LUXEMBURG
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Covid-19-Krise: Die erste Etappe der Maßnahmenlockerung läuft - Wie sie auf dem Bau erlebt wurde

Es geht wieder betriebsamer zu im Ländchen, nachdem gestern Phase 1 der graduellen Aufhebung der Anti-Covid-Maßnahmen eingeläutet wurde. So durften wieder alle Bau-, Renovierungs-, Installations-, Wartungs- und Reparaturarbeiten im Zusammenhang mit dem Baugewerbe sowie die Aktivitäten von Gärtnern und Landschaftsgärtnern aufgenommen werden und Geschäfte, die vor allem Heimwerkerartikel verkaufen, die Recyclingcenter sowie die unterstützenden und psychosozialen Hilfsdienste im Bildungsbereich wieder öffnen - alles unter strikter Einhaltung der so genannten „Barrieregesten“. Die nächsten Etappe folgt am 4. Mai, wenn die Primaner wieder auf die Schulbank zurückkehren. Ab dem 11. Mai sollen die Kurse in den Lyzeen wieder anlaufen und ab dem 25. jene im „Fondamental“. Derweil sind alle größren Events bis zum 31. Juli abgesagt.

Graduell hochfahren

Wie lief der erste Arbeitstag auf den Baustellen nach einem Monat Stillstand? . „Wir sind jetzt bei rund 20 Prozent der Baustellen, die wiedereröffnet haben“, sagt Pol Faber vom „Groupement des Entrepreneurs du Bâtiment et des Travaux Publics“ „das ist schon gut. Ich bin zuversichtlich, dass wir bis Ende der Woche auf 90 Prozent kommen. Die Verzögerung liegt auch an den Sicherheitsplänen, die aufgestellt werden müssen. Der Kunde, auch wenn es der Staat ist, muss diese lesen. Das dauert. Ein wichtiges Zeichen ist: Heute waren 90 Prozent der Mitarbeiter präsent in jenen Unternehmen, mit denen ich gesprochen habe. Die Leute wollen arbeiten. Ein Grund: Kurzarbeitergeld ist natürlich geringer als der Lohn“. Bereits vor drei Wochen hat die FEDIL, der das „Groupement“ angegliedert ist, gemeinsam mit dem „Service de Santé au Travail de l´industrie“ (STI) die Wiederaufnahme der Aktivitäten auf den Baustellen geplant und dazu auch einen „Guide de bonne pratique“ erstellt.

Drei Wochen bis Vorkrisenniveau

Beim Unternehmen Costantini in Schifflingen trafen sich gestern die Leiter der Baustellen und Teams, um über die Regeln zu reden, die auf den Baustellen anzuwenden sind, und entsprechende Dokumente zu erhalten. Ein entscheidender Punkt dabei sind die Masken. Christophe Zauli, Administrateur bei Constantini, berichtet: „Wir haben schon vor drei Wochen 60.000 Masken bestellt. Bislang sind. 4.000 angekommen. Damit wir zwei pro Person und Mitarbeiter haben, brauchen wir im Monat 28.000 Masken.“ Damit die Baustellen funktionieren, erhielt Constantini am Montagmorgen 2.000 Masken vom Staat. Langfristig will Constantini seine Mitarbeiter mit je vier waschbaren Textilmasken ausstatten. „Diese Kosten waren in der Kalkulation bislang nicht vorgesehen“, bemerkt Zauli. Nicht alle der 450 Mitarbeiter können auf den rund 40 Baustellen im Land direkt loslegen. In einigen Gemeinden ist das auch gar nicht erwünscht. Deshalb starten erstmal rund zehn Baustellen, davon die Hälfte im Bau und die andere mit Zuarbeiten wie Straßen oder Tunnel. „Es wird drei Wochen dauern, bis wir das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht haben“, ist Zauli überzeugt. Auch bei CDCL aus Leudelingen wurde erstmal nur ein Teil der Baustellen aufgenommen. „Jeder Mitarbeiter erhält von unserem Verantwortlichen für Sicherheit und Gesundheit eine Sensibilisierung und Aufklärung zum Thema Covid-19, bevor er die Arbeit wieder aufnehmen darf. Wir statten jeden Mitarbeiter mit wiederverwertbaren und waschbaren Masken aus, auch um unnötigen Abfall zu vermeiden. Es wird jedoch eine Herausforderung sein, unsere Produktivität aufrecht zu erhalten und die Baustellen nicht verspätet fertig zu stellen“, sagt „Administrateur“ Max Didier.

Starker Kostenpunkt Putzarbeiten

Stugalux-Eigentümer Joël Schons ist froh, die Arbeit wieder aufnehmen zu können. Progressiv werden rund 320 Mitarbeiter nach und nach diese Woche auf die Baustellen zurück kehren. Für Schons sind Einwegmasken nicht die Lösung, obwohl er auch 50.000 davon bestellt hat. Er setzt vielmehr auf Mundschutz aus Stoff. Aber auch die verursachen Kosten, müssen die 400 bis 600 Masken doch täglich gewaschen werden. „Die Masken sind jedoch nur ein Bruchteil der Kosten. Viel teurer sind die Putzarbeiten von Lkw, Essensräumen, Containern, Werkzeug… Das entspricht sechs bis acht Prozent vom Baukostenpreis“, erläutert Joël Schons.