SANAA
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Der Jemen ächzt nach fünf Jahren Krieg

Sanaa Als die Luftwaffe Saudi-Arabiens im März 2015 erste Ziele im Jemen bombardierte, hieß es aus Riad vollmundig, der Krieg im Nachbarland würde voraussichtlich nur einige Wochen dauern. Die Huthi-Milizen, die das Chaos der arabischen Aufstände ausgenutzt und den Norden samt der Hauptstadt Sanaa überrannt hatten, sollten vertrieben werden. Zügig und effektiv wollte das saudisch geführte Militärbündnis am Boden Fakten schaffen und den Iran zurückdrängen, der die Huthis mit Waffen und militärischer Ausbildung unterstützt.

Öffentliche Versorgung zusammengebrochen

Fünf Jahre später liegt der Jemen in Trümmern. Mehr als 80 Prozent der etwa 30 Millionen Einwohner sind auf Hilfe angewiesen. Während staatliche Einrichtungen angesichts der Machtkämpfe immer weiter zerfallen, ist die öffentliche Versorgung zusammengebrochen. Die Wirtschaft des ohnehin bitterarmen Landes ist am Boden. Bis Ende 2019 kamen nach UN-Schätzungen 233.000 Menschen durch die direkten und indirekten Ursachen des Krieges ums Leben, also bei Gefechten oder etwa wegen zu wenig Essen oder mangelnder Gesundheitsversorgung. Das Wasser ist knapp, Tausende sind an Cholera erkrankt.

Schleichend scheint sich die Weltgemeinschaft an den Kriegsalltag in dem Küstenstaat am Golf von Aden gewöhnt zu haben - trotz Warnungen der Vereinten Nationen, dass dort weiterhin die schwerste humanitäre Krise weltweit herrscht. Gefechte im Norden Syriens, die Waffenruhe in Libyen, das Leid der Flüchtlinge vor den Toren Europas und zuletzt die Corona-Krise dürften vom Bürgerkrieg im Jemen zuletzt abgelenkt haben. Dabei könnte das Virus das Land besonders hart treffen: Nur die Hälfte aller Krankenhäuser sind dort voll einsatzbereit. Dem Jemen droht dort erneut ein „tödlicher Showdown“, wie die Experten der International Crisis Group schreiben. Im Norden bahnt sich ein Kampf um die Provinz Marib an, wo sich Huthis und Kräfte der jemenitischen Regierung gegenüberstehen. In der Provinz leben 800.000 Menschen, die schon zuvor wegen Gefechten die Flucht ergriffen hatten. Die Experten warnen vor einem „enormen humanitären Desaster“. Landesweit gehen die UN heute von vier Millionen Vertriebenen aus.

Und es gibt keinerlei Anzeichen, dass der Konflikt auf absehbare Zeit ein Ende findet. Die Huthis - offiziell bekannt als Ansar Allah, die „Unterstützer Gottes“ - halten den Norden mit eisernem Griff. Ihre religiöse Ideologie setzten sie in ihrem Zwerg-Staat auf totalitäre Weise durch, schreibt das Sanaa Center for Strategic Studies.

Die Koalition zum Kampf gegen die Huthis ist unterdessen zerfasert. Der ins Exil geflohene Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi sei kaum noch in der Lage, eigentlich verbündete Gruppen im Land zusammenzuhalten, urteilte das UN-Expertengremium für den Jemen im Januar. Einige von ihnen folgten seinen Anweisungen, andere denen Saudi-Arabiens, andere wiederum denen der Vereinigten Arabischen Emirate. Diese waren mit den Saudis und weiteren arabischen Staaten in den Jemenkrieg eingestiegen, kündigten inzwischen aber den Abzug ihrer Truppen an. DPA/LJ