptstadt hatte es ihm angetan. Und Rinaldo wurde ein großer Erfolg. Zu Händels Lebzeiten gab es mehr als 50 Aufführungen dieser dramatischen Liebesgeschichte eines Kreuzfahrers am Ende des 11. Jahrhunderts. In Ettelbrück gelangte das HWV 7 im Rahmen der „b-days“ auf die Bühne. Verantwortlich zeichneten hierfür Claude Mangen (Regie und Dramaturgie) und Jean Halsdorf als Leiter des Ensemble de la Chapelle Saint-Marc. Ein wenig konnte man den Stolz in Ettelbrück darüber verspüren, das dieses berühmte Werk, das Händel in nur 14 Tagen zu Papier gebracht hatte, im CAPe zur Aufführung kam. Dazu auch noch in einer rein luxemburgischen Besetzung.

Hohe Erwartungen

Die „b-days“ wurden von einem Konzert mit Jordi Savall eröffnet (das Journal berichtete), wodurch die Latte der Erwartungen sehr hoch lag. Das größte Kompliment musste man nach der Aufführung dem Orchester machen. Jean Halsdorf legte großen Wert auf eine sehr schlanke Interpretation, dem die Musiker mit ihren teilweise historischen Instrumenten problemlos folgen konnten. Besondere Anerkennung verdienten sich dabei die Bläser, allen voran die Oboisten Joseba Berrocal und Katy Elkin. Und auch das Trompetenquartett Heather Madeira Ni, Simone Telandro, Juan Ullibarri und Laurent Bauvin konnten mit ihren ventillosen Naturinstrumenten beeindrucken. Schon bei der Ouvertüre zeigte das Ensemble mit seinem nahezu vibratolosen Spiel, dass es sich an der historisch informierten Aufführungspraxis des Barock orientierte. Lediglich bei den Rezitativen kam es gelegentlich zu einigen kleineren Unstimmigkeiten.

Das Bühnenbild von Julie Conrad war ebenso einfach wie beeindruckend. Vor der Fassade eines Hauses hatte Conrad einige bewegliche Elemente aufgestellt, mit denen sich die Jerusalemer Klagemauer ebenso darstellen ließ wie (umgelegt) die Felsenhöhle der Zauberin Armida. Mit sehr wenigen Mitteln wurde hier sehr viel erreicht. Etwas befremdlich waren die Kostüme aus der Hand von Laurie Lamborelle. Hier gab es nichts Historisches. So erweckte Rémi Muller als König von Jerusalem mit seinen gekreuzten Schulterbändern, die er wie Patronengurte trug, den Eindruck eines südamerikanischen Drogenbarons. Almirena Véronique Nosbaum erschien in Hotpants und Schaftstiefeln und Mariette Lentz als Zauberin im Mini und mit Schuhen, deren Absätze schon fast waffenscheinpflichtig waren. Überhaupt lag während der ganzen Aufführung ein gewisser, manchmal überdeutlicher Hauch von Erotik über der Bühne.

Deutlicher Bruch

Den Akteuren auf der Bühne konnte man leider die Komplimente, die dem Orchester zustanden, nicht machen. Freilich, Nosbaum und Lentz (beide Sopran) konnten mit großen Stimmen strahlen und auch Countertenor Seung-Ho Choi in der Titelpartie konnte beeindrucken, wenngleich der Bruch zwischen Kopf- und Bruststimme etwas zu deutlich war. Von Mezzosopranistin Monique Simon als Goffredo, Bariton Muller und Bariton Andy Loor als Herold hätte man eine klarere Darstellung ihrer Rollen gewünscht. Zu vieles war nicht gut durchhörbar. Für Mezzosopranistin Manou Walesch lag die Partie des Eustazio, von Händel eigentlich mit einem Alt besetzt, schlichtweg zu tief. Allen aber war eines gemeinsam. Sie überzogen ihrer Rollen mit einem Vibrato, das zum einen nichts mit barocker Aufführungspraxis zu tun hat, zum anderen der Komposition nicht dienlich war. Wenn Koloraturen, also sehr bewegte Passagen, auch noch mit einem intensiven Beben der Stimme versehen werden, bleibt von Deutlichkeit und Verständlichkeit nichts mehr übrig. In der romantischen Oper mag dies angehen. Im Barock wird durch diesen Effekt der vom Komponisten gewünschte Affekt zerstört. Das Publikum im gut halbbesetzten CAPe würdigte diese erste von insgesamt drei Aufführungen mit herzlichem Applaus.