PARIS
CHRISTIAN SPIELMANN

Das Musical „Funny Girl“ erstmals in Paris

Fanny Brice, die als Fania Borach 1891 geboren wurde und 1951 starb, war in den 1910er Jahren ein Star des musikalischen Theaters in Amerika. Ihre Karriere begann im Burlesque, bevor sie 1910 von Florenz Ziegfeld entdeckt wurde und während zwei Jahren der Star in seinen „Ziegfeld Follies“ war. Erst 1921 kehrte sie in die Show zurück. Später war sie eine Radiomoderatorin und drehte ebenfalls ein paar Kinofilme. Der Komponist Jule Styne setzte ihr 1964 mit dem Musical „Funny Girl“ ein Denkmal, das 1968 von William Wyler verfilmt wurde. Barbra Streisand gewann für ihre erste Filmrolle gleich den Oscar.

Im Pariser „Theâtre Marigny“ läuft das Musical nun erstmals in Frankreich. Regie führt der Brite Stephen Mear, der auch die Choreografie erschuf. Im Frühjahr inszenierte er im gleichen Theater bereits den Klassiker „Guys and Dolls“. Die Show wird in englischer Sprache gespielt mit französischen Übertiteln.

Ein gut gelauntes Mädchen

Fanny (Christina Bianco) fällt bei einem Vortanzen für eine Show durch. Der Choreograf Eddie Ryan (Matthew Jeans) lässt sich von ihr überreden, ihr Unterricht in Sachen Tanz und Schauspielerei zu geben. Ihre Mutter (Rachel Stanley) und ihre Nachbarin, Mrs. Strakosh (Shirley Jameson) versuchen ihr diese Karriere mit dem Lied „If a Girl Isn’t Pretty“ auszureden, denn nur hübsche Mädels haben im Showbusiness eine Chance. Doch Fanny lässt nicht locker und ist überzeugt von sich: „I’m the Greatest Star“. Sie soll recht behalten, denn der bedeutendste Theaterproduzent in Amerika, Florenz Ziegfeld (Mark Inscoe), wird auf sie aufmerksam.

Fanny ist stets gut gelaunt, hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und wird durch ihre lustige Art zum Star. Sie lernt Nick Arnstein (Ashley Day) kennen, ein Spieler und Lebemann. Beide heiraten, und Nick plant den Bau eines Casinos. Da ihm Geld fehlt, leiht ihm Fanny die fehlende Summe, was Nick nicht unbedingt gefällt. Ein Sturm zerstört den Bau in Florida, und Nick ist ruiniert. Er nimmt Fannys erneute Hilfe nicht an. Er wird in illegale Aktiengeschäfte verwickelt und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein Abschnitt in Fannys Leben

Das Musical behandelt den Aufstieg von Fanny zum „Funny Girl“ und ihre Heirat mit Nick - beide haben in der Show auch ein Kind zusammen; in Wirklichkeit waren es ein Mädchen, Frances, und ein Junge, William. Fanny sitzt zu Beginn der Show in ihrer Garderobe und lässt ihre bisherige Karriere Revue passieren.

Eine ausgezeichnete Christina Bianco haucht der Show-Legende Leben ein, singt mit einer wunderbaren Stimme die Hit-Songs „I’m the Greatest Star“, „People“, „Don’t Rain on My Parade“ und „The Music That Makes Me Dance“ und wirkt zudem komisch oder melancholisch, je nachdem was um sie herum passiert. Ashley Day kann gefallen, muss sich aber gegenüber der alles dominierenden Bianco anstrengen. Die beiden Damen Rachel Stanley und Shirley Jameson haben ihre gesanglichen Höhepunkte mit „If a Girl Isn’t Pretty“ und „Find Yourself a Man“ und sorgen für ein paar humorvolle Momente.

Regisseur Mear hat sein Ensemble im Griff, und alle spielen und tanzen in Perfektion, wobei man die Choreografie zu „Rat-Tat-Tat-Tat“ besonders hervorheben muss. Hier tanzen die Showgirls in glitzernden grauen Militäruniformen und kurzen Röcken und jonglieren dabei stilisierte Gewehre.

Die Requisiten werden vom Ensemble auf die und von der Bühne getragen, und die Hintergründe werden von der Decke herabgelassen, wie eine Wäscheleine, Rahmen mit Türen und Fenster oder Aufschriften. Alle Umbauten geschehen reibungslos, ohne den Ablauf der Show zu stören. Auch nach 55 Jahren wird diese Geschichte gefallen und die Musik noch immer in die Ohren gehen. Und wenn dieses Musical von einem absolut bemerkenswerten Ensemble gespielt wird, mit einer magistral aufspielenden Christina Bianco, wird es zum Meisterwerk, das man sich einfach ansehen muss.

Das Musical „Funny Girl“ läuft noch bis zum 5. Januar 2020. Tickets und alle weiteren Informationen findet man unter www.theatremarigny.fr