COLETTE MART

Spanien steht unter Schock, und mit unserem geliebten Urlaubsland ganz Europa. Dabei hatten die rezenten Meldungen um einen militärischen Sieg über den IS-Staat Hoffnung gemacht, die brutale Bewegung sei besiegt oder zerschlagen. Es gibt kein IS- Kalifat mehr im mittleren Osten, die eroberten Gebiete wurden vom Irak zurückgewonnen, Irak ist trotz zahlreicher Kriege und Zerrissenheiten ein Kulturland, und das beruhigt. Die letzten Attentate gegen Westeuropa liegen auch schon einige Monate zurück. Dies gab uns die Zeit, den Terror zu verdrängen, zu hoffen, dass der IS keinen Nährboden mehr findet, da eine Perspektive auf einen eigenen Staat verlorenging.

Nach dem Anschlag von Barcelona müssen wir erneut zugeben, dass das Problem Terrorismus tiefer sitzt, und dass ein Wunsch nach Macht hier von fundamental Machtlosen ausgeht, die es immer wieder geben wird und mit denen wir uns näher befassen müssen.

Wer in einem Lieferwagen sitzt und in friedliche Menschen, Familien mit Kindern rast, der hat jede Empathie für andere, jeden Bezug zu einem zivilisierten und rücksichtsvollen sozialen Leben abgelegt. Zum totalen Empathieverlust ist es allerdings ein langer Weg. Die Gründe für dieses Verhalten liegen in der gescheiterten Integration von Migranten in Westeuropa, in den Schwierigkeiten des interkulturellen Dialogs, in einer unbewältigten kolonialen Vergangenheit Europas, dessen Beziehungen zum Nahen Osten und zu Afrika von einer gewalttätigen Geschichte geprägt bleiben. Soviel zum unbewältigten Hass gegen Europa, gegen die westliche Zivilisation und ihre liberalen Werte. Die Ideologie, die der IS der liberalen westlichen Welt entgegensetzt, besteht aus Autoritarismus und Frauenfeindlichkeit, Schurkenstaatlichkeit, Verachtung und Versklavung von Menschen, arbiträrem Töten. Dorthin zu kommen, in eine solch nihilistische Weltanschauung, die alle positiven Interaktionen zwischen Menschen und Völkern in den Wind schlägt, ist ebenfalls ein langer Weg.

Ein solcher Hass entsteht durch absolute Armut, Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit, Diskriminierung, ungerechte gesellschaftliche Strukturen, religiöse Konflikte und Animositäten, Mangel an Bildung und Obskurantismus. All diese Faktoren wären demgemäß die wesentlichen Feinde einer humanistischen Zivilisation. Wir werden den Terrorismus nicht durch dumme Sprüche, wie jene von Donald Trump zur Bekämpfung einer islamischen Bedrohung lösen, sondern durch eine präzise Ursachenforschung, ein weltweites Verständnis der Zusammenhänge und den Versuch, den Terrorismus grundsätzlich anzugehen. Des Weiteren empfiehlt sich eine gute internationale Zusammenarbeit der westeuropäischen Polizei, der Einsatz hochmoderner informatischer Mittel in der Aufspürung von potentiellen Tätern, und hier wurden ja bereits beachtliche Erfolge verzeichnet.

Über all diese Überlegungen hinaus bleibt uns natürlich nur noch die Trauer und die Besinnung. Die schönste Orte Europas, die Menschen seit Jahrhunderten zusammenbringen, wurden zu Schauplätzen des Hasses. Europa und seine Menschen müssen stehen bleiben, an ihren Beziehungen zum mittleren Osten arbeiten. Die friedlichen und fortschrittlichen islamischen Kräfte müssen unterstützt werden und im besten Falle mit Europa an einem Strang ziehen.