LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Bus, Bahn und Tram können bereits am Samstag kostenlos genutzt werden - Minister Bausch: öffentlicher Transport muss attraktiver werden

Bereits ab dem morgigen Samstag können Bus, Bahn und Zug im Großherzogtum kostenlos genutzt werden. Die Einführung des ticketlosen öffentlichen Personennahverkehrs wird an diesem Tag mit - wie sollte es auch anders sein - Gratiskonzerten im „Neien Tramsschapp“ gefeiert. Allerdings machte Mobilitätsminister François Bausch (déi gréng) gestern erneut klar, dass der öffentliche Nahverkehr in Zukunft noch attraktiver werden und es zu gleich mehreren Paradigmenwechseln kommen müsse.

Die Einführung des ticketlosen öffentlichen Transports sei „ein großer Tag“, so Bausch gestern vor knapp 70 Medienvertretern, die sich zu einer mit Musik- und Tanzeinlagen aufpolierten Pressekonferenz angemeldet hatten. Luxemburg soll demnach ein Mobilitätslabor werden.

41 Millionen Euro kostet diese Maßnahme den Steuerzahler und ihr Ziel habe laut Bausch vor allem darin bestanden, Aufmerksamkeit zu erzeugen und über den öffentlichen Transport zu diskutieren. Angesichts des Bevölkerungswachstums und des Pendlerzustroms „müssen wir mehr als irgendein anderes Land in Europa eine Verkehrswende hinbekommen“, so Bausch.

Fahrplan dafür ist die MoDu 2.0-Strategie für nachhaltige Mobilität, die unter anderem auf eine Verringerung des Individualverkehrs und einen attraktiveren öffentlichen Transport setzt. „Wir brauchen eine Strategie, um die Leute fortzubewegen“, so Bausch. Das erfordere ein Überdenken der Infrastrukturen. Der Grünen-Minister kündigte bei dieser Gelegenheit auch für 2022 ein Konzept an, das zeigen soll, was nach 2025, wenn viele der heutigen Baustellen abgeschlossen sein werden, mit Blick auf 2035 noch alles geschehen muss.

Massive Investitionen

Am „Unterbau“ dieser mobilitätspolitischen „Kirsche“ wird derweil massiv gebaut. Auf rund vier Milliarden Euro belaufen sich allein die Investitionen zwischen 2018 und 2027 in das Schienennetz - ohne Tram. Bereits im davorliegenden Zeitraum waren es 2,1 Milliarden Euro. Der Ausbau der Fahrradwegeinfrastruktur und der Park&Ride-Parkplätze oder die Neuaufstellung des Busnetzes sind weitere Elemente in dieser Strategie. Innerhalb der Landesgrenzen sollen die Park&Ride-Parkplätze von heute 13.000 auf 26.600 im Jahr 2025 wachsen. Jenseits der Grenze steht ein Kapazitätszuwachs von 4.100 auf 8.300 in Aussicht.

Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer (DP) erwartet sich durch die kostenlos nutzbaren öffentlichen Verkehrsmittel einen Bewusstseinswandel und in der Folge eine stärkere Nutzung von Bus, Tram und Zug. Die Stadt Luxemburg repräsentiere ein Prozent der Landesfläche, aber fast 20 Prozent der Einwohner und 40 Prozent der Arbeitsplätze des Großherzogtums. Letztendlich ginge es um eine Frage der Lebensqualität.

www.mobilitegratuite.lu

Transportgewerkschaften bleiben skeptisch - „déi gréng“ waren anfangs auch nicht begeistert

(Fast) Alle sind zufrieden

Nur noch einmal schlafen gehen, dann kann man in ganz Luxemburg kostenlos mit Bus, Bahn und Tram fahren, was nicht nur die Benutzer, sondern auch die politischen Parteien erfreuen dürfte, die sich in ihren Wahlprogrammen nahezu alle für einen kostenlosen öffentlichen Transport ausgesprochen hatten.
Eher reserviert standen der Idee des kostenlosen öffentlichen Transports im Wahljahr 2018 allerdings ausgerechnet „déi gréng“ gegenüber, die sich in ihrem Wahlprogramm dafür aussprachen, das Jahresabo im öffentlichen Transport so zu gestalten, dass es die Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel zum Preis von einem Euro pro Tag erlaube. Der kostenfreie öffentliche Transport solle dann mittelfristig anvisiert werden. Viel wichtiger sei, so der damalige - und heutige - grüne Transportminister François Bausch, dass weiter in die Infrastruktur, ins Rollmaterial, in die Pünktlichkeit und die Informationen an die Leute investiert werde. Erst wenn das erreicht sei, könne man an den Nulltarif denken.
Ausdrücklich für den kostenlosen öffentlichen Transport sprachen sich vor den letzten Legislativwahlen die DP, die adr, „déi Lénk“, die Piraten und die KPL aus, derweil die LSAP für eine mittelfristige Einführung des gratis öffentlichen Transports plädierte, müsse man doch dafür sorgen, dass das vorhandene Angebot entsprechend ausgebaut und verbessert werde. Die CSV drückte sich ihrerseits in ihrem Wahlprogramm eher schwammig aus und schlug lediglich eine neue Mobilitätsoffensive - „mobil offensiv“ - vor, mit der Bus, Bahn, Tram und Individualverkehr visiert waren.
Skeptisch bleibt indes die Transportgewerkschaft Syprolux, sei man auf infrastruktureller und operationeller Ebene doch noch nicht bereit, wie Syprolux-Präsidentin Mylène Bianchy sich dieser Tage gegenüber unseren Kollegen von RTL ausdrückte. Der Landesverband ist ebenfalls der Meinung, dass das Land noch nicht auf den kostenlosen öffentlichen Transport vorbereitet sei und die Rahmenbedingungen nicht stimmen würden. st.
Über Fahrscheine, Automaten und Zugpersonal

5 Fragen, 5 Antworten

Was ist mit den Fahrscheinen für die 1. Klasse? Sind die auch Gratis oder gibt es Rabatte?
Nein, die unterschiedlichen Zugklassen (1. Klasse und 2. Klasse) werden beibehalten. Ziel ist es laut Mobilitätsministerium, einem Großteil der 1. Klasse-Kunden weiterhin den gewünschten Service zu bieten. Die 1. Klasse wird nach wie vor kostenpflichtig sein (aktueller Jahrestarif bei 660 Euro, also 75 Euro pro Monat) und die Infrastruktur, also die Einteilung der Wagen, wird beibehalten. Dies gilt auch für grenzübergreifende Abonnemente.

Ich habe noch Fahrscheine, bekomme ich die rückerstattet?

Die Rückerstattung nicht gebrauchter Fahrscheine ist nicht vorgesehen.

Was passiert eigentlich mit den Ticketautomaten?

Die Verkaufsautomaten / Entwertungsgeräte auf den Zugbahnsteigen bleiben erhalten und das Angebot wird ausgebaut. Die bisher aufgebauten Automaten der Tramlinie werden ab Mitte März abgebaut.

Kann ich meine mKaart also entsorgen?
Am besten nicht. Fahrscheine für die 1. Klasse sowie Zug- und Busfahrten im Grenzgebiet können weiter über die mKaart bezahlt werden. Dazu kommen Verkehrsdienstleistungen wie der Zugang zum P+R Belval und allen anderen zukünftigen P+R, die mBox (gesicherte Fahrradboxen) und die elektrischen Ladestationen Chargy für Elektroautos. Des Weiteren gilt die mKaart für das Carsharingangebot der Bahn Flex, sowie das Fahrradleihsystem Vël’OK im Süden des Landes.

Es braucht in den Zügen also kein Begleitpersonal mehr?
Der Aufgabenbereich des Begleitpersonals in den Zügen und des Führungspersonals werde, hinsichtlich der Ordnung und Sicherheit in den Zügen, Trams und Bussen, angepasst und erweitert, um einen verbesserten Service und Informationsfluss zu garantieren, schreibt das Mobilitätsministerium. Das gelte auch für das Personal, welches im Verkauf tätig ist. Im Hauptbahnhof in Luxemburg-Stadt sowie Esch/Belval werden weiterhin Tickets an den CFL-Schaltern verkauft. Acht kleinere Verkaufsstellen der Bahn werden geschlossen, zwei weitere jeweils durch Drittanbieter betrieben. Wenn der Schalter in einem Bahnhof wegfällt, steht ein CFL-Mitarbeiter beratend zur Verfügung. LJ
Wie der kostenlose öffentliche Transport die Grenzgänger betrifft

Grenzüberschreitende Erleichterung

Auch nach Einführung des kostenlosen öffentlichen Transports in Luxemburg werden die grenzüberschreitenden Zug- und Busverbindungen zahlungspflichtig bleiben, allerdings wurden die Tarife nach unten revidiert.
Bei den Bussen ist das relativ simpel. Hier gibt es je nach Entfernung von Luxemburg zwei verschiedene Regio-Zonen. Hier gilt ab Sonntag für ein Zwei-Stunden-Ticket ein Tarif von drei statt wie bisher fünf Euro. Ein Tagesbillet ist indes für fünf statt für neun Euro zu haben. Entscheidet sich der Reisende für ein Monatsabo in der RegioZone 1, muss er künftig 40 statt 85 Euro zahlen und für ein Jahresabo 360 statt 750 Euro.
Reist man in RegioZone2, so schlägt das Zwei-Stunden-Ticket mit fünf statt neun Euro zu Buche, das Tagesticket mit neun statt 16 Euro.
Das Monatsabo kostet ab dem 1. März 85 statt 135 Euro und das Jahres-Abo 750 statt 1.190 Euro.
Der Preis für den „Studentepass Regio“ bleibt indes bei 130 Euro/Jahr für die RegioZone 1 und bei 200 Euro für die RegioZone 2. Für manche Grenzgänger droht die Reise allerdings etwas teurer zu werden denn: Der RegioZone-Tarif wird vom 1. März an ab dem Grenzübergang fällig, auch wenn der Grenzort auf sehr kurzer Distanz zu Luxemburg liegt. Bislang fielen die Haltestellen in Grenznähe bereits in die nationale Zone.
Komplexer sind die neuen Tarife bei den Zugreisen, aber auch hier gibt es Erleichterungen. Ein Hin- und Zurück-Ticket Luxemburg-Trier kostet so fortan fünf statt 9,6 Euro. Ein „Oekocard“-Monats-Abo auf der gleichen Strecke in zweiter Klasse schlägt mit 49 statt wie bisher 85 Euro zu Buche. Aufs Jahr bezogen sinkt der Abopreis von heute 850 auf 490 Euro ab. In Absprache mit der belgischen Eisenbahngesellschaft muss ein Passagier zwischen Arlon und Luxemburg künftig monatlich 53 Euro zahlen statt 80 heute.
Einige Tarifbeispiele für die Verbindungen nach Frankreich ab Sonntag: Wer zwischen Metz und Bettemburg pendelt, muss künftig monatlich 100,5 Euro berappen gegenüber 143 heute (Abo „Presto“). Für die „Primo“-Abonnenten (unter 26) ändert sich nichts: der Preis bleibt bei 62,6 Euro.
Auf der Strecke Longwy-Rodange kostet das Monatsticket künftig 23,9 Euro. LJ