LUXEMBURG
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Die wichtigsten Etappen in der Biographie von Großherzog Jean

Kurz nach 6.00 am Dienstagmorgen kam sie, die Hiobsbotschaft: „C’est avec grande tristesse que je vous fais part du décès de mon père bien-aimé, Son Altesse Royale le Grand-Duc Jean, qui nous a quittés dans la paix, entouré de l’affection de sa famille“, informierte Großherzog Henri übers Hofmarschallamt. Seit die Medien Sonntagnachmittag informiert wurden, dass sich der Gesundheitszustand des 98-jährigen ehemaligen Staatschefs drastisch verschlechtert und sich die Familie ans Krankenbett begeben habe, bangte Luxemburg um das ehemalige Staatsoberhaupt, das am 13. April mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Zwischenzeitlich hatte es positive Nachrichten der Besserung gegeben. Es sollte nicht sein... Der Schock in Luxemburg, aber auch in vielen anderen Ländern und in vielen Organisationen, denen Großherzog Jean zeitlebens angehörte, sitzt tief.

Ernennung zum Erbgroßherzog kurz vor dem Zweiten Weltkrieg

Der Monarch, der zwischen 1964 und 2000 die Geschicke des Landes leitete, war allseits bekannt und beliebt und nahm bis kurz vor seinem Tod regelmäßig teil am gesellschaftlichen Leben. Der am 5. Januar 1921 geborene Jean Benoît Guillaume Robert Antoine Marc d’Aviano wuchs mit seinen Geschwistern Elisabeth (1922), Marie-Adélaïde (1924), Marie-Gabrielle (1926), Charles (1926) und Alix (1929) auf Schloss Berg auf. Im Alter von 18 Jahren, am 5. Januar 1939, wurde der junge Prinz zum Erbgroßherzog von Luxemburg ernannt und in den Rang eines Leutnants in der Armee erhoben.

Am 22. April 1939 bei der Jahrhundertfeier der Unabhängigkeit hielt der junge Erbgroßherzog seine erste Ansprache, in der er den Wunsch des Landes nach Freiheit und Unabhängigkeit hervorhob. Zusammen mit seinen Eltern wohnte der Erbgroßherzog allen wichtigen Ereignissen in der damaligen Zeit bei.

Als Nazi-Truppen das Großherzogtum am 10. Mai 1940 überfielen, musste er zusammen mit der übrigen Herrscherfamilie das Land verlassen, kehrte jedoch 1944 als Offizier des britischen Regiments der „Irish Guards“ zurück. Der junge Prinz nahm an der Landung in der Normandie und der Befreiung von Brüssel teil, bevor er am 10. September 1944 zusammen mit den ersten alliierten Truppen wieder luxemburgischen Boden betrat.

Am 7. November 1952 wurde die Verlobung von Erbgroßherzog Jean mit der belgischen Prinzessin Joséphine-Charlotte bekanntgegeben. Die Hochzeit wurde am 9. April 1953 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. Auf Schloss Betzdorf (heute Sitz der SES - „Société Européenne des Satellites“) gründete das junge Paar seine Familie. Hier wurde die Prinzenkinder Marie-Astrid (1954), Henri (1955), Jean und Margaretha (1957) sowie Guillaume (1963) geboren.

Am 28. April 1961 wurde Erbgroßherzog Jean zum „Lieutenant-Représentant“ von Großherzogin Charlotte ernannt. Am 4. Mai 1961 erfolgte die Vereidigung. In dieser Eigenschaft begleitete Erbgroßherzog Jean Großherzogin Charlotte zu einem Besuch in die USA.

Fast 36 Jahre lang Staatschef

Im hauptstädtischen Palais unterzeichnete Großherzogin Charlotte am 12. November 1964, nach 45-jähriger Herrschaft, ihre Abdankungsurkunde. Vor der Abgeordnetenkammer wurde am gleichen Tag Großherzog Jean von Luxemburg vereidigt. Das silberne Thronjubiläum von Großherzog Jean wurde im November 1989 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. Der allseits beliebte Großherzog Jean dankte am 7. Oktober 2000 zugunsten seines Sohnes, Erbgroßherzog Henri, ab. Großherzog Jean und Großherzogin Joséphine-Charlotte, die ihrem Gatten während seiner fast 36-jährigen Herrschaft stets treu zur Seite stand, zogen sich nach Schloss Fischbach zurück. Am 10. Januar 2005 verstarb die am 11. Oktober 1927 geborene Großherzogin Joséphine-Charlotte.

Zurückblickend kann festgehalten werden, dass die Herrschaft von Großherzog Jean (1964-2000) in eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes fiel, in der sich das Großherzogtum vom Agrar- und Industriestandort zum modernen Dienstleistungszentrum entwickelte.