LUXEMBURG
JK

Vor 100 Jahren: Am 15. Januar 1919 wurde Großherzogin Charlotte vereidigt

Die Herrschaft der bei ihrem Amtsantritt 18-jährigen Großherzogin Marie-Adélaïde fiel in eine von zahlreichen innen- und außenpolitischen Krisen geprägte Zeit. Anders als ihr Vater Guillaume und ihre Großvater Adolphe wollte sie keine Repräsentationsfigur sein, sondern aktiv Regierungsgewalt ausüben. Nach Abzug der deutschen Truppen im Jahr 1918 kam es zu Unruhen, einem missglückten Putsch und dem Versuch, die Republik auszurufen. Der arg kritisierten Marie-Adélaïde blieb nichts anderes übrig, als zugunsten ihrer jüngeren Schwester Charlotte abzudanken, was dann auch am 9. Januar 1919 geschah.

„Je vivrai la vie de mon peuple“

Am 15. Januar 1919 wurde die damals 23 Jahre alte Charlotte als neue Großherzogin von Luxemburg vereidigt. In ihrer Ansprache sagte sie zwei Sätze, die sich als eine Art Leitfaden durch ihre gesamte Herrschaft ziehen sollten: „Je vivrai la vie de mon peuple dont je ne veux pas être séparée par aucune barrière. Je partagerai ses joies et ses souffrances“.

Die Luxemburger Dynastie stand damals vor einer schwierigen Bewährungsprobe, aus der sie jedoch nach dem Referendum vom 28. September 1919 gestärkt hervorging: Bei der Volksbefragung sprachen sich 80 Prozent der Luxemburger für die Beibehaltung der Monarchie unter Großherzogin Charlotte aus, die Erbmonarchie in Luxemburg wurde bestätigt.

Am 6. November 1919 heiratete Großherzogin Charlotte ihren Cousin Félix von Bourbon-Parma.

Nach der Besetzung Luxemburgs am 10. Mai 1940 durch deutsche Truppen flüchtete die Großherzogin mit ihrer Familie und der Regierung über Frankreich, Portugal und die Vereinigten Staaten ins Exil nach Kanada und London. Von 1940 bis 1944 wurde die Großherzogin durch ihre Radioansprachen über die BBC zum Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit ihres Landes.

Groß war dann auch die Freude in Luxemburg, als Großherzogin Charlotte am 14. April 1945 aus dem Exil zurückkehrte. Am 12. November 1964 dankte Großherzogin Charlotte von Luxemburg nach einer Amtszeit von 45 Jahren zugunsten ihres Sohnes Jean ab.